Neuer Fall im Datenskandal : Verbraucherschützer: "Unternehmen werden immer dreister"

Welche neuen Kreise wird der Datenskandal noch ziehen? "Heute morgen wurde uns eine neue Masche gemeldet", sagt der Kieler Verbraucherschützer Thomas Hagen.

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21. August 2008, 01:15 Uhr

"Eine Verbraucherin aus Neumünster entdeckte auf ihren Kontoauszügen sechs illegale Abbuchungen, die sie wie von der Verbraucherzentrale empfohlen sofort bei ihrer Bank stornierte und rückbuchen ließ", berichtet Thomas Hagen, Pressesprecher der Verbraucherzentrale in Kiel. Die Rückbuchungen blieben nicht lange unbemerkt. Die Firma meldete sich telefonisch und erklärte sich "großzügig" mit der Rückbuchung einverstanden "jedoch nur, wenn die Geschädigte ein Zeitschriftenabonnement ordert", so Hagen. "Das ist schlichtweg Erpressung."
Wie das Unternehmen an die Kontodaten kam? Hagen: "Nach Aussage der Neumünsteranerin kommt die Beteiligung an einer Lotterie als einzige Möglichkeit in Betracht."
Unternehmen haben offenbar keine Angst vor Konsequenzen
Der Verbraucherschützer ist erstaunt über die "Dreistigkeit dieser Unternehmen, die klare datenschutzrechtliche Vorgaben missachten und offenbar keine Angst davor haben, für diese illegalen Machenschaften zur Verantwortung gezogen zu werden."
Bernd Carstensen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat am Montag gefordert, bei Unternehmen unangemeldete Datenprüfungen einzuführen - ähnlich wie Steuerprüfungen. "Das wird in Behörden schon gemacht, müsste aber auch auf den privatwirtschaftlichen Bereich ausgedehnt werden", fordert Carstensen. Rechtlich sei das auch heute bereits möglich, erklärt Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert. Das Problem sei aber die enge Personallage. Deshalb würden ohne Anfangsverdacht derartige Kontrollen nicht durchgeführt.

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