Amrum : Verliebt auf Streife - die Kniepsand-Cops

Ihr Revier ist nur mit der Fähre zu erreichen: Lasse Kleemann (24) und Ann-Christin Ebsen (20) leisten Bäderdienst auf Amrum. Foto: Klein
Ihr Revier ist nur mit der Fähre zu erreichen: Lasse Kleemann (24) und Ann-Christin Ebsen (20) leisten Bäderdienst auf Amrum. Foto: Klein

Sie sitzen Seite an Seite im Polizeiauto - und sind auch privat ein Paar: Ann-Christin Ebsen und ihr Freund Lasse Kleemann sind junge Beamte im Bäderdienst.

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09. August 2008, 10:58 Uhr

Nebel | Auf Amrum wissen es alle. Die Insulaner jedenfalls. "Das spricht sich hier schnell herum", sagt Lasse Kleemann (24). Er und die junge Polizistin, mit der er zwischen Fähranleger und Friesenhäusern Streife fährt, sind auch privat ein Paar. Ann-Christin Ebsen (20) und ihr Freund sind Beamte im Bäderdienst. Sie gehören zu den landesweit 105 meist frisch ausgebildeten Polizisten, die in den Urlaubsorten zwischen Nord- und Ostsee für mehr Sicherheit und Ordnung sorgen.
Nebel, knapp 1000 Einwohner, größter und urigster Inselort, ein Dorf zwischen Seefahrer tradition und Tourismus. Hier, auf halbem Weg zwischen Süd- und Nordspitze von Amrum, befindet sich die kleine Station der Kniepsand-Cops. Kommissar Hans-Ulrich Petersen und Polizeihauptmeister Ralf Klein sind das ganze Jahr vor Ort, die Verstärkung vom Festland nur von Februar bis Ende September. Die jungen Polizeimeister hatten Zeit, sich an das meerumschlungene Revier zu gewöhnen. "In den ersten Wochen waren wir mit den Amrumer Kollegen unterwegs, um die Insel kennenzulernen. Heute fahren wir auch zusammen Streife", sagt der Kieler Lasse Kleemann, der ab Oktober die Polizei in Rendsburg verstärken wird. Seine Freundin kommt aus Fockbek bei Rendsburg und wird beim Autobahnrevier in Schleswig anfangen.
Nur der gemeinsame Urlaub ist ein Problem
Kennengelernt haben sich beide während der Zeit in der Eutiner Polizeischule. Zweieinhalb Jahre dauerte die Ausbildung. Erste Lektion auf Amrum: Die Arbeit auf der Insel ist mit dem Dienstalltag auf dem Festland kaum zu vergleichen. "Als Polizist ist man hier eher willkommen", sagt Kleemann, der sein Praktikum im Kieler Problemstadtteil Gaarden absolvierte. "Dort war alles viel anonymer als hier. Als Polizisten waren wir oft nicht erwünscht - auf Amrum werden wir zum Kaffee eingeladen."
Gravierende Zwischenfälle sind selten. Mal müssen betrunkene Jugendliche zur Rede gestellt werden, mal sorgt eine gestohlene Brieftasche für Aufregung. In der Hochsaison werden häufig Rettungswege zugeparkt - vor allem in Strandnähe. "Viele Urlauber denken, die Insel ist ein rechtsfreier Raum", sagt Ann-Christin Ebsen, die auch Strafzettel verteilt, da das für Amrum zuständige Ordnungsamt keine Außendienstmitarbeiter auf die Insel schickt.
Nach Feierabend und wenn sie keine Bereitschaft haben, genießt das Polizistenpaar die Insel privat. Kleemann verstärkt die Fußballer des TSV Amrum, seine Freundin reitet oder läuft durch die traumhafte Natur. Einmal im Monat zieht es beide aufs Festland. Und den Urlaub nehmen sie nach Möglichkeit auch zusammen. "Das ist bei einer Station mit nur vier Kollegen ein Problem", sagt Kleemann. Einen Nachteil muss es ja haben, beides zu lieben: den Beruf und die Kollegin.

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