Prozess : Verabredung zum Missbrauch: Milde Strafe erwartet

In der Berufungsverhandlung geht es nur noch um Verabredung zum schweren sexuellen Missbrauch sowie Herstellung und Tausch kinderpornografischer Dateien.

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11. Mai 2011, 08:40 Uhr

Kiel | Zu elf Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung hatte das Kieler Landgericht im September 2010 einen Pädo-Sexuellen wegen Verabredung zur Entführung und Ermordung eines Kindes verurteilt - jetzt kann der Mann mit einer deutlich geringeren Strafe rechnen.
In der Berufungsverhandlung geht es auf Anordnung des Bundesgerichtshofes (BGH) nur noch um Verabredung zum schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes sowie das Herstellen und den Tausch kinderpornografischer Dateien. Über das neue Strafmaß muss seit Dienstag eine andere Strafkammer befinden. Der Verteidiger geht nun von maximal vier bis fünf Jahren Gesamtfreiheitsstrafe aus.
Details trieben Zuschauer aus dem Saal
Der BGH hatte das erste Urteil gegen den inzwischen 37 Jahre alten IT-Spezialisten aus Bad Segeberg weitgehend aufgehoben: Das Kieler Schwurgericht habe nicht ausreichend geprüft, ob der Mann von der angeklagten Verabredung zum Verbrechen zurückgetreten sei. Der geschiedene Vater eines kleinen Sohnes hatte im ersten Prozess beteuert, mit den Chats habe er ausschließlich seine Neigungen ausleben wollen. Bevor es hätte konkret werden können, habe er sich auch durch Wechseln seines jeweiligen Chat-Pseudonyms zurückgezogen.
In einem Fall allerdings durchbrach er die Anonymität und tauschte mit einem Gleichgesinnten aus der Schweiz sogar die Telefonnummern. Da ging es um die Verabredung, wechselseitig die kleinen Söhne zum schweren sexuellen Missbrauch zu tauschen. Dieser Fall hatte vor dem BGH ebenso Bestand wie der Anklagevorwurf der gefährlichen Körperverletzung. In diesem Fall hatte der Angeklagte an seinem Sohn eine betäubende Salbe und ein Schlafmittel ausprobiert. Details weiterer widerwärtiger pädosadistischer Fantasien über die Schändung und Vergewaltigung von Kindern wurden zu Beginn der Berufungsverhandlung verlesen. Sie hatten schon im ersten Prozess Zuschauer aus dem Saal getrieben. Wieder folgte der Angeklagte in sich gekehrt und fast regungslos mit schräg nach vorn geneigtem Kopf der Verhandlung. Nur gelegentlich beugte er sich zu seinem Verteidiger. Der Mann sitzt seit seiner Festnahme im September 2009 in Untersuchungshaft. Diese Haftzeit würde auf das Strafmaß angerechnet und die zu verbüßende Strafe entsprechend verkürzen.
Zum Auswerten der Dateien brauchten Spezialisten vier Monate
Der 37-Jährige ist bereits 2002 wegen Verbreitens von Kinderpornografie zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Psychotherapie verurteilt worden. Sieben Jahre später fanden Fahnder auf seinem PC über 200.000 kinderpornografische Dateien - Fotos, Videos und Chat-Protokolle zum Teil mit kaum vorstellbaren sexuellen Grausamkeiten gegen Kinder, die Gegenstand der Anklage wurden.
Zum Auswerten der Dateien brauchten Spezialisten vier Monate. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei hatte den Mann am eingeschalteten Computer überrascht. So konnte er seine ausgeklügelten Verschlüsselungs-Programme nicht aktivieren. Das hätte, wie bereits bei einer vorherigen Festnahme 2008, den Zugriff auf alle Dateien unmöglich gemacht.
(shz, dpa)

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