Staatsanwalt ermittelt : UKSH-Direktor weist Vorwürfe zurück

Untreu in besonders schwerem Fall? Prof. Dr. Bernd Kremer. Fotos: sh:z/UKSH
Untreu in besonders schwerem Fall? Prof. Dr. Bernd Kremer. Fotos: sh:z/UKSH

Gestern wurde sein Büro durchsucht und Prof. Bernd Kremer wurde suspendiert. Heute weist der Direktor des Uniklinikums Schleswig-Holstein alle Vorwürfe von sich: Die zuständigen Stellen seien informiert gewesen, von Untreue könne keine Rede sein.

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18. April 2008, 02:27 Uhr

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Prof. Kremer, weil er ohne die vorgeschriebene Einbindung des Dezernats für Beschaffung einen teureren Anbieter für Operationsmaterial bevorzugt haben soll. Die Beschaffungskommission sei informiert gewesen, sagte Kremer dem NDR. Er würde auch wieder so entscheiden, weil es ein extrem gutes Angebot bei bester Qualität gewesen sei. Er gehe davon aus, dass sich die Vorwürfe relativ schnell in Luft auflösen werden.
Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) hatte Kremer gestern suspendiert. "Der Schritt erfolgte mit sofortiger Wirkung und aus rein arbeitsrechtlichen Gründen. Er stellt in keiner Weise eine Vorverurteilung dar", erklärte Austermann. Gemeinsam mit Staatssekretär Joos de Jager (CDU) hat der Minister die Suspendierung veranlasst. "Weder der Klinikbetrieb noch die Arbeit des Vorstandes werden durch die Suspendierung beeinträchtigt", betonte Austermann. Die Führungsverantwortung sei mit einem neuen kaufmännischen Vorstand und Sanierer Carl Hermann Schleifer klar geregelt; erste Sanierungsschritte trügen bereits Früchte.
Diensträume und Wohnungen durchsucht

Fünf Staatsanwälte und 80 Polizisten haben gestern Morgen die Diensträume und Wohnungen mehrerer Vorstandsmitglieder, Dezernenten und Ärzte des UKSH durchsucht. Gleich drei Ermittlungsverfahren wurden nach Angaben des leitenden Staatsanwalts Uwe Wick eingeleitet.
Die Geschäftsführerin der Betriebs-Service GMBH, die für die Verpflegung der Patienten zuständig ist, steht unter dem Verdacht der Bestechlichkeit. Sie soll Firmen "massiv bevorzugt und Aufträge ohne Ausschreibung vergeben haben", erklärte Wick.
Auftrag über 70.000 Euro ohne Ausschreibung vergeben
Dem Vorstandsvorsitzenden Kremer und dem ehemaligen kaufmännischen Direktor Zwilling wirft der Staatsanwalt "gemeinschaftliche Untreue in einem besonders schweren Fall " vor. Dabei geht es offenbar um den Verdacht, einen Auftrag für Nahtmaterial in Höhe von 70.000 Euro ohne die erforderliche Ausschreibung vergeben zu haben. Der Vorwurf sei deshalb als "besonders schwerer Fall" zu werten, weil die unter Verdacht stehenden Vorstandsmitglieder Amtsträger seien, so Wick.
Ermittelt wird zudem gegen zwei Ärzte, die ebenfalls unter Umgehung der Vergaberichtlinien Aufträge erteilt haben sollen. Wie Wick weiter berichtete, wurden zeitgleich mit den Durchsuchungen an den beiden UKSH-Standorten Kiel und Lübeck auch Privatwohnungen durchsucht. Zudem wurden Ermittlungen auch in Köln und Göttingen durchgeführt. In Köln ist der ehemalige kaufmännische Direktor Zwilling inzwischen tätig. In Göttingen hat die früher in Kiel tätige leitende Pflegekraft Barbara Schulte eine neue Stellung am dortigen Uniklinikum angenommen.

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