VHS-Kurse für "Elster" : Überfordert die Internet-Steuererklärung SH?

Peter Martin Lorenzen vom Finanzamt Nordfriesland führt Teilnehmer des  Volkshochschulkurses in die Geheimnisse von Elster ein. Foto: fu
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Peter Martin Lorenzen vom Finanzamt Nordfriesland führt Teilnehmer des Volkshochschulkurses in die Geheimnisse von Elster ein. Foto: fu

Volkshochschulen bieten Kurse im "elstern" an - zum Unmut des Steuerzahlerbunds: "Hier werden Bürger zu Steuerhilfsbeamten ausgebildet."

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07. April 2013, 09:28 Uhr

Kiel | Diese Frage stellt sich, seitdem die Behörden zu "Elster-Informationswochen" einladen und Volkshochschulen in Bad Segeberg, Ahrensburg oder Husum neuerdings kostenpflichtige Schulungen für die elektronische Übermittlung der Steuerdaten anbieten. Noch macht etwa jeder zweite Schleswig-Holsteiner die Angaben für den Fiskus mit Stift und Papier - aber es werden von Jahr zu Jahr weniger. Nicht zuletzt weil seit 2012 jeder, der gewerbliche Einkünfte zu erklären hat - also auch der "kleine" Freiberufler und der Arbeitnehmer mit Nebenverdienst - gezwungen ist, alle Daten zur Feststellung der Steuerschuld ausschließlich per Internet mit dem Steuerprogramm Elster zu übermitteln. Auch jede Umsatzsteuer-Voranmeldung, Lohnsteueranmeldungen und Dauerfristverlängerungen müssen elektronisch an das Finanzamt geschickt werden.

Und das scheint nicht leicht zu sein. Da geht schon mal das einzige freie Wochenende damit drauf, die komplizierte Registrierung im Elsterportal zu bewerkstelligen. Andere raufen sich die Haare, weil ihre Angaben bei der obligatorischen Plausibilitätsprüfung durchgefallen und der PC sich deshalb hartnäckig weigert, die Daten an den Fiskus weiterzuleiten. Doch damit nicht genug. "Ich habe einen Stunde mit Hotline-Experten konferiert, weil angeblich ein Java-Plugin auf meinem Computer fehlte", berichtet eine Kielerin, die schließlich genervt aufgab und den teuren Weg zum Steuerberater antrat.

"Bürger zu Steuerhilfsbeamten ausgebildet"

Für Rainer Kersten vom Bund der Steuerzahler in Schleswig-Holstein hat die papierlose Datenübertragung mit dem kostenlosen Steuerprogramm der Finanzverwaltung zwar große Vorteile. So überprüft "Elster" die eingegebenen Daten und vermeidet dadurch Eingabefehler und Rückfragen der Finanzämter. Ferner ermöglicht das Programm am heimischen Schreibtisch eine Probeberechnung der Steuererstattung beziehungsweise Nachzahlung und beschleunigt später das Verfahren in den Finanzämtern.

"Doch vom Grundsatz her ist es nicht in Ordnung, dass man Bürger zwingt, die Daten elektronisch zu übermitteln", betont Kersten. Es sei "nicht Aufgabe des Steuerpflichtigen, die Daten in eine Form zu bringen, die finanzamtskompatibel ist". Die Argumentation der Politiker, dass zum Beispiel Kleinunternehmer ohnehin alles am PC erledigen und deshalb die Steuererklärung auf Kopfdruck funktioniere, teile er nicht. Unbestritten ist laut Kersten, dass jeder Steuerpflichtige eine Mitwirkungspflicht hat und Auskünfte zur Verfügung stellen muss. Doch die Tatsache, dass inzwischen Elster-Infowochen und Elster-VHS-Kurse für Arbeitgeber und Selbstständige notwendig seien, um dem Fiskus Steuertatbestände zu übermitteln, findet der Verbandschef alarmierend. "Hier werden Bürger mit öffentlich subventionierten VHS-Kursen zu Steuerhilfsbeamten ausgebildet", fürchtet Kersten. Das Steuerrecht sei nämlich so kompliziert, dass die Administration schon längst kapituliert habe und es ihr mitunter nicht mal mehr gelinge, komplizierte Sachverhalte richtig zu programmieren.

Der Humor, den die Finanzbeamten bei der Einführung der elektronischen Steuererklärung Elster zeigten, dürfte ihnen also schon längst vergangen sein. Damals schmunzelte die Nation, als ausgerechnet das Finanzamt sich bei der Namensgebung für das PC-Programm auf den diebischen Vogel bezog - doch bekanntlich verschwindet das Geld auch nach dem Besuch der virtuellen Finanzamtselster auf Nimmerwiedersehen.

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