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Kommentar : Überfällige Reform

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Landesregierung schmiedet ein einheitliches Lehramt für die Sekundarstufe – doch das wird teuer. Ein Kommentar von Peter Höver.

Diese Reform der Lehrerbildung ist überfällig – seit mindestens sechs Jahren. 2007 nämlich schaffte die damals regierende große Koalition in Schleswig-Holstein die Haupt- und Realschulen ab. Dass das Land an seinen Hochschulen noch immer Lehrkräfte für diese Schularten ausbildet, ist schlicht absurd. Wissenschaftsministerin Waltraud Wende hat angepackt, was Vorgänger – um des Koalitionsfriedens willen – ängstlich ausgeblendet haben.

Ob die Reform, wie die Bildungspolitiker der Küstenampel im Chor behaupten, ein Erfolg wird, Schleswig-Holstein gar „das modernste Lehramt der Bundesrepublik“ erhält, steht auf einem ganz anderen Blatt. Zunächst einmal sind sie wie die am Mittwoch präsentierte Novelle zum Schulgesetz vor allem eines – teuer.

Ziel der Regierung ist ein einheitliches Lehramt für die Sekundarstufe. Die Hochschulen sollen dafür mehr Geld erhalten. So weit, so notwendig. Klar ist aber auch: Wer die einheitliche Lehrerbildung will, muss konsequent auch die Besoldung seines pädagogischen Personals – egal ob an der Grundschule oder am Gymnasium – vereinheitlichen. Das wird zig-Millionen extra kosten – und zwar Jahr für Jahr. Wer glaubt, künftigen Lehrkräften hier Verzicht predigen zu können, wird im Wettbewerb um die besten Köpfe brutal scheitern. Die Folgen für die Schulen wären eine Katastrophe. Schon jetzt gibt es Probleme, vakante Fachlehrer-Stellen an den Schulen zu besetzen.

Richtig ist, die Praxisanteile in der Lehrerausbildung auszuweiten. Hier hat die Universität Flensburg Stärken. Die Frage wird aber sein, ob dabei die Fachlichkeit nicht unter die Räder kommt. Umgekehrt ist die Uni Kiel fachwissenschaftlich Spitze – den Nachweis, dass sie der Pädagogik den notwendigen Raum gibt, wird sie erst noch bringen müssen. Unter dem Strich atmet die Reform trotz mancher guter Ansätze den Geist einer Politik, die es allen Recht machen will. Wer alle beteiligten Hochschulen stärken will, wie in der Koalition behauptet wird, könnte am Ende das genaue Gegenteil bewirkt haben.

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erstellt am 13.Sep.2013 | 06:47 Uhr

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