Polizei : Vermisstenzahl in SH steigt: Über 200 Menschen werden gesucht

Über 200 Menschen werden in Schleswig-Holstein vermisst.

Über 200 Menschen werden in Schleswig-Holstein vermisst.

Weihnachten im Kreise der Familie - nicht für alle ist das selbstverständlich. An manchen Festtafeln bleibt ein Platz leer, weil ein Familienmitglied vermisst wird - nicht selten handelt es sich um Jugendliche.

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23. Dezember 2017, 09:13 Uhr

Kiel/Wiesbaden | Die Zahl der Vermissten ist in diesem Jahr in Schleswig-Holstein weiter gestiegen. Der Anstieg seit 2015 stehe im Zusammenhang mit der Flüchtlingszuwanderung, erklärte eine Sprecherin der Landeskriminalpolizei in Kiel.

  • Im aktuellen Jahr gab es (Stand 19.12.) insgesamt 2874 Vermissten-Meldungen. 2653 Menschen tauchten wieder auf, 221 werden weiterhin vermisst - 156 von ihnen sind Jugendliche oder Heranwachsende. Zwei Drittel der 156 jungen Vermissten sind männlich.
  • Im Jahr 2016 war die Gesamtzahl der Vermissten (4220) zwar deutlich höher als 2017, aber bis auf 96 Personen tauchten alle wieder auf.
  • 2015 blieben 92 von insgesamt 3034 Vermissten verschwunden.
  • Dagegen waren in den Jahren vor der starken Flüchtlingszuwanderung jeweils nur etwa eine handvoll Menschen in Schleswig-Holstein vermisst geblieben.
  • Auch in ganz Deutschland ist die Zahl der vermisst gemeldeten Menschen im laufenden Jahr auf vergleichsweise hohem Niveau geblieben. Zum Stichtag 1. Oktober waren es 14.903, wie das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden auf Anfrage mitteilte. Das waren zwar etwas weniger als zu dem Zeitpunkt im Vorjahr, als 15.700 Vermisste gezählt worden waren. Die Zahl liegt aber weiter deutlich über dem Wert von Anfang Oktober 2015. Damals waren es bundesweit lediglich etwa 9900 Vermisste.
Deifnition: Wer gilt als vermisst?

Personen gelten als vermisst, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben, ihr Aufenthalt unbekannt ist oder eine Gefahr für Gesundheit und Leben besteht. Die meisten seien „Kurzzeitvermisste“, die innerhalb weniger Tage wieder angetroffen werden, sagte die Polizeisprecherin.

Die starke Zunahme von 2015 auf 2016 hatte das BKA mit der gestiegenen Zahl von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in dieser Statistik begründet. Das Minus um rund 800 Vermisste von 2016 und 2017 sei angesichts der absoluten Zahlen nicht signifikant und könne nicht auf einen bestimmten Grund zurückgeführt werden, sagte eine BKA-Sprecherin. „Die Zahlen sind nur eine Momentaufnahme“, sagte sie. Teilweise schwankten die Werte pro Tag um 150 bis 200 Meldungen. „Dazu gehört der Vermisste, der seit 30 Jahren gesucht wird und der, der seit zehn Minuten vermisst wird“, erklärte die BKA-Sprecherin. Im Fall der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge dürfe zudem nicht vergessen werden, dass es sich um Vermissten-Meldungen handelt.

Aussagen zur tatsächlichen Zahl der Vermissten aus diesem Kreis lassen sich laut BKA kaum machen, unter anderem weil Flüchtlinge mehrfach registriert seien.

Laut BKA erledigt sich ungefähr die Hälfte der Vermisstenfälle innerhalb der ersten Woche. Binnen Monatsfrist erreiche dieser Wert dann schon mehr als 80 Prozent. Der Anteil der Menschen, die länger als ein Jahr vermisst würden, bewege sich bei nur etwa drei Prozent.

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