Busse und Bahnen im öffentlichen Nahverkehr : Verspätet: 1657 Fahrgäste holten sich Geld zurück

700.000 Menschen sind in Schleswig-Holstein täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Foto: ros
700.000 Menschen sind in Schleswig-Holstein täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Foto: ros

Trotz "zwei Wintern im Jahr" sind Busse und Bahnen zu 90 Prozent pünktlich im öffentlichen Nahverkehr im Norden. Wenn, nicht, dann holen sich die Fahrgäste ihr Geld zurück.

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13. Juni 2011, 09:38 Uhr

Kiel | Ein Jahr mit "zwei Wintern" hat dem öffentlichen Nahverkehr in Schleswig-Holstein die Pünktlichkeitsbilanz kräftig verhagelt. Weil Bussen und Bahnen 2010 Eis und Schnee bis weit in den März zusetzen und es schon Ende Oktober wieder zu winterlichen Behinderungen kam, erreichten nur 90 Prozent der öffentlichen Verkehrsmittel pünktlich ihr Ziel. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor waren es noch über 93 Prozent. "Sorgenkind" ist offenkundig die Strecke Hamburg-Schwerin. Auf der relativ langen Strecke haben die Züge nur zehn Minuten Zeit, um wieder in die Gegenrichtung zu starten, so dass eine einmalige Verspätung eine Kettenreaktion auslösen kann.
Trotzdem zeigte sich Bernd Wewers von der Landesweiten Verkehrsservice Gesellschaft (LVS) gestern zufrieden: "Bus und Bahn werden immer beliebter und konnten ihren Marktanteil auf sieben Prozent erhöhen." Vor sechs Jahren waren es erst 5,5 Prozent. 700.000 Menschen sind in Schleswig-Holstein täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.
Zufriedenheit der Reisenden hat sich trotz vespäteter Züge leicht erhöht
Auch die Zufriedenheit der Reisenden hat sich trotz verspäteter Züge 2010 leicht erhöht. Sie gaben der Bahn die Schulnote 2,79. Die Busse kamen mit 3,04 schlechter weg. "Positiv schlägt dabei vor allem zu Buche, dass sich die Menschen sicher fühlen", so Wewers. Sobald es dunkel werde, sei ein Zugbegleiter an Bord und in den neuen Waggons gebe es kaum noch dunkle Ecken. Weil es in den Zügen im Norden gesittet zugeht, hält die LVS die Einführung eines Alkoholverbots wie in Niedersachsen nicht für nötig. Dort seien es vor allem die Fans von vier Bundesliga-Clubs, die mit übermäßigem Alkoholkonsum auf der an und Abreise Probleme bereiteten.
Zugleich kündigte Wewers an, dass zum Fahrplanwechsel im Dezember die Strecke Kiel-Eckernförde werktags stündlich bedient wird und das Platzangebot auf den Strecken von Neumünster nach Kiel und Bad Segeberg erhöht wird. Mittelfristiges Ziel sei zudem ein Halbstundentakt nach Hamburg von Kiel und Itzehoe aus, da jeder zweite Pendler aus Hamburg kommt oder dorthin will.
LVS darf sich in Tarifstreit der privaten Bahnen nicht einmischen
Eine erste positive Bilanz zieht die LVS in Sachen Entschädigungsgarantie. Wie berichtet haben Kunden seit Mitte April Anspruch auf eine 50-prozentige Fahrpreiserstattung, wenn Bus und Bahn sich mehr als 20 Minuten verspäten. Davon haben bisher 1657 Fahrgäste Gebrauch gemacht und insgesamt 4549 Euro erhalten - im Schnitt 2,75 Euro.
Für Irritationen sorgte Wewers Ankündigung, alle Bahnbetreiber angesichts der streikbedingten Zugausfälle bei der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) an einen Tisch zu holen. "Hier müssen wir eine Lösung finden", so Wewers. So sei denkbar, dass private nicht bestreikte Bahnanbieter der NOB zur Seite springen und Verkehrsleistungen übernehmen, wie es bereits die Niebüller Eisenbahn Gesellschaft (NEG) mache. Rechtsexperten sehen den LVS-Vorstoß aber kritisch, da er gegen die Neutralitätspflicht in Tarifkonflikten verstößt. Land und die landeseigene LVS dürften sich in den seit Wochen schwelenden Tarifstreit nicht einmischen.

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