Toter auf Bahngleis : Verteidigung plädiert auf Notwehr

Im Flensburger Gerichtssaal darf nur fotografiert werden, wenn die Hauptbeteiligten nicht anwesend sind. Foto: Dewanger
Im Flensburger Gerichtssaal darf nur fotografiert werden, wenn die Hauptbeteiligten nicht anwesend sind. Foto: Dewanger

Er soll den Ehemann seiner Freundin aus niedrigen Beweggründen erschossen und auf die Bahngleise gelegt haben: Die Verteidigung plädierte auf Notwehr.

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30. Januar 2009, 12:02 Uhr

Im Flensburger Mordprozess um einen Toten auf den Bahngleisen hat die Verteidigung auf Notwehr plädiert. Dem Angeklagten könne lediglich unerlaubter Waffenbesitz vorgeworfen werden, sagten die Verteidiger am Donnerstag. Sie forderten vor dem Landgericht eine Haftstrafe von 18 Monaten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, im Januar 2008 den Ehemann seiner Freundin aus niedrigen Beweggründen erschossen zu haben. Er hatte anschließend den Toten auf die Gleise gelegt, um einen Selbstmord vorzutäuschen - später überrollte ein Zug die Leiche. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Mordes lebenslange Haft gefordert.
"Durch meine Hand ist ein Mann gestorben. Ich schäme mich und bereue die Tat zutiefst", sagte der 51-Jährige in seinem Schlusswort genau ein Jahr und einen Tag nach der Tat. Zuvor hatte die Verteidigung erläutert, der Angeklagte und die Ehefrau des Opfers hätten ihre sexuelle Beziehung bereits zuvor beendet. Das spätere Opfer habe demnach auf einen Neuanfang in seiner Ehe hoffen können. Allerdings hätten sich der Angeklagte und seine ehemalige Freundin auch nach der Trennung noch auf freundschaftlicher Basis getroffen. Dies sei ein mögliches Motiv für den Angriff des Ehemannes auf den Angeklagten, betonten die Verteidiger.
"Ich habe wie im Nebel gehandelt"
"Ich kann mein Handeln nicht entschuldigen, aber vielleicht erklären", sagte der 51 Jahre alte Unternehmer. "Ich hatte einfach Angst um mein Leben, als ich zur Waffe griff." Das spätere Opfer habe am Tattag mit einem massiven Fahrradschloss auf ihn einschlagen wollen. Die Verteidigung räumte ein, dass das Gericht zu beurteilen habe, ob ein Kopfschuss in dieser Notsituation ein angemessenes Abwehrverhalten gewesen sei. Falls nicht, sei wegen Totschlags eine Haftstrafe von fünf Jahren angemessen, befanden die Verteidiger. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte es den Angriff - und damit die Notwehrsituation - nicht gegeben.
Nach der Tat den Freitod des Opfers vortäuschen zu wollen, sei zwar moralisch verwerflich, aber rechtlich nicht relevant, betonte ein Verteidiger. "Ich habe wie im Nebel gehandelt", erläuterte der Angeklagte. Von Seiten der Nebenklage und der Verteidigung wurden noch sogenannte Hilfsbeweisanträge gestellt. Sollte das Gericht diesen Anträgen folgen, müsse erneut in die Beweisaufnahme eingetreten werden. Anderenfalls ist das Urteil für den 9. Februar geplant.

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