Amateurfunk : Über den Mond mit der Welt verbunden

'... this is Delta Lima Two Lima Alfa Hotel calling': Hans Karsten Hartwigsen in Flensburg kann von seiner Dachkammer aus Amateurfunker rund um den Globus rufen, dazu übermittelt er sein Rufzeichen 'DL2LAH' nach dem internationalen Buchstabier-Alphabet. Foto: Staudt
"... this is Delta Lima Two Lima Alfa Hotel calling": Hans Karsten Hartwigsen in Flensburg kann von seiner Dachkammer aus Amateurfunker rund um den Globus rufen, dazu übermittelt er sein Rufzeichen "DL2LAH" nach dem internationalen Buchstabier-Alphabet. Foto: Staudt

Amateurfunker sind stets auf Sendung. Hans Karsten Hartwigsen schaffte als erster Deutscher eine Verbindung über den Erdtrabanten zur Osterinsel.

shz.de von
25. Oktober 2010, 07:58 Uhr

Flensburg/Osterinsel | Von Flensburg aus gesehen liegt sie fast auf der anderen Seite des Globus - die Osterinsel im Pazifik. Genau 14.285 Kilometer ist sie von Flensburg entfernt. Luftlinie. Doch um eine Funkverbindung mit dieser Insel aufzunehmen, schickte Hans Karsten Hartwigsen ein Signal auf die 51-fache Strecke - nämlich 733.910 Kilometer. Er sendete zum Mond, von dort wurde das Signal zur Erde zurückgeworfen. Die Verbindung zur Osterinsel gelang. "Sie glauben gar nicht, was dann in meiner kleinen Dachkammer los war", berichtet der 49-Jährige. Er jubelte. Der Flensburger ist der erste Funkamateur, der von Deutschland aus mit einer Erde-Mond-Erde-Verbindung (EME) einen Kontakt zur Osterinsel herstellen konnte.
Zuvor hatten sich zwei deutsche Funkamateure, Rolf Niefind aus dem niedersächsischen Tostedt und Martin Steyer aus dem hessischen Eschwege, mit 180 Kilo Gepäck auf den Weg zum pazifischen Eiland gemacht, dort eine Station aufgebaut. Eine Expedition, die Hartwigsen - internationales Rufzeichen "DL2LAH" - exakt am 3. Oktober um 12.48 Uhr unserer Zeit seinen großen Erfolg bescheren sollte.
Acht Antennen im Garten
Funkamateure wie Hartwigsen haben sich ganz und gar der Technik verschrieben. Im Garten seines Einfamilienhauses steht eine Anlage mit acht Antennen, die er ausrichten kann. Seine Dachkammer ist vollgepackt mit Funk- und Antennenanpassungsgeräten sowie Computern. An den Wänden hängen Landkarten. Von hier aus empfängt und erreicht er die ganze Welt. Das Besondere dabei: Hartwigsen sendet im Ultrakurzwellenbereich (UKW). "Normalerweise ist eine Ausbreitung nur im optischen Bereich möglich", erklärt Hartwigsen. Deshalb müssten Radiosender bereits innerhalb eines Bundeslandes mehrere UKW-Masten aufstellen, damit sie auch in entfernteren Winkeln noch empfangen werden.
Das Ziel des Funkamateurs ist es nun, die optische Reichweite zu überwinden. Das ist auch vom Wetter und von der Sonnenaktivität abhängig. Beides beeinflusst die Atmosphäre, an deren Schichten die Wellen reflektiert werden können. Wie viele Kollegen checkt Hartwigsen deshalb beinahe jeden Morgen die Empfangsreichweite. Dazu hat er eine Europakarte, auf der Funkbaken verzeichnet sind. Diese senden auf bestimmten Frequenzen - kann er sie noch gerade empfangen, weiß er die Reichweite. Von den durch Funkamateure täglich gewonnenen Daten profitierten sogar wissenschaftliche Institute sowie Radio- und Fernsehsender, macht Hartwigsen deutlich. Vergütet werde dieses Engagement nicht. "Das machen wir aus reinem Idealismus."
Der Mond als Spiegel
Als höchste Kunst gilt, das UKW-Signal in Richtung des Erdtrabanten zu schicken. "Wir benutzen den Mond als passiven Reflektor, wie einen Spiegel", erklärt Hartwigsen. "Das ermöglicht Kontakte zwischen Stationen, die gleichzeitig den Mond sehen." Diese Technik wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vom US-Militär entwickelt, und 1946 erstmals angewendet. Funkamateuren gelang 1953 der erste EME-Kontakt. Von da an kommunizierten sie ein halbes Jahrhundert lang auch via Mond - mittels Morsezeichen. 2003 gab es einen neuen Durchbruch: Vom amerikanischen Funkamateur und Physik-Nobelpreisträger Joseph Hooton Taylor (69) wurde eine Software entwickelt, die eine Kommunikation bei extrem schwachen, digitalen Signalen ermöglicht. Hartwigsen: "Jetzt können wir per Funk über den Mond kurze Texte oder kleine Bilder versenden."
"Ich kenne nur noch zwei weitere Funkamateure in Schleswig-Holstein, die im UKW-Bereich Erde-Mond-Erde-Verbindungen herstellen", weiß der Flensburger. Der 49-Jährige gehört dem Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC), Ortsverband Süderbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg) an. "Ich bin in Sörup aufgewachsen, habe mich schon immer für Technik interessiert und mit 15 Jahren meine Amateurfunklizenz gemacht", erklärt Hartwigsen die Mitgliedschaft. Nach der Schule konnte er bei der Bundeswehr zeitweilig sein Hobby mit dem Beruf verbinden - als Funker bei den Marinefliegern. Später hat er die Laufbahn zum Marineoffizier eingeschlagen.
"Die Funker sind ein bisschen verrückt"
Hartwigsen war es stets wichtig, global unterwegs zu sein. Er beließ es aber nicht nur bei Funkverbindungen. "Ich bin auch sehr viel gereist", berichtet er. Und so beherrscht er die Sprachen Englisch, Französisch, ein bisschen Dänisch - ja sogar die fernostasiatischen Sprachen Laotisch und Thailändisch. Letzteres hat einen Grund: "Ich bin seit mehr als 20 Jahren mit meiner thailändischen Frau verheiratet." Sie akzeptiere augenzwinkernd sein Hobby. "Naja", lacht Nitaya Hartwigsen (51). "Die Funker sind ein bisschen verrückt. Nicht selten stehen sie plötzlich mitten in der Nacht auf."
In ferner Zukunft - "im Ruhestand" - wollen beide in die thailändische Region Khon Kaen ziehen. Bereits jetzt hat Hans Karsten Hartwigsen eine Funklizenz, die im fernöstlichen Königreich gültig ist - internationales Rufzeichen: "HS0ZIL".

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