Polizeimeldungen : Verfolgungsjagden und Promille: Das war der Vatertag 2015 in SH

Zahlreiche Einsätze hielten die Polizeibeamten in Schleswig-Holstein an Christi Himmelfahrt auf Trab.

shz.de von
15. Mai 2015, 14:25 Uhr

Kiel | Am Vatertag kam es zu zahlreichen Polizeieinsätzen in Schleswig-Holstein. Dabei ging es hauptsächlich um Körperverletzungen, Sachbeschädigungen oder das Fahren unter Alkoholeinfluss.

Die Polizeidirektion in Kiel meldet am Freitag insgesamt 102 Vatertags-Einsätze. In der Schönberger Straße in Kiel zündete eine 20-köpfige Gruppe Betrunkener Silvesterböller. In der Kieler Heischstraße warf eine kleinere Gruppe Feiernder ein Dixi-Klo um. Zehn Jugendliche machten es sich zwischen Steenbeker Weg und Holmredder mit ihrem Bollerwagen auf der Fahrbahn gemütlich.

In Hohwacht feierte eine Gruppe von 30 Personen den Vatertag. Einige von ihnen warfen Steine auf eine befahrene Straße. In Pohnsdorf legten sich 25 Personen betrunken auf die Straße. Der Verkehr kam zum Erliegen. In Bösdorf verschaffte sich eine größere Gruppe Zutritt zu einem Gelände einer alten Villa und beging dort Sachbeschädigungen.

Der Robinsonspielplatz in Preetz und die Seebrückenpromenade in Schönberg wurden ebenfalls begeistert aufgesucht. Auf beiden Plätzen waren jeweils bis zu 300 Personen anwesend. Hier kam es zu Körperverletzungen. Einige Teilnehmer wurden des Platzes verwiesen. Einige mussten in Gewahrsam genommen werden. Auch hier wurde zum Teil exzessiv Alkohol getrunken. Die Polizei war bis 23.45 Uhr durchgehend vor Ort und musste immer wieder eingreifen.

Ein ähnliches Bild bot sich den Polizeibeamten im Kieler Schrevenpark, wo es zwischen den rund 500 Personen immer wieder zu Auseinandersetzungen kam. Überall im Bereich der Polizeidirektion Kiel wurden Verkehrszeichen beschädigt oder gleich mitgenommen. Es kam häufig zu Ruhestörungen durch laute Musikanlagen oder Megaphone und vereinzelt zu Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte.

Mit einer Ringreiterlanze hat ein 21-Jähriger in Norddorf auf Amrum am Donnerstagabend eine 20-Jährige bedroht. Verletzt wurde die Frau nicht, teilt die Polizei am Freitag mit. „Den eingesetzten Polizeibeamten gegenüber zeigte sich der erheblich alkoholisierte Mann renitent und leistete Widerstand, es musste Pfefferspray eingesetzt werden“, schreibt die Polizei.

Als er schon im Streifenwagen saß, trat der 21-Jährige noch eine Seitenscheibe heraus. Bei dem Einsatz wurden drei Polizisten verletzt, eine Beamtin wird wohl einige Tage nicht arbeiten können. Auch die Besatzung des Rettungswagens griff der junge Mann an - die Sanitäter blieben unverletzt. Der Mann verbrachte die Nacht im Gewahrsam der Polizeistation Nebel, ein Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet.

Im Raum Lübeck rückte die Polizei zu insgesamt 265 Einsätzen aus, davon 142 in Lübeck und 123 im Bereich Ostholstein. Auch hier ging es in erster Linie um Ruhestörungen, Randale, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen. Wie auch in Kiel wurden in Lübeck Personengruppen gemeldet, die sich alkoholisiert auf Fahrbahnen stellten.

Auf Fehmarn wurden 16 Platzverweise gegen Personen einer Vatertagsgruppe ausgesprochen. Sie hatten direkt an der Fahrbahn der Gemeindestraße Strukkamp Bier getrunken und waren somit eine Gefahr für sich und andere Autofahrer.

