Tierheime : Vermittlungsstopp zu Weihnachten

Ein Hund fürs Weihnachtsfest - ein schöner Gedanke. Aber hält das auch noch im nächsten Jahr? Foto: dpa
Ein Hund fürs Weihnachtsfest - ein schöner Gedanke. Aber hält das auch noch im nächsten Jahr? Foto: dpa

Tierheime wollen über die Weihnachtszeit keine Tiere vemitteln. Zu viele Kinder würden die Verantwortung unterschätzen. Viele Eltern aber auch.

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20. Dezember 2012, 10:21 Uhr

Kiel/Flensburg | Ein süßes Kätzchen zu Weihnachten - das steht wohl auch in diesem Jahr wieder auf einigen Wunschzetteln von Kindern. Oftmals hält die Freude aber nur ein paar Wochen, denn die mit dem Tier verbundene Arbeit überfordert manchmal nicht nur die Kinder. Besorgte Tierschützer rufen daher zu einem Weihnachts-Boykott auf. Das Motto "Keine Tiere zu Weihnachten!" Die meisten Tierheime im Land folgen dem Aufruf.
"Tiere sind unsere Mitgeschöpfe und keine Geschenke", sagt Willy Sandvoß bestimmt. Der Leiter des Flensburger Tierheims vermittelt schon seit 30 Jahren keine Tiere zur Weihnachtszeit. "Wir versuchen die Leute auch aufzuklären, warum wir das nicht machen", erzählt er, aber viele Menschen würden es einfach nicht verstehen. Sie sagen, dass ein Tierheim doch froh sein solle, wenn jemand ihnen die Tiere abnimmt. "Es geht aber nicht darum die Tiere loszuwerden sondern sie in gute Umgebungen zu bringen, wo sie bleiben können", berichtigt Sandvoß.

Ein Kind kann nicht für ein Tier verantwortlich sein

Im Kieler Tierheim Uhlenkrog ist die Meinung ähnlich: "Wir möchten durch den Vermittlungsstopp vermeiden, dass die Tiere in ein paar Wochen wieder zurückgegeben werden", erklärt Elisabeth Haase, die Leiterin des Tierheims. Ein Kind könne nicht die Verantwortung für ein Tier übernehmen. Deshalb können auch nur erwachsene Menschen ein Tier aufnehmen. "Man muss den Eltern klarmachen, dass sie für das Tier verantwortlich sind, nicht allein das Kind", sagt Haase. Hunde seien dabei das kleinste Problem.
Mit ihnen könnten die Interessenten zunächst einmal spazieren gehen, um das Verhalten des Tieres kennenzulernen. In Flensburg würden die Interessenten sogar drei bis viermal mit dem Hund und einem weiteren Mitarbeiter, um den Block geschickt. "Bei einer Katze geht das aber leider nicht", sagt Haase. Da müsse man versuchen die Familie und die Umgebung genau zu beurteilen. Schlimmer sei es bei Kleintieren, wie Hamstern, Kaninchen oder auch Vögel, sagt Sandvoß.

Die Kleinen trifft es am schlimmsten

Denn kleine Haustiere würden oftmals unterschätzt. Vor allem wenn sie als Geschenk gedacht sind. "Die Menschen waren vorher meist nicht richtig informiert", meint der Flensburger Tierschützer. Als Folge würden viele Kleintiere, nur Wochen nach ihrer Vermittlung, wieder im Tierheim oder schlimmstenfalls im Müllcontainer landen.
Der Vermittlungsstopp gilt in Flensburg seit Anfang der Woche. Erst im neuen Jahr können dort, wie auch im Uhlenkrog in Kiel, wieder Tiere abgeholt werden. Willy Sandvoß erwartet schon eine Welle von Interessenten zum neuen Jahr. Tierschützerin Haase rät Interessierten sich vor Weihnachten ein Tier anzuschauen und auszusuchen. Anschließend solle man aber noch mal darüber schlafen.

Im nächsten Jahr freut man sich auch

Schließlich könne man das Tier auch im neuen Jahr abholen. Dann haben die meisten Tierheime auch wieder geöffnet. Neben den Heimen in Flensburg und Kiel, haben beispielsweise auch die Tierschutzvereine in Lübeck, Rendsburg, Bad Oldesloe und Lübbersdorf ihre Vermittlungsversuche bis zum Ende der Weihnachtszeit eingestellt.
"Es ist den Tierheimen selbst überlassen, wie sie mit den Tieren über die Weihnachtszeit verfahren", erklärt Heimleiterin Haase. Die meisten würden genauso agieren wie sie. Auch wenn es bei ihr in Kiel momentan etwas mehr zu tun gibt: Nach einem Brand in einer Kieler Zoohandlung zu Beginn des Monats sind 190 Nagetiere und 140 Vögel von Haase und ihren Mitarbeitern aufgenommen worden. Die Tiere werden noch nicht vermittelt sondern fürs Erste medizinisch behandelt und gepflegt. Im neuen Jahr sollen sie aber durch das Tierheim vermittelt werden.
Wer bis dahin nicht warten kann, wird suchen müssen. Die Mehrheit der Tierheime im Land will den Vermittlungsstopp unterstützen. Die Aktion "Verschenke keine Tiere" rät indessen dazu ein Stofftier mit einem Tierheim-Gutschein zu schenken. Das gebe noch ein bisschen Zeit die Entscheidung zu überdenken und sorge auch für Freude am Weihnachtsabend.

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