Verbraucherzentrale warnt : Verwirrspiel mit Post-Ident-Verfahren

Gisela Piepiorka  aus Flensburg wurde unfreiwillig zur Tele2-Kundin. Foto: Dommasch
Gisela Piepiorka aus Flensburg wurde unfreiwillig zur Tele2-Kundin. Foto: Dommasch

Mit der Post-Ident-Unterschrift auf Kundenfang: Einige Telefonanbieter nutzen eine vermeintliche Empfang-Bestätigung an der Haustür zum Vertragsabschluss.

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29. Oktober 2011, 11:55 Uhr

Schnell noch eine Unterschrift - und schon hat man den Vertrag. Die Verbraucherzentrale warnt vor einer verwirrenden Methode einiger Telekommunikationsunternehmen, bei dem die Unterschrift für das Post-Ident-Spezial genutzt wird. Bekannt geworden ist die Masche durch den Fall einer Rentnerin in Flensburg. In einem Werbeanruf wurden Gisela Piepiorka vom Anbieter Tele 2 ein Telefontarif und zusätzlich ein neuwertiges schnurloses Telefon angeboten.
"Gerade ältere Menschen werden von sehr wortgewandten Verkäufern überrumpelt und stimmen der Zusendung zu", sagt Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale. Kurz darauf erhielt die Flensburgerin das Päckchen - und der Postbote forderte sie zur Unterschrift auf.
Unterschrift an der Haustür
In dem Glauben, sie bestätigen lediglich den Empfang des Telefons, unterschreiben viele unfreiwillige Kunden direkt an der Haustür - ohne zu ahnen, dass sie sich damit an einen Vertrag binden. Denn das Dokument kann Grundlage eines rechtsgültigen Vertrages werden. "Einige Anbieter, besonders in der Telekommunikations- und Energie-Branche nutzen das Verfahren, um schnell und kostengünstig zu einem Vertragsabschluss zu kommen", sagt Hagen.
Obwohl die Anbieter sich gegenüber der Post verpflichten, die Verbraucher über das Verfahren und die rechtlichen Konsequenzen aufzuklären, bleiben dennoch viele Empfänger ahnungslos. Sie gehen davon aus, dass lediglich ein Empfang quittiert wird.
Vertrag widerrufen
Problematisch ist dies gerade deshalb, weil der Verbraucher die Vertragsunterlagen erst kurz vor der Unterzeichnung zu sehen bekommt. Er wird überrascht und hat kaum Zeit den Inhalt zu überprüfen. Gleichzeitig ist es nicht die Aufgabe des Postboten, den Belieferten aufzuklären: Er darf wegen des Briefgeheimnisses eigentlich gar nicht wissen, was er übermittelt.
Doch die Kunden wider Willen sind nicht unabwendbar an den Vertrag gebunden. Sie können ihn regelmäßig innerhalb von zwei Wochen widerrufen. "Wer eine Post-Ident Spezial-Sendung bekommt, sollte die Unterlagen vor einer Unterschrift gründlich studieren. Falls kein Vertragsschluss gewünscht oder das gründliche Durchlesen nicht möglich ist, kann und sollte eine Unterschrift verweigert werden", so Dr. Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.
Widerspricht der Verbraucher nach seiner Unterschrift nicht innerhalb von zwei Wochen, kann der Vertrag rechtsgültig sein. "Dieses Verfahren ist nicht illegal", betont Hagen. Wer sich danach noch aus dem Vertrag lösen möchte, muss beweisen, dass er im Werbegespräch getäuscht worden ist - meist sei das aber nicht möglich.

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