Fahrensodde in Flensburg : "Vermietung ist unverantwortlich"

Gefahrstufe Rot? Der Fachbereich Kommunale Immobilien hält die weitere Vermietung in Fahrensodde für unverantwortlich. Foto: Dewanger
Gefahrstufe Rot? Der Fachbereich Kommunale Immobilien hält die weitere Vermietung in Fahrensodde für unverantwortlich. Foto: Dewanger

Kein Brandschutz, marode Elektroanlagen: Das Ende der Besiedelung von Fahrensodde in den Gebäuden der ehemaligen Dasa ist eine Frage der Zeit.

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07. Juli 2011, 08:35 Uhr

Flensburg | Im nicht-öffentlichen Teil des FlensburgerHauptausschusses wurde vergangene Woche zum baulichen Zustand Tacheles geredet, nachdem die städtebauliche Diskussion im öffentlichen Teil zwar feurig, aber unverbindlich geführt worden war. Die Signale vom Hausherrn - der Fachbereich Kommunale Immobilien (KI) - und aus der Rechtsabteilung waren unmissverständlich. Eine Vermietung der Gebäude sei im jetzigen Zustand nicht mehr zu vertreten, teilte Fachbereichsleiter Peter Schroeders mit. Rathaus-Justitiarin Ellen Eichmeier, stets besorgt um rechtliche Folgen, ging sogar noch ein Stück weiter: Es bestehe eine Gefährdungslage für die Mieter, die nicht mehr zu verantworten sei.
Ein Schwelbrand in Gebäude D, wo neben dem Segelmacher Lee-Sails auch die DLRG ihr Quartier hat, brachte die Dinge ins Rollen. Begutachtungen durch den TÜV-Nord und durch externe Fachingenieure kamen zu alarmierenden Befunden: Nicht vorhandener Brandschutz, fehlende Flucht- und Rettungswege, beschädigte Elektroinstallationen, fehlende oder unterdimensionierte Schutzeinrichtungen im Stromnetz führten zu einer Bewertung, die schnellen Handlungsbedarf erfordert. Und zwar deutlich schneller als die politische Diskussion der Planungsziele. Als die Ausschussvorsitzende Erika Vollmer sich für die Fortdauer der Mietverhältnisse bis zum Abschluss der Planungen stark machte, bürstete sie Schroeders kurz und bündig ab: Dann lehne er die weitere Verantwortung für Fahrensodde ab und übergebe sie der Politik. Schroeders dürfte sich als Vermieter nicht so wohl in seiner Haut fühlen. Der Sanierungsbedarf der seit 2002 (auf politischen Beschluss) nahezu unbehelligt vor sich hin bröselnden Bauten wird nach Einschätzung seines Fachbereichs Millionen kosten, doch statt einer Entscheidung, was in Fahrensodde politisch gewünscht ist, wird diskutiert. Schroeders sieht die KI in einer Zwangslage. Ohne politische Aussage über die künftige Nutzung der Liegenschaft könne weder eine Verwaltungsentscheidung über bauliche Maßnahmen fallen noch die geforderte Wirtschaftlichkeitsberechnung geliefert werden. Denn dazu bräuchte man ein Konzept über die zukünftige Nutzung - kurz: einen vernünftigen Plan.
Leidtragende sind die Unternehmen, die sich mit kurzfristigen Mietverträgen von Quartal zu Quartal hangeln. Ihnen droht wohl - was im öffentlichen Teil bestritten wurde - nicht öffentlich die schnelle Kündigung.
(ho, shz)

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