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Vermisste Sina L. : Verurteilter Frauenmörder tötet erneut

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die vermisste 37 Jahre alte Sina L. aus Neustadt in Holstein ist Opfer eines Triebtäters geworden, der unter Führungsaufsicht stand.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2015 | 11:23 Uhr

Neustadt | Die seit Juli vermisste Sina L. (37) aus Neustadt (Kreis Ostholstein) ist tot. Die Hotelfachfrau ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Ihr Mörder hat die Ermittler zu der fast vollständig skelettierten Leiche geführt. Der Fall ist eine Tragödie, denn der mutmaßliche Täter hat bereits schon einmal gemordet. Und er stand unter Führungsaufsicht, musste Medikamente nehmen, die seine Triebe dämpfen.

Bei einem Sonntagsspaziergang am 26. Juli kam Sina L. am psychiatrischen Ameos-Klinikum in Neustadt vorbei. Wohl ihr Todesurteil. Von dort folgte ihr Bewohner Wolfgang E. (62) auf seinem Fahrrad. So zeigen es die Überwachungskameras.

Wolfgang E. war 1991 wegen Mordes und sexueller Nötigung zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Wegen einer Triebanomalie ordnete das Gericht eine geschlossene Unterbringung an. Der geistig minderbemittelte Gelegenheitsarbeiter hatte in Nortorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) eine Seniorin (64) vergewaltigt und erdrosselt. Außerdem versuchte er, ein kleines Mädchen zu missbrauchen.

Ralf-Peter Anders, Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft: „Die zwangsweise Unterbringung in der Psychiatrie ist dann 2011 zur Bewährung ausgesetzt worden.“ Die Auflagen wurden eng gesetzt. Wolfgang E. musste seinen Wohnsitz in der Nachsorge-Einrichtung des Ameos-Klinikums nehmen, therapeutische Arbeit in einer Selbsthilfegruppe leisten – und die triebdämpfenden Medikamente nehmen. Anders: „Der Tatverdächtige erfüllte alle Auflagen, war vollkommen unauffällig.“

Doch in seinem Kopf muss es gebrodelt haben. Auf die Spur kamen die Ermittler dem Mann durch die Videoüberwachung auf dem Gelände des Klinikums. Sie zeigte in naher zeitlicher Abfolge erst die Vermisste, dann den Tatverdächtigen auf seinem Rad, so der Staatsanwalt. Den Beamten der Kripo Lübeck gestand Wolfgang E. die Tat. Polizeisprecher Dierk Dürbrook: „Zum Motiv erklärte er, er habe das Portemonnaie der Frau rauben wollen, dann sei die Sache eskaliert.“ Tatsächlich wurden bei der Durchsuchung des Zimmers im Klinikum Schmuckstücke gefunden, die Sina L. gehörten. Ob die Frau auch vergewaltigt wurde, muss die Gerichtsmedizin klären. Die Leiche hatte Wolfgang E. im Unterholz eines Wanderwegs zwischen Neustadt und Altenkrempe versteckt. Auf Antrag der Lübecker Staatsanwaltschaft ist gegen ihn Haftbefehl wegen Mordes erlassen worden.

Warum wurde er aus der Forensik entlassen? Laut ärztlichen Gutachten war nach 20 Jahren Behandlung ein Zustand eingetreten, der es verantwortbar mache, die Unterbringung unter Auflagen auszusetzen. Ein Ermittler: „Der Gesetzgeber will Menschen nicht wegsperren, wenn Ärzte Heilung erkennen.“ Doch in diesem Fall haben sie sich getäuscht.

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