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Verbraucherzentrale schlägt Alarm : Unerlaubte Anrufe vom "Datenschutzverein"

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Geschäft mit der Angst: Der sogenannte "Deutsche Werbe- und Datenschutzverein" geht mit verbotenen "Cold Calls" auf Mitgliederfang.

shz.de von
erstellt am 11.Jul.2011 | 04:30 Uhr

Der "Deutsche Werbe- und Datenschutzverein" geht laut einer Mitteilung der Verbraucherzentrale mit unerlaubten Anrufen auf Mitgliederfang. Telefonisten des selbsternannten Vereins schüren die Ängste älterer Bürger, und wollen sie so zum Beitritt drängen. Kostenpunkt: 159 Euro im Jahr.
Aktuell - so heißt es in der Pressemitteilung weiter - erhielt beispielsweise eine Frau aus dem Kieler Raum einen Anruf von der Datenschutzzentrale. Eine "Frau Jansen" erkundigte sich, ob in letzter Zeit Werbeanrufe von SKL, NKL und Co. bei der Seniorin eingegangen seien. Als die Angerufene verneinte, kam "Frau Jansen" erst richtig in Fahrt. Einzig dank der Datenschutzzentrale habe das Telefon stillgestanden - denn diese hätte bereits Anwaltsschreiben an die Lotterien in Auftrag gegeben.
Geschätzt mehrere hundert Betroffene im Land
"Frau Jansen" konnte nicht nur Namen, Anschrift und Geburtsdatum der Angerufenen nennen, sondern auch hochsensible Daten wie deren Kontoverbindung. "Mit wettbewerbswidrigen Anrufen unter Nennung eines kompletten Datensatzes mit höchstpersönlichen Daten werden Angerufene unter Druck gesetzt, damit diese ihre Zustimmung zu einer teuren Mitgliedschaft geben", so Thorsten Meinicke von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.
Bereits seit 2009 gehen Beschwerden bei Meinicke und seinen Kollegen ein, in letzter Zeit häufen sich die Fälle jedoch. "Ich schätze, es gibt mehrere hundert Betroffene im Land", so der Kieler Verbraucherschützer. Die "Datenschutzzentrale" verspreche am Telefon den totalen Schutz - "aber den gibt es leider nicht".
"Da kann man den frommen Wunsch auch in den Himmel sprühen"
"Zudem wollen sie den versprochenen Schutz mit untauglichen Mitteln durchsetzen", erläutert Meinicke. Neben einer Rechtsanwaltvermittlung ist die Rede von einem Telefonservice zur Soforthilfe - eine Telefonnummer bleibt der Verein den Mitgliedern jedoch schuldig. Auch die angegebene Homepage ist offenbar noch nicht in Betrieb.
"Da kann man den frommen Wunsch nach Datenschutz auch gleich in den Himmel sprühen", meint der Kieler Verbraucherschützer. Datenlecks gebe es überall - bei Behörden, Versicherern und privaten Firmen. Da hilft nur äußerste Vorsicht im Umgang mit persönlichen Informationen - oder, wie Meinicke es formuliert: "Die Leute müssen sich selbst schützen. Ein anderer kann es nicht." Der "Verein" war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
(nia, shz)

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