Vater getötet: Gab es Streit?

In diesem Mehrfamilienhaus an der Boostedter Straße tötete ein 15-Jähriger den eigenen Vater. Die Polizei hat zwar zurzeit ein Geständnis, ermittelt aber weiter die Hintergründe. Foto: Steinhausen
In diesem Mehrfamilienhaus an der Boostedter Straße tötete ein 15-Jähriger den eigenen Vater. Die Polizei hat zwar zurzeit ein Geständnis, ermittelt aber weiter die Hintergründe. Foto: Steinhausen

Er hat die Bluttat zugegeben. Doch auch nach dem Geständnis des 15-jährigen Jungen aus Gadeland, dass er seinen Vater getötet hat, rätseln die Ermittler über das Motiv.

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07. Juli 2011, 10:31 Uhr

Neumünster | Der Jugendliche selbst, aber auch Freunde, Nachbarn und Verwandte der Familie werden nach Angaben der Kieler Staatsanwaltschaft deshalb befragt. "Der Schwerpunkt liegt momentan auf den Umfeld-Ermittlungen", sagte Staatsanwalt Michael Bimler gestern. Das dauere sicherlich noch bis zur nächsten Woche.
Weitere Ermittlungsergebnisse will die Polizei nicht öffentlich machen. "Selbst wenn sich jetzt ein Motiv herauskristallisieren sollte, werden wir nicht mehr weiter darüber berichten", sagte Polizeisprecherin Tanja Emmen. Dies geschehe zum Schutz des jugendlichen Tatverdächtigen und um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden.
Nachbarn hatten in dem Mehrfamilienhaus in der Nacht Hilferufe gehört
Der Junge soll seinen Vater mit einem Messer getötet haben. Was genau sich in der Wohnung abspielte, dazu schweigen die Ermittler nach wie vor. Der Mann starb laut Obduktionsbericht infolge massiver Gewalteinwirkung, heißt es nur. Die Polizei hat bisher keine Erkenntnisse, dass ein heftiger Streit zur Tat geführt haben könnte. Möglicherweise ist der Junge psychisch krank. "Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass es einen Streit gegeben hat, der ansatzweise ein Motiv gewesen sein könnte", sagte Bimler.
Gewalt von Kindern gegen ihre Eltern ist nach Ansicht eines Experten sehr ungewöhnlich. "Wir haben häufiger die umgekehrte Situation, nämlich dass Eltern ihren Kindern gegenüber gewalttätig werden", sagte der Kieler Experte für Jugendstrafrecht und Kriminalität, Professor Heribert Ostendorf.
Nachbarn hatten in dem Mehrfamilienhaus in der Nacht Hilferufe gehört und die Polizei alarmiert. Beamte fanden den Toten im Eingangsbereich der Wohnung; der Sohn wurde noch vor Ort als Tatverdächtiger festgenommen. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen Mordverdachts erlassen. Er kam in die Jugendhaftanstalt in Schleswig.
(hc, shz)

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