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Schleswig-Holsteiner vor Gericht : Vater soll Baby vergiftet haben – Klinikarzt sagt aus

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Ein Vater soll seiner Tochter über Monate Desinfektions- und Reinigungsmitteln eingeflößt haben. Das Kind überlebte. Am zweiten Prozesstakt sagt ein Klinikarzt aus Neumünster aus.

Potsdam | Mit der Vernehmung eines Klinikarztes ist der Prozess gegen einen 36 Jahre alten Mann aus Schleswig-Holstein wegen versuchten Mordes in Potsdam fortgesetzt worden. Der angeklagte Vater soll seiner kleinen Tochter Giftcocktails verabreicht haben. Der Mediziner bestätigte am Montag vor Gericht, dass das Kleinkind zwischen Dezember 2013 und Mai 2014 mehrmals in einer Klinik in Neumünster behandelt werden musste. „Mit so einer Situation waren auch langjährige Ärzte bei uns noch nicht befasst“, sagte der 45-Jährige.

Weil sie nicht mehr zunahm und wuchs, war das kleine Mädchen ab März 2014 immer wieder ins Krankenhaus gekommen. Erst in Neumünster, schließlich in Brandenburg an der Havel. Dort schöpften die Ärzte Verdacht: Der Zustand des Mädchens verschlechterte sich immer im Beisein der Eltern. Abgesehen von Medizinern und Pflegepersonal waren sie die einzigen, die Zugang zu dem Mädchen hatten.

Eine natürliche Ursache für die Lungenprobleme des Mädchens sei auch in Neumünster nicht gefunden worden. Oft sei das Kind in einem guten Zustand entlassen worden, Stunden später waren Mutter und Kind wieder im Krankenhaus, schilderte der Mediziner. Auch während des Klinikaufenthalts sei es zu unerklärlichen Zwischenfällen gekommen. Er schloss nicht aus, dass die Verabreichung von Desinfektionsmitteln Ursache für die Gesundheitsprobleme des Mädchens waren.

Insgesamt zwölf Fälle der Giftverabreichung listet die Anklage auf. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollte der Mann aus Seedorf sein Kind töten, weil es ihm bei einer neuen Beziehung im Weg stand.

Der 36-Jährige bestreitet die Vorwürfe. „Ich liebe meine Kinder“, sagte der Tierpfleger beim Prozessauftakt. Ohne die Mutter des Mädchens direkt zu bezichtigen, versuchte er, den Verdacht auf sie zu lenken. „Ich weiß, dass ich meiner Tochter nie etwas antun könnte“, erklärte er. Es bliebe nur seine Ex-Partnerin.

Für die Staatsanwaltschaft ist die Sache klar: Der Angeklagte habe seiner Tochter vom 19. März bis zum 29. Juni 2014 Desinfektionsmittel oder zitronensäurehaltige Reinigungsmittel gegeben. Selbst als sein Kind im Krankenhaus lag und sich im „lebensbedrohlich komatösen Zustand“ befand, soll der Mann nicht von ihm abgelassen haben.

Insgesamt will das Gericht knapp 60 Zeugen hören, die Aussage der Mutter des Kindes ist bislang für den 30. April geplant. Das Gericht hat weitere 26 Prozesstage bis zum 9. Juli geplant.

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erstellt am 09.03.2015 | 12:00 Uhr

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