In Travemünde waren am Nachmittag etwa 50 bis 80 alkoholisierte Personen unterwegs, die gröhlend durch die Straßen zogen und auch Pyrotechnik abbrannten. Die Gruppe junger Leute wurde von der Polizei zunächst beobachtet und später von Einsatzkräften begleitet, ehe sie sich am frühen Abend auflöste.

Ein betrunkener Autofahrer lieferte sich am späten Donnerstagabend auf der A24 bei Schwarzenbek eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei. Dabei gefährdete er andere Autofahrer und verletzte einen Polizeibeamten. Zeugen riefen gegen 23.30 Uhr die Polizei, weil der Fahrer eines VW Passats auf der A24 beim Überholen in einer Baustelle die Mittelschutzplanke touchiert hatte. Der Fahrer hielt aber nicht an und fuhr in „Schlangenlinien“ weiter. Zunächst fuhr der Mann in Schwarzenbek von der Autobahn auf die Bundesstraße 404. Auf dem Parkplatz „Karnap“ entdeckte ihn ein paar Minuten später eine Polizeistreife. Der Fahrer des Passats, ein 22-jähriger Mann aus Zarrentin (Mecklenburg- Vorpommern), saß allein in dem Wagen. Bei der anschließenden Kontrolle legte der 22-Jährige plötzlich den Rückwärtsgang ein und schleifte einen der Beamten ein paar Meter mit. Der Polizist wurde dabei leicht verletzt. Danach wendete der 22-Jährige sein Fahrzeug und fuhr entgegengesetzt auf die B404 in Richtung Berlin davon. Er gab Vollgas und gefährdete noch zwei weitere Autofahrer, die gerade auf den Parkplatz fahren wollten.

In Braak fuhr er bei Rot über eine Ampel. Danach ging es weiter nach Stapelfeld, wo ihm ein Autofahrer ausweichen musste. Anschließend rammte der 22-Jährige einen Streifenwagen. Inzwischen waren elf Polizeiwagen an der Verfolgung beteiligt. Der Mann fuhr weiter nach Hamburg- Rahlstedt. In der Straße Großlohering bog er in ein Wohngebiet ein. Hier rammte er erneut einen der Streifenwagen. In der Sackgasse Sorenstieg endete die Verfolgungsfahrt. Noch einmal rammte er einen Streifenwagen. Durch die Wucht des Aufpralls wurde sein VW auf einen großen Findling geschoben. Der 22-Jährige öffnete die Fahrertür und wollte zu Fuß fliehen. Den Beamten gelang es, den Mann festzuhalten. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von 2,22 Promille. Der Zarrentiner war zudem nicht im Besitz eines gültigen Führerscheins. Der Streifenwagen und der VW Passat waren nicht mehr fahrbereit und mussten abgeschleppt werden. Der Sachschaden wird auf mindestens 15.000 Euro geschätzt.

Mehrere Streifenwagen verfolgten Donnerstagnacht einen 21-Jährigen mit seinem Hyundai Tucson durch die Orte Neustadt, Grömitz und die B501 nach Lütjenbrode. Gegen 3.40 Uhr meldete ein Zeuge das Auto, das ohne Licht und in Schlangenlinien auf der B501 in Richtung Grömitz unterwegs war. Beamte nahmen daraufhin die Verfolgung des Fahrzeugs auf. Der Ostholsteiner flüchtete vor den Polizisten zunächst durch Grömitz, dann über die B501 zurück nach Neustadt. In Bliesdorf erreichte der Hyundai fast 200 km/h.

