Barock und Renaissance : Verein will alte Gärten in SH retten

Der große Heckengang im Auberghof von Trittau.
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Der große Heckengang im Auberghof von Trittau.

Einst waren sie eine Pracht, heute droht vielen von ihnen die Verwahrlosung: Zum Erhalt der privaten historischen Gärten in Schleswig-Holstein hat sich ein neuer Verein gegründet.

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29. Juni 2014, 11:06 Uhr

Preetz | Sie sind das Aushängeschild vieler berühmter Gebäude in Schleswig-Holstein: Historische Gärten und Parkanlagen prägten einst das Bild vieler schleswig-holsteinischer Landschaften. „Doch die Unterhaltung belastet die Eigentümer mittlerweile so sehr, dass sie viele aus eigener Kraft nicht mehr leisten können“, sagt Ernst-Wilhelm Rabius aus Preetz, der deswegen gestern in Stocksee (Kreis Segeberg) einen Verein zur Erhaltung historischer Gärten in Schleswig-Holstein gegründet hat.

„Wir wollen eine Informationsplattform schaffen“, sagt der ehemalige Staatssekretär im Kieler Landwirtschafts- und Umweltministerium. Die Besitzer sollen sich austauschen, der Erhalt ihrer Gärten mittels Spendengeldern gefördert werden. Einmal im Jahr will der Verein eine Exkursion veranstalten. „Unser Vorbild ist Niedersachsen wo ein solcher Verein seit 20 Jahren erfolgreich arbeitet“, sagt Rabius. „Und wir haben in Schleswig-Holstein mit rund 200 historischen Gärten auch einen besonderen Schatz, den wir bewahren wollen.“ Rabius reizt an der Aufgabe vor allem die Schnittfläche von Natur, Kultur und Geschichte, die es in den Gärten zu erleben gibt. „Die Geschichte der schleswig-holsteinischen Garten- und Parkanlagen reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Vereinzelt finden sich noch Relikte aus der Renaissancezeit. Auch von den alten Barockanlagen des 17. und frühen 18. Jahrhunderts sind nur noch wenige Zeugen vorhanden, wenn man von den vielen noch erhaltenen barocken Alleen einmal absieht“, sagt Rabius.

Doch was macht einen historischen Garten aus? „Die meisten Gärten sind im Umfeld von Gütern entstanden, wir reden also nicht über große Hausgärten“, sagt Rabius. „Ein gewisses Alter und eine gewisse Vielfalt sollten sie schon haben.“

Rabius will mit seinem Verein über Spenden und den Jahresbeitrag von 70 Euro private Gärten fördern, „weil die am wenigsten öffentliche Unterstützung bekommen“. Der Ex-Staatssekretär will den Besitzern von Ländereien nun auch bei der Suche nach Fördertöpfen der EU helfen. „Viele Besitzer betreiben einen großen finanziellen und zeitlichen Aufwand zum Erhalt ihrer Gärten, aber einen veritablen Ertrag bekommen sie nicht.“ Bis in die 1960er Jahre hätten viele Güter noch über eigene Gärtnereien mit geschultem Personal sowie eigene Waldarbeiter verfügt. „Heute sind es rationell bewirtschaftete Ackerbaubetriebe mit knapp bemessenem Personalbestand. Die Unterhaltung und -pflege der Garten- und Parkanlagen wird aus Kostengründen auf ein Minimum reduziert, in deren Folge der kulturelle und auch der landschaftsökologische Wert im Laufe der Zeit immer mehr abnimmt. Mit dem Bedeutungsverlust der Gärten und Parks nehmen häufig auch die Kenntnisse und Interessen der Eigentümer ab“, meint Rabius.

Um unterstützt zu werden, müssen die Besitzer ihre Gärten nicht mal für die Öffentlichkeit öffnen. Allerdings dürften die Vereinsmitglieder „wohl mal gucken“, sagt Rabius – logisch, denn sie sponsern ja den Garten eines Gutsbesitzers.

Die könnten auch wirtschaftlich vom Engagement des Vereins profitieren, meint Rabius. „Denn ein schöner Garten könnte auch gut vermarktet werden – etwa durch Hofcafés oder ähnliches. Und bei der Gartenbegeisterung der Schleswig-Holsteiner wird es dafür bestimmt Interesse geben.“
 

Kontakt: Gesellschaft zur Erhaltung historischer Gärten in Schleswig-Holstein e.V., Klosterhof 10, 24211 Preetz.
Der Jahresbeitrag beträgt für natürliche Personen 70 Eurro, für Ehepaare und juristische Personen 100 Euro.

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