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Finanzielle Probleme : Verbraucherzentrale muss Beratung einschränken

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit Jahren ist die Verbraucherzentrale (VZ) Schleswig-Holstein chronisch unterfinanziert. Jetzt droht eine neue Schrumpfkur.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2013 | 15:08 Uhr

Seit Januar haben über 53.000 Schleswig-Holsteiner telefonisch Rat bei der Verbraucherzentrale (VZ) im Norden gesucht. Kein Wunder: Die Problemfälle, um die sich die Verbraucherschützer kümmern müssen, nehmen zu: Telefontarif, Internet, Stromkosten, Verpackungsschwindel, Lebensmittelskandale, Streitfälle bei der privaten Altersvorsorge. Nur das Geld wird nicht mehr. „Seit zehn Jahren haben wir keine echte Erhöhung der institutionellen Förderung erhalten“, beklagt Betriebsratschefin Katrin Rieger und verwiest darauf, dass in der selben Zeit Lohn- und Betriebskosten um 18 Prozent gestiegen sind.

Jetzt wird es ernst. „Im neuen Jahr müssen 17 Prozent aller Beratungsstunden abgebaut werden,“ bestätigt der Chef der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, Stefan Bock. Was das bedeutet? Schon jetzt kann jeder dritte Anruf nicht entgegen genommen werden, weil die Personaldecke zu dünn ist, künftig wird es jeder zweite Anruf sein.

Wie prekär die Lage ist, verdeutlich Bock anhand einigen Zahlen: Vor zehn Jahren überwies das Land 800.000 Euro damit in den Verbraucherzentralen Flensburg, Heide, Kiel, Lübeck und Norderstedt (die übrigen 13 waren zuvor geschlossen worden) die Beratung fortgesetzt werden konnte. Heute zahlt das Land 699.000 – also gut 100.000 Euro – weniger. „Durch Beratungsgebühren und Drittmittel können wir dieses Minus nicht mehr kompensieren“, beklagt Bock die Finanznot.

Dabei hatte er 2012 noch Hoffnung geschöpft, als die Küstenkoalition im Vertrag festschrieb, das Beratungsangebot zu „optimieren“ und dem „steigenden Beratungsbedarf Rechnung zu tragen“. Doch davon hat man sich offensichtlich längst verabschiedet. Auf einen Brandbrief an alle Abgeordneten antworteten bislang nur die Piraten. „Dass SPD, Grüne und SSW dem Abbau der Verbraucherberatung tatenlos zusehen, belegt einmal mehr, dass ihr Koalitionsvertrag vielfach nicht das Papier wert ist, auf dem er geschrieben ist“, argwöhnt Piratenchef Uli König. Dabei bekommt die Verbraucherzentrale ohnehin pro Bürger den geringsten Betrag bundesweit.

Auch Bock versteht nicht, warum die Landesregierung den Verbraucherschutz so stiefmütterlich behandelt. „Verbraucherschutz ist bürgernah, unser Beratung genießt hohes Ansehen“. Trotz aller Beteuerungen werde nicht einmal der Erhalt des bestehenden Angebotes gewährleistet. Und die Betriebsratsvorsitzende warnt: „Es entwickelt sich eine Abwärtsspirale, die gestoppt werden muss.

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