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Rader Hochbrücke und Kanaltunnel : Verkehr in SH: Die tägliche Qual

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit Wochen rollen lange Lastwagen-Schlangen durch die Ortschaften rund um den Nord-Ostsee-Kanal statt über die marode Rader Hochbrücke. Die ersten Straßen bröckeln, bei Anwohnern und Autofahrern liegen die Nerven blank. Ein Besuch an den Brennpunkten.

Kanaltunnel: Der Rendsburger Kanaltunnel ist seit Sperrung der Rader Brücke hoffnungslos überlastet, verstopft von Lkw, die den Kanal nicht auf der Autobahn überqueren dürfen. Da wegen der Tunnelsanierung je Richtung nur eine Fahrspur zur Verfügung steht, kommt es vor allem im Berufsverkehr zu langen Staus und Wartezeiten. Auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit muss pro Fahrt durchschnittlich eine halbe Stunde mehr eingeplant werden. Zudem wird die Fahrbahn im Tunnel so stark beansprucht, dass eine neue Asphaltdecke notwendig wird. Für die Arbeiten droht im Oktober eine Vollsperrung.

Kanalfähren: Hochbrücke dicht, Kanaltunnel dicht – und nun? Viele weichen auf die Fähren über den Nord-Ostsee-Kanal aus. Und stecken auch dort im Stau fest. Das führt zu Stress. Decksleute werden beschimpft. In Rendsburg eskalierte die Situation jetzt: Einer Autofahrerin brannten die Nerven durch. Sie drängelte sich an einer Kolonne der Feuerwehr vorbei, die nach einer Großübung vor der Fähre Nobiskrug wartete. Ein Decksmann musste zur Seite springen, um sich zu retten. Die Frau wurde wegen Nötigung angezeigt.

Jagel: Rund um die Uhr und dicht an dicht schieben sich die Lkw tagtäglich durch die Gemeinde Jagel bei Schleswig. Durch den Ort führt die B77 – sie wird als Umleitungsstrecke von Hunderten Lkw- und Schwerlasttransporten genutzt – teilweise mit hohem Tempo. „Für die Anwohner ist es unerträglich und eine hohe Belastung“, sagt Bürgermeister Jörg Meier. Vor der prekären Baustellen-Situation wurde die Strecke gerne von zahlreichen Maut-Umfahrern der parallel verlaufenen A 7 genutzt, damit hatten sich Jagels Bürger in der Vergangenheit arrangiert. Doch jetzt kam es noch schlimmer. „Diese Situation ist der Super-Gau für die Gemeinde. Wenn ich daran etwas ändern könnte, hätte ich dies bereits getan“, so Meier. Sein Antrag auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 im Ort wird derzeit noch geprüft.

Büdelsdorf: Die Stadt Büdelsdorf hat in der Vergangenheit häufig von ihrer „optimalen Verkehrsanbindung“ profitiert. Jetzt ist die Nähe zur Autobahn zum Fluch geworden. Die zentrale Büdelsdorfer Hollerstraße ist zur Ausweichstrecke für die Autobahn geworden – mit hunderten Lkw täglich, die den Weg zum Rendsburger Kanaltunnel suchen. Lärm und Abgase zwingen die Anwohner, die Fenster zu schließen, das Überqueren der Straße wird zum Glücksspiel und viele Eltern schicken ihre Kinder aus Angst vor Unfällen nicht mehr allein auf den Weg zur Schule.

Eckernförde: Täglich schieben sich Brummis über die Ausweichstrecke mitten durch das Ostseebad: Die tonnenschweren Kolosse nehmen die Umleitung über die B 76 und die B 203 wieder Richtung Autobahn – und andersherum. Das hohe Verkehrsaufkommen wird für Autofahrer zur Geduldsprobe und für Anwohner zu einem Ärgernis. Angst und bange wird es Nicole und Christian Schulz vor allem, wenn Schwer- und Gefahrentransporter ihr Haus passieren. „Neulich hat hier ein Säure-Lkw mitten auf der Straße gedreht. Gar nicht auszudenken, wenn da mal was passiert“, meint Christian Schulz (32). Die jungen Eltern sorgen sich auch um ihren Sohn Erik. „Man mag ihn im Garten nicht einen Moment aus den Augen lassen.“ Selbst im Haus werde die Familie vom Krach aufgeschreckt. „Die brettern hier ganz schön lang. Da vibriert drinnen alles“, so Christian Schulz. Viele Bürger machen sich zudem Sorgen, dass die Kosten für kaputte Straßen durch die schweren Laster an der Stadt hängen bleiben. In dem Falle, so Bürgermeister Jörg Sibbel, werde das Land als Träger herangezogen. Mit bis zu 7000 Lastwagen, die täglich durch Eckernförde fahren, sei die Belastungsgrenze überschritten. Eigentlich sollte nur der Süd-Nord-Verkehr über Kiel und Eckernförde geleitet werden, während die Lastwagen von Norden über Husum fahren sollten. „Die Umleitung über die B 5 wird jedoch kaum in Anspruch genommen“, so Sibbel. Dennoch sei Eckernförde verpflichtet, den Ausweichverkehr aufzunehmen.

 

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erstellt am 19.Sep.2013 | 00:34 Uhr

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