zur Navigation springen

Freundin verblutet : Über 14 Jahre Haft für Gewaltexzess in Kiel gefordert

vom

Immer wieder soll ein Kieler aus extremer Eifersucht auf seine Freundin eingeschlagen haben. Die Frau verblutete. "Er hätte jederzeit den Notarzt rufen können", sagt der Staatsanwalt.

Kiel | Für einen tagelangen Gewaltexzess, bei dem seine Freundin qualvoll verblutete, soll ein 29-jähriger Angeklagter 14 Jahre und sechs Monate in Haft. Das forderte der Staatsanwalt am Donnerstag vor dem Kieler Landgericht. Der Angeklagte habe vom 6. bis zum 12. November 2011 aus extremer Eifersucht immer wieder auf die Frau eingeschlagen und sie getreten - mit Fäusten und einem Besenstiel. Am Ende waren Gesicht und Körper mit offenen Wunden und Blutergüssen übersät. Nase, Kiefer und Rippen waren gebrochen.
Das Opfer lag zuletzt bewegungsunfähig in der gemeinsamen Kieler Wohnung, konnte weder sprechen noch Nahrung zu sich nehmen, schilderte Ankläger Timo Beck das Martyrium. Obwohl dem Angeklagten klar war, dass seine Freundin ohne ärztliche Hilfe sterben würde, habe er aus Angst vor der Polizei ihren Tod in Kauf genommen. Damit habe er sich der Körperverletzung mit Todesfolge und des Mordes durch Unterlassen schuldig gemacht. "Er hätte jederzeit den Notarzt rufen können", sagte Beck. "Sie hätte gerettet werden können." Die Frau starb, bevor der Angeklagte den Notarzt rief. Danach habe er mit einer Freundin telefoniert, um sich ein Alibi zurecht zu legen.

"Partymaus" trug lange Röcke

Das Opfer war erst seit wenigen Wochen mit dem Angeklagten bekannt. Ihre Ausbildung brach sie ab, veränderte unter seinem Einfluss ihr ganzes Verhalten: Die beliebte "Partymaus" trug plötzlich lange Röcke, schminkte sich nicht mehr. Die Misshandlungen begannen, als er glaubte, sie habe einen anderen geküsst.
Der Angeklagte räumte in einer Erklärung über seine Verteidiger Schläge ein - vom 8. November 2011 an. Er bestritt jedoch jede Tötungsabsicht. Er habe zur Tatzeit Drogen genommen und sei ganz außer Kontrolle geraten, als die 20-Jährige ihm angeblich einen Seitensprung gestand. Seinen Darstellungen schenkte der Staatsanwalt aber keinen Glauben. "Die Angaben des Angeklagten, dass die junge Frau sich bis zuletzt weigerte, die Wohnung zu verlassen, um die Beziehung zu retten, klingen wie Hohn", sagte Beck. "Seine Einlassungen sind einfach erlogen."
Die Nebenklage folgte weitgehend den Ausführungen des Staatsanwaltes, sah aber keine strafmildernden Gründe und forderte deswegen lebenslange Haft. Die Verteidigung plädierte wegen Körperverletzung mit Todesfolge auf sechs Jahre Gefängnis und Einweisung in den Maßregelvollzug, damit der Angeklagte eine Drogentherapie machen könne. Als strafmildernd hatte der Staatsanwalt unter anderem die von Gewalt, Heimaufenthalt und sexuellem Missbrauch geprägte Kindheit des einschlägig vorbestraften Angeklagten gesehen.Der 29-Jährige entschuldigte sich in seinem Schlusswort bei der Mutter der Toten und deren Geschwistern. Er habe ihren Tod nicht gewollt. Doch die Verwandten nahmen die Entschuldigung ebenso wenig an wie das Angebot von 10.000 Euro Schmerzensgeld. "Kein Geld der Welt kann sie uns zurückbringen", sagte die Mutter. Das Urteil soll am 16. August verkündet werden.

zur Startseite

von
erstellt am 09.Aug.2013 | 04:06 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen