Neue Motive für SH : Umfrage: Pinker Norden fällt bei sh:z-Lesern durch

Die Tourismus-Agentur will Schleswig-Holstein als Glücksland positionieren. shz.de wollte wissen, was Sie von der Idee halten. Die Ergebnisse dieser Umfrage sind vernichtend für die Kampagne.

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06. Juli 2014, 19:57 Uhr

Kiel | Schleswig-Holstein als Glücksland – so soll „Der echte Norden“ sich dank der neuen Kampagne der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH) in den Köpfen von Urlaubern verankern. Zentrale Farbe: Pink. „Wir sind begeistert von dem kraftvollen, feinsinnigen und intelligenten Ansatz“, sagte Andrea Gastager, die neue Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash), bei der Vorstellung der neuen Motiven in der letzten Woche. Nicht so begeistert wie die Initiatoren der neuen Werbe-Offensive hingegen zeigten sich die, die sich damit identifizieren sollen: die Schleswig-Holsteiner selbst.

Auf shz.de haben wir die Imagekampagne zur Abstimmung gestellt. Das Ergebnis dieser nicht repräsentativen Umfrage fällt eindeutig aus, eindeutig vernichtend: 264 von 461 abgegebenen Stimmen fielen auf „Mir gefällt die Kampagne gar nicht“, 103 Teilnehmer finden sie „nicht sehr überzeugend“, 31 „gut“ und 27 „sehr gut“. 36 Teilnehmer hingegen sahen die Idee als eine „hervorragende Kampagne für SH“ an.

Ähnlich verhält es sich in de Einzelkritik der Motive:

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Den Blick aus dem Auto heraus bewerteten 381 Leser. Knapp 58 Prozent der für dieses Motiv abgegebenen Stimmen entfielen auf das Urteil „Gefällt mir gar nicht“, 16 Prozent auf „Geht so“, acht Prozent auf „Gut“, zehn Prozent auf „Sehr gut“ und nur neun Prozent urteilten „Herrvorragend“. Doch dieses Urteil fällt auch bei den anderen Motiven nicht besser aus.

Schleswig-Holstein als „Glückswachstimsgebiet“. Auch um das neue Image soll es beim Tourismustag gehen.
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Auch der Blick aufs Watt gefiel den Lesern nicht besser. 58 Prozent der 413 abgegebenen Stimmen entfielen auf „Gefällt gar nicht“, zwölf Prozent auf „Geht so“, neun Prozent auf „Gut“, zehn Prozent auf „Sehr gut“ und elf Prozent auf „Hervorragend“.

Neue Image-Kampagne: „Der echte Norden“ soll zum Leben erweckt werden.
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Auch die dritte Version fällt durch: 60 Prozent von 426 Stimmen entfielen auf „Gefällt gar nicht“, 14 Prozent beurteilten das Motiv als „Geht so“, sechs Prozent als „Gut“, neun Prozent als „Sehr gut“ und zehn Prozent als „Hervorragend“.

Im Mittelpunkt der Kritik steht der auf allen drei von der Tash veröffentlichten Motiven abgebildete pinkfarbene Kreis: „Unpassend“, kommentiert User Heinz Klauder auf shz.de. „wo sind die Farben rot, weiß, blau?...pink hat nix mit uns zu tun... alles sieht wie eine Kampagne für Telekom aus...“ Dabei sollte doch gerade die gewählte Farbe „leuchtend, tiefenwirksam und magisch“ Emotionalität auf die Plakate zaubern. Diese Attribute sprach zumindest Arne Schultchen von der zuständigen Werbeagentur dem Farbtupfer, der allen Motiven gemein ist, ihnen zu. Doch die Form des Farbakzents findet auch Befürworter: „Die Idee mit der Marke (kreisrund) ansich finde ich gut!“, schreibt shz.de-Leser „grosses W Punkt“.

Die Kampagne vom Hamburger Designstudio Feldmann und Schultchen zeigt den Norden als Glücksland. Deshalb sollen Botschaften zu lesen sein wie „GlücksWachstumsGebiet“ oder „Zum echten Glück im Norden“. Die Glückskampagne eigne sich perfekt, um die neue Dachmarke emotional aufzuladen, sagte Gastager.

Für Leser Michael Krause haben die Macher nicht weit genug gedacht: „Es ist schwer, ein ganzes Bundesland im kommunikativen Sinne unter einen Hut zu bekommen. Besonders dann, wenn es so vielfältig ist“, kommentiert er auf shz.de. „Der Begriff ,Glück’ ist eine Worthülse, ausgenudelt, abgedroschen.“ ,Glückswachstumsgebiet’ sei als Begriff „sperrig wie ne Schrankwand.“

Doch auch die gewählten Fotomotive kamen bei den Lesern nur mäßig an: „Auf mich wirkt es wie eine Trauer-Anzeige“, urteilt Facebook-Nutzerin Anne Langley. „Beim Betrachten empfinde ich absolut kein Glück! Allerdings passt das ,neue’ misslungene Schleswig-Holstein Logo zu der nicht weniger misslungenen Anzeige!“

Für Mathias Braasch kommt die Vielfalt des Landes nicht in den Bildern zu kurz: „Was einem Ostholsteiner auffällt: Ist der ,echte Norden’ nur flach? Warum werden nur Bilder von der Westküste gezeigt? Der Tourismus ist doch an der Ostsee noch bedeutender als an der Westküste?!“ User „grosses W Punkt“ äußert auf shz.de eine ähnliche Meinung: „Sehr einseitig die Motive, alles was wirklich und richtig schön ist in Schleswig-Holstein kommt nicht vor: Leuchtender Raps, wunderschön restaurierte alte Reetdachhäuser, hügelige teils bewaldete Landschaft, Ostseemotiv(e), NOK ...“

Eine klare Absage an die neue Kampagne kommt von Tanja Lüssem auf der shz.de-Facebookseite: „Für mich wird es zeitlebens das Land zwischen den Meeren bleiben!“

Auf Facebook äußert sich auch eine Userin, die als potenzielle Urlauberin in die Zielgruppe der Tourismusbranche fallen könnte: „Beschwert euch nicht“, schreibt Sonja Wende. „Der Slogan meiner Heimat Sachsen-Anhalt lautet ,Wir stehen früher auf’. Dass viele Sachsen-Anhaltiner aber nur früher aufstehen, weil es hier keine Arbeit gibt und sie pendeln müssen, wurde irgendwie nicht bedacht. Ich glaube, da ist Schleswig-Holstein mit seinem Slogan noch ganz gut bedient.“

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