Amtsgericht Itzehoe : Urteil nach "abartiger" Tat

Sie vergewaltigten eine Betrunkene, misshandelten sie mit einer Flasche und filmten ihre Tat. Dafür erhielten zwei Männer jetzt Bewährungsstrafen.

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05. Juli 2011, 08:41 Uhr

itzehoe | Es war ein Abend mit viel Alkohol. Das hatte in der Nacht zum 3. Oktober 2009 üble Folgen für eine junge Frau: Sie wurde in stark betrunkenem Zustand von zwei Männern sexuell missbraucht. Jetzt erhielten beide vor dem Amtsgericht 18 Monate Haft auf Bewährung.
Staatsanwältin Monika Krause brauchte nicht lange für die Anklage gegen einen 24-Jährigen, der heute in Pinneberg lebt, und seinen 23-jährigen Komplizen aus Norderstedt. In dessen damaliger Itzehoer Wohnung passierte es: Das Opfer war wegen einer "tiefgreifenden Bewusstseinsstörung" widerstandsunfähig. Die Trunkenheit der heute 21-Jährigen aus dem Itzehoer Umland nutzten beide Männer, vergewaltigten sie, misshandelten sie mit einer Flasche. All das hielten sie auch noch mit Fotos und Videos fest.
"Es tut mir unsagbar leid"
Die Verteidiger verlasen Geständnisse, die Angeklagten selbst machten zur Tat keine Angaben. Beide arbeiten in der Kfz-Branche. Zunächst war der 23-Jährige mit dem Opfer befreundet, dann sein Kumpel. An diesem Abend sei "alles zusammengekommen", sagte er. Natürlich sei Reue da, deshalb werde er Schmerzensgeld zahlen. Das gilt auch für seinen Komplizen, der deutlicher wurde: "Es tut mir unsagbar leid, ich habe da großen Mist fabriziert." Er habe seine moralischen Grundsätze verraten.
So steht es auch in einem Entschuldigungsschreiben des 23-Jährigen an das Opfer: Erst jetzt sei ihm bewusst geworden, was er ihr angetan habe. Ursache sei der übermäßige Alkoholkonsum gewesen, er habe aber ihren Zustand nicht bemerkt. Die Aufnahmen seien der "widerliche Höhepunkt dieses abartigen Abends". Bis zum Prozess hatte das Opfer dieses Schreiben nicht. Er habe es bei der ersten Verhandlung übergeben wollen, sagte der Angeklagte. Doch die fiel aus, weil sich auf dem Handy eines Angeklagten nicht nur Fotos, sondern auch Videos als weiterer Beweis gefunden hatten.
Neue Beziehung entwickelt sich langsam
Die junge Frau erlitt nach der Tat einen nervlichen Zusammenbruch, so der Bericht der Gerichtshilfe. In der Ausbildung ließ sie nach, erst ein Therapeut habe ihr helfen können, so dass es ihr wieder "recht gut" gehe. Die Beziehung zu einem neuen Freund entwickele sich langsam. Grund: "Gestörtes Vertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen."
Beide Männer wollen der jungen Frau je 2000 Euro zahlen. Ein "Täter-Opfer-Ausgleich" kann zu einer milderen Strafe führen - doch dazu müsse man wissen, was das Opfer dazu sage, so die Staatsanwältin. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Dominik Mardorf sah es genau so. Er telefonierte, die junge Frau kam. Die Männer entschuldigten sich erstmals bei ihr persönlich, sie nahm an. Eigentlich aber wollte sie die Tat nur vergessen.
Die nicht vorbestraften Angeklagten erhielten Bewährung für sexuellen Missbrauch von Widerstandsunfähigen und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches. Das Gericht lag genau zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Und es machte den Tätern eine Auflage: Jeder muss weitere 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen.
(lpe, shz)

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