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Umfrage-Ergebnis : Turbo-Abiturienten haben weniger Zeit fürs Ehrenamt

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Eine Umfrage vergleicht erstmals das Freizeitverhalten von Gymnasiasten in acht- und neunjährigen Bildungsgängen. „Es lohnt sich nicht, grundsätzlich über eine flächendeckende Rückkehr zu G9 zu diskutieren“, heißt es aus der Landesschülervertretung.

Kiel | Unter dem verkürzten Bildungsgang zum Abitur in acht Jahren leidet das Freizeitverhalten der Schüler offenbar weniger als oft gedacht. Zu diesem Ergebnis kommt die erste große Umfrage zu den Belastungen an G8- und G9-Gymnasien. Die Landesschülervertretung und der Landeselternbeirat der Gymnasien haben dazu 2442 Schüler von 16 Schulen aus allen Regionen Schleswig-Holsteins interviewt. Ihre Aktivitäten am Nachmittag und Abend weichen nur geringfügig voneinander ab.

Seit fünf Jahren ist das Turbo-Abi nach acht Jahren in Schleswig-Holstein die Regel. 84 Gymnasien bieten es an. 15 Gymnasien setzen weiter auf die Hochschulreife nach neuen Jahren – und sollen dafür auch durch das künftige Schulgesetz Bestandsschutz erhalten. Zudem werden an einzelnen Gemeinschaftsschulen neunjährige Bildungsgänge zum Abitur eingeführt. Die Debatte an den Gymnasien über einen grundlegenden Schwenk zurück ist aber nie verstummt. Die meisten G8-Bundesländer weichen ihren Kurs auf, und in Schleswig-Holstein sammelt die Initiative „G9 jetzt!“ Unterschriften für eine Volksabstimmung zur flächendeckenden Rückkehr.

Auf die Frage „Wie gestaltest du deine Freizeit?“ antworteten die Schüler mit Abstand am häufigsten damit, dass sie ihre Freunde treffen. Von den G9-Schülern gaben dies 87,2 Prozent an, von den G8-Schülern 85,1 Prozent. Eine – aber nur leicht größere – Zeitnot ist also erkennbar, wenn für die Vorbereitung auf die Hochschulreife ein Jahr weniger zur Verfügung steht. Deshalb setzen Turbo-Abiturienten häufiger auf schnellere virtuelle Kontakte: 70 Prozent von ihnen nannten soziale Netzwerke als Freizeitbeschäftigung. Von den G9-Absolventen taten dies nur 66,9 Prozent.

Bei der Gesamtnutzung von Computern, wozu etwa auch Spiele gehören, sieht es jedoch umgekehrt aus: 64,1 Prozent der G9-Schüler nehmen sich dafür Zeit – aber nur 58,7 Prozent der G8-Kollegen.

Am deutlichsten weichen die Werte zwischen acht- und neunjährigem Bildungsgang bei Engagement im Ehrenamt voneinander ab: 15,1 Prozent der G9-er investieren darin Zeit, aber nur 9,6 Prozent der G8-er. Geht es jedoch nur um eine einfache Mitgliedschaft in Sportvereinen ohne herausgehobene Funktion, relativiert sich das Bild. 60,9 Prozent der G8-Schüler verbringen ihre Freizeit regelmäßig mit Aktivitäten im Sportverein, aber lediglich 54,8 Prozent der G9-Schüler. Handelt es sich um Sporttreiben allgemein, wozu etwa auch Joggen oder Fitnessstudio gehören, liegen beide Gruppen so gut wie gleichauf: mit 75,1 Prozent bei G9 und 74,1 Prozent bei G8. Ähnlich bei Musikmachen: Auf 27,1 (G9) beziehungsweise 26,3 Prozent (G8) trifft dies zu.

„Wir können nicht allgemein sagen, dass G8 schlechter ist – dazu liegen die Antworten zu dicht beieinander“, resümiert Niklas Heesch aus Neumünster, der Umfrage-Verantwortliche aus dem Vorstand der Landesschülervertretung (LSV). „Deshalb lohnt es sich nicht, grundsätzlich über eine flächendeckende Rückkehr zu G9 zu diskutieren.“ Besser ist es nach Sicht der LSV, durch Feinabstimmungen in den G8-Konzepten „Defizite in der Umsetzung“ zu erschließen. Die Auswertung der Fragebögen habe gezeigt, dass es im Umgang mit G 8 je nach Schule Unterschiede gebe. „An vielen Standorten hat sich ein angezogenes Tempo in der Einführungsphase wieder gelegt, an anderen müssen die Curricula noch besser an den neuen zeitlichen Rahmen angepasst werden.“

Die Studie zum Freizeitverhalten lag unserer Zeitung exklusiv vorab vor. Die gesamten Ergebnisse der Umfrage, die zum Beispiel auch die allgemeine Zufriedenheit, den Zeitumfang des Schulbesuchs, Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgaben und Nachhilfe untersucht, soll am kommenden Donnerstag (10. Oktober) in der Landespressekonferenz vorgestellt werden.

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erstellt am 07.Okt.2013 | 07:37 Uhr

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