Software-Fehler : Versatel-Telefone schon wieder tot

Baustelle Versatel: Wenige Wochen nach einem schweren Systemfehler sind wieder einige Anschlüsse tot. Foto: Staudt
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Baustelle Versatel: Wenige Wochen nach einem schweren Systemfehler sind wieder einige Anschlüsse tot. Foto: Staudt

Es ist erst wenige Wochen her, dass Versatel-Telefone im ganzen Norden lahm lagen. Jetzt klingelte in weiten Teilen Schleswig-Holsteins wieder nichts. Auch die Regierung war wieder betroffen.

shz.de von
13. Januar 2011, 08:19 Uhr

"Wir haben seit 9.30 Uhr einen technischen Defekt in einem Telefonvermittlungssystem in Rendsburg", sagt Versatel-Sprecherin Kathleen Voigt. Dieser Fehler führte dazu, dass die Telefondienste vielerorts in Schleswig-Holstein ausfielen. Feuerwehr, Polizei, Stadtverwaltung und Krankenhaus - niemand war seit der Störung zu erreichen. Erst um 17.30 Uhr waren sämtliche Störungen beseitigt.
"Weil wir niemanden anrufen konnten, nutzten wir unsere Handys", sagt Martin Wilde, Geschäftsführer des Rendsburger Krankenhauses. Die Notrufnummern 110 und 112 waren von dem Ausfall nicht betroffen. "Der Verbund der Polizei-Leitstellen ist bei einem anderen Anbieter", sagt ein Sprecher der Regionalleitstelle Nord in Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg).
Krankenhäuser nicht erreichbar
Es ist die zweite große Störung innerhalb weniger Wochen. Am 7. Dezember waren zahlreiche Versatel-Telefone in Schleswig-Holstein und Hamburg nicht erreichbar. Wer an diesem Dienstag bei der Integrierten Rettungsleitstelle in Neumünster direkt anrief, hörte nichts. Auch die Polizei in Kiel hatte massive Probleme, die Beamten in Eckernförde waren komplett abgeschnitten. In Husum und Niebüll waren die Krankenhäuser nicht zu erreichen. Frank Brinkmann von der Husumer Stadtverwaltung war alles andere als amüsiert, als die Diensttelefone wieder einmal streikten. "Das ist wie mit einem harten Winter", erklärt der städtische IT-Experte. "Wenn das einmal in zehn Jahren vorkommt, okay. Aber zweimal binnen eines Monats...?" Allein im Bereich der Stadtverwaltung hatte der abermalige Ausfall der Telefonnetzes weitreichende Konsequenzen. Auf normalem Wege waren Stadtverwaltung, Feuerwache und fünf der neun Schulen für Stunden nicht erreichbar. Die anderen vier Schulen sind noch bei der Telekom. "Das wollen wir eigentlich vereinheitlichen, aber bei Ausfällen wie diesen kommt man schon ins Grübeln", sagt Brinkmann und kündigt an: "Wenn das noch einmal vorkommen sollte, gehen wir woanders hin."
Neben der Husumer Stadtverwaltung waren in Nordfriesland die Kreisverwaltung sowie diverse Unternehmen wie zum Beispiel der Windkraftanlagen-Hersteller Vestas und unzählige Privatkunden von dem Ausfall betroffen.
Landesbehörden und -regierung wieder mit betroffen
Auch die Landesbehörden hatten massive Probleme. So konnten die Verwaltungen untereinander telefonieren, aber weder angerufen werden noch nach Extern anrufen. Für die Telefonanlage ist das Finanzministerium zuständig. Schon bei einer Störung am 7. Dezember war das Netz von Regierung und Verwaltung betroffen. Sprecher Torsten Borchers nennt die Störungen "inakzeptabel". Der Vertrag mit Versatel sei durch eine Ausschreibung zustande gekommen und laufe seit Oktober 2009. Borchers kündigt nun Konsequenzen an: "Diese beiden Großstörungen werden bei den Verhandlungen berücksichtigt, die für eine mögliche Verlängerung des Vertrages im April anstehen."
An der Telefonzentrale der Landesbehörden und Gerichte in Itzehoe hängen zehn Behörden inklusive Landgericht, Amtsgericht und Staatsanwaltschaft. Mit Blick auf die Staatsanwaltschaft und die Dioxin-Arie sagt Telefonistin Loni Hatterscheid (60): "Wenn es letzte Woche passiert wäre, wäre es schlimmer gewesen." An normalen Tagen kommen für die vier Mitarbeiter 300 bis 350 Anrufe an. "Heute hatten wir einen ganz langweiligen Tag." Ab 15 Uhr klingelten die Telefone wieder, "jetzt wird alles nachgeholt". Und: Vorher seien die Behörden Telekom-Kunden gewesen. "Da konnte unser Service-Center in Kiel immer alles hinbasteln."
"Sehr ruhig" im Rathaus Itzehoe
Auch im Itzehoer Rathaus klingelten die Telefone nicht. Telefonistin Andrea Ladiges (44) beschreibt ihren Arbeitstag als "sehr ruhig". Genervt sei sie aber nicht: "Man kann nichts dran ändern, man ist halt abhängig von der Technik." Genervten Rathaus-Kunden habe sie die Lage erklärt, "dann war wieder gut. Große Pöbeleien gab es deswegen nicht. Wir sind ja alle da und wollen arbeiten, können es aber nicht." Und die letzte Aussage um kurz vor 15 Uhr: "Ich kann nur hoffen, dass es bis um 16 Uhr geht, damit ich weg bin." Um die Zeit konnte Versatel-Sprecherin Voigt aber noch nicht vermelden, dass alles wieder reibungslos laufe.
Während auch in Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) unter anderem das Rathaus nicht erreichbar war, meldete das Amt Südtondern (Kreis Nordfriesland) keine Beeinträchtigungen. Auch der Kreis Pinneberg blieb verschont.
"Wir bedauern jede Störung außerordentlich"
Erst um 17.30 Uhr waren alle Auswirkungen des Systemfehlers beseitigt, alle Störungen behoben. Warum nur wenige Wochen nach einem ersten großen Ausfall schon wieder ein so schwerer Fehler auftritt, kann Voigt ebensowenig beantworten. "Wir müssen erst analysieren, wieso es zu diesem Fehler kam." Voigts Aussage, es habe sich um einen Software-Fehler gehandelt, revidierte ihre Kollegin Jana Wessel am Nachmittag. "Es hatte auch nichts mit dem Winterwetter zu tun", so Wessel.
Wer nicht über seinen Versatel-Anschluss telefonieren konnte, wich aufs Handy aus. Kunden, denen dadurch unnötige Kosten entstanden sind, sollten sich mit Versatel in Verbindung setzen, empfielt Voigt und ergänzt: "Wir bedauern jede Störung außerordentlich."

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