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Neue Software : Uni Kiel kämpft gegen Plagiate

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Die Uni Kiel verabschiedet erstmals einheitliche Promotionsgrundsätze. Präsident Fouquet spricht von "revolutionärem Schritt".

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erstellt am 22.Mai.2013 | 04:23 Uhr

Kiel | Die Universität Kiel will mit neuen Grundsätzen die Qualität von Doktorarbeiten verbessern und Plagiaten künftig möglichst einen Riegel vorschieben. Die jetzt vom Hochschulsenat beschlossenen Grundsätze für Promotionsordnungen an der Uni Kiel sehen vor, dass alle Doktoranden und ihre Betreuer eine Betreuungsvereinbarung unterschreiben müssen, teilten Uni-Präsident Gerhard Fouquet, und der Vizepräsident für Lehre und Graduiertenausbildung, Frank Kempken, am Dienstag mit.
So müssen Promovierende künftig angeben, ob sie eine Vermittlungsagentur, die gegen Bezahlung bei Doktorarbeiten hilft, genutzt haben. "Zwar ist die Hilfe einer Agentur nicht verboten, aber eigentlich wollen wir das nicht", sagte Fouquet. "Uns geht es hier vor allem um Transparenz." Mit der Betreuungsvereinbarung will die Uni Kiel auch die tatsächliche Zahl ihrer aktuellen Promovenden zuverlässig erfahren - es dürften etwa 2000 sein; als Promotionsstudenten sind zurzeit nur 1700 angemeldet.

Keine Verjährungsfrist


Doktorväter müssen ihre Doktoranden künftig verlässlich betreuen. "Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall", sagte Fouquet. Erhalten Promotionen das Prädikat "ausgezeichnet" (opus eximium oder summa cum laude), muss neben dem Erst- und Zweitgutachter zusätzlich noch ein auswärtiger Gutachter hinzugezogen werden.
Im Kampf gegen Plagiate wird die Hochschule eine Software anschaffen, die nicht gekennzeichnete Übernahmen fremder Texte erkennen kann. Eine Verjährungsfrist für Plagiate sehen die Grundsätze nicht vor. "In diesem Punkt sind sich alle Fakultäten einig gewesen", sagte Kempken. So könnten auch noch nach 20 oder 30 Jahren Doktortitel aberkannt werden. Plagiatsvorwürfe hatten zu den Rücktritten der Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan geführt, wobei Schavan bereits 1980 promoviert hatte.

Promotion schon nach dem Bachelor


Besonders begabte Studenten dürfen in Zukunft in Kiel bereits nach dem Bachelor promovieren, das bisher notwendige Masterstudium fällt dann mit der ersten Phase der Promotion zusammen. Bereits bis in die 1990er Jahre hätten geeignete Studenten als Abschluss gleich ihre Promotion machen können, insofern werde mit der "Fast Track-Promotion" eigentlich nur an eine bewährte Praxis wieder angeknüpft, betonte Fouquet.
Bis zum Ende des Sommersemesters 2014 sollen alle acht Fakultäten die Grundsätze in ihren Promotionsordnungen umgesetzt haben. Der Senat der Christian-Albrecht-Universität hatte die Grundsätze am vergangenen Mittwoch verabschiedet. "Das Promotionsrecht bleibt weiterhin bei den Fakultäten", erläuterte Fouquet. Der Unipräsident spricht von einem "revolutionärem Schritt“. Erstmals seit Gründung der Hochschule 1685 gibt es jetzt einheitliche Grundsätze für Promotionen an allen acht Fakultäten.
Künftig sollen auch Absolventen von Fachhochschulen promovieren können. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums sind sechs entsprechende Promotionsstellen für ca 1,3 Millionen Euro geschaffen worden. Auch sollen Professoren von Fachhochschulen Erstgutachter an der Universität sein können. Dies setze aber eine Habilitation oder eine adäquate wissenschaftliche Leistung voraus, um ihnen die notwendige Zweitmitgliedschaft an den Uni-Fakultäten zu ermöglichen, sagte Fouquet. "Viele Fachhochschulprofessoren sind nicht habilitiert." Forschungsstarke Bereiche an Fachhochschulen sollen nach dem Willen des Wissenschaftsministeriums das Promotionsrecht erhalten.
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