Die Verfolgungsfahrt ging weiter über die A1 Richtung Norden. Als mehrere Streifenwagen aufschließen konnten, versuchte der 21-Jährige diese zu rammen und gegen die Schutzplanken zu drängen. In Höhe der Abfahrt Neustadt-Pelzerhaken fuhr der Mann erneut auf die B501 in Richtung Grömitz und weiter nach Grube-Heiligenhafen. In Lütjenbrode endete die Flucht. Der Tatverdächtige kam von der Straße ab und an einem Baum zum Stehen. Neben dem Hyundai wurden drei Streifenwagen beschädigt. Nur durch Zufall wurde niemand weiter verletzt. Ein Alkoholtest ergab 1,77 Promille. Der Führerschein wurde sichergestellt. Es entstand ein Gesamtsachschaden von etwa 45.000 Euro.

Ein 49 Jahre alter Fahrradfahrer aus Hennstedt (Kreis Dithmarschen) war am Donnerstagnachmittag auf einem Fahrrad in Nordfeld-Hehm als Teil einer Vatertagsgesellschaft unterwegs. Er hatte zuvor die Schleuse Nordfeld besichtigt. Auf der Rückfahrt in Richtung Hennstedt stürzte er auf einem abschüssigen Teilstück und schlug mit dem Kopf auf dem Asphalt auf. Er trug keinen Helm. Nach Angaben der Rettungskräfte zog sich der alkoholisierte Fahrradfahrer infolge des Sturzes lebensbedrohliche Verletzungen zu. Er wurde mit Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma in ein Krankenhaus eingeliefert.

In Itzehoe wurde ein 21 Jahre alter Mann angehalten. Er war am Donnerstagabend in der Edendorfer Straße betrunken mit einem Auto unterwegs. Ihm wurde Blut abgenommen. Der 21-Jährige hatte den Alkoholkonsum zwar zugegeben, verhielt sich ansonsten gegenüber den Polizeikräften aber wenig kooperativ. Ebenfalls in Itzehoe wurde ein 24-Jähriger kontrolliert. In der Portland-Cement-Straße wurde er von den Beamten angehalten, weil er mit einer Fahrzeugseite so dicht an der Bordsteinkante entlangfuhr, dass er seine Felgen beschädigte. Der bei ihm gemessene Atemalkoholwert betrug 2,02 Promille. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 500 Euro. Sein Führerschein wurde eingezogen.

In Flensburg sorgten zwei Männer im Alter von 29 und 38 Jahren in der Nordstadt für einen massiven Polizeieinsatz. Gegen 21.30 Uhr gingen mehrere Notrufe bei der Einsatzleitstelle in Harrislee ein. Passanten meldeten eine Schlägerei in der Harrisleer Straße. Dort würden sich zwei Männer auf der Fahrbahn prügeln. Ebenfalls soll ein Schuss gefallen sein, teilten Beobachter der Auseinandersetzung der Polizei mit. Die Polizei rückte daraufhin mit einem Großaufgebot von Einsatzkräften in die Nordstadt aus. Dort nahmen sie einen 38-jährigen, alkoholisierten Mann vor einem Haus vorläufig fest. Von dem mutmaßlichen Opfer fehlte zunächst jede Spur. Hinweise von Zeugen führten die Beamten zu einer Wohnung in der Meiereistrasse, in der das Opfer vermutet wurde. Da die Wohnungstür in dem Mehrfamilienhaus auf Klingeln und Klopfen der Beamten nicht geöffnet wurde, alarmierte die Polizei die Berufsfeuerwehr zur Öffnung der Tür sowie den Rettungsdienst mit Notarzt.

In der Wohnung wurde das 29-jährige Opfer mit einer blutenden Kopfverletzung aufgefunden. Der 38-Jährige hatte seinem Kontrahenten mit einer Luftdruckpistole auf den Kopf geschlagen. Die Waffe wurde sichergestellt. Beide Männer sagten der Polizei, sie hätten sich wegen einer Frau geprügelt. Beide waren massiv alkoholisiert. Die Polizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den 38-jährigen Mann. Er wurde nach seiner Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt. Für die Polizei in Flensburg war der Vatertag ansonsten ohne größere Probleme oder Massenschlägereien abgelaufen.

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