Lebensgefahr : Versenkte Munition in Nord- und Ostsee

Gefahr beim Strandspaziergang: In Nord- und Ostsee lauern noch Munitionsreste. Foto: Georg Scharnweber
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Gefahr beim Strandspaziergang: In Nord- und Ostsee lauern noch Munitionsreste. Foto: Georg Scharnweber

Mindestens 283 Menschen sind in der Nachkriegszeit von Munitionsabfällen in Nord- und Ostsee getötet worden. Warum auch Bernsteinsammeln gefährlich sein kann, lesen Sie hier.

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03. April 2008, 10:16 Uhr

Durch Phosphorreste und Rückstände von Munition werden immer wieder Menschen verletzt oder sogar getötet. Allein bei Unfällen mit Munition sind von 1945 bis 1985 Umweltschützern zufolge mindestens 283 Menschen an der deutschen Nord- und Ostseeküste gestorben. Mindestens 298 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, heißt es in einer neuen Studie der Umweltorganisation Aktionskonferenz Nordsee in Bremen.
Risiken gingen nicht nur von versenkten Altlasten aus den beiden Weltkriegen aus, sagte der Meeresbiologe Stefan Nehring. Neue Gefahrenquellen stellten auch Munitionsreste von Bundeswehr, Nationaler Volksarmee der DDR, sowjetischer Armee und der NATO dar.
Verletzt beim Bernsteinsammeln
Erst Ende März hatte sich eine Frau am Strand bei Trassenheide (Usedom) Brandverletzungen zugezogen, weil sie ein Stück Phosphor mit Bernstein verwechselt und in die Hosentasche gesteckt hatte, wie das Amt Usedom Nord mitteilte. Seit 1991 war es der siebente Fall, der im Norden Usedoms registriert wurde. Der Phosphor stammt aus Munition von Bombenangriffen während des Zweiten Weltkrieges und wird bei Stürmen an die Küste gespült. Hinweisschilder an jedem Strandaufgang machen die Strandbesucher auf die Gefahren aufmerksam. Damit komme das Amt seiner Verkehrssicherungspflicht nach, sagte Amtsleiter Siegfried Krause.
Gefahr wird verschwiegen
Der Meeresbiologe Nehring geht von einer hohen Dunkelziffer bei Unfällen aus, da viele Verletzungen von Sporttauchern oder Phosphorunfälle in der Fischerei nicht ausreichend dokumentiert seien. "Bis heute haben die Behörden keine Konzepte für den Umgang mit diesem Problem und verschweigen die Gefahren", warnte Nehring. So sei weiterhin in vielen Munitionsgebieten das Fischen und in Phosphor-Problemgebieten das Bernsteinsammeln erlaubt. Zum Schutz von Touristen vor gefährlichem Strandgut solle dies etwa auf Usedom, in Laboe und im niedersächsischen Tossens (Kreis Wesermarsch) verboten werden.

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