Arbeitslosigkeit in Einwandererfamilien : Türkische Gemeinde in SH will Jobs vermitteln

Gemeinsam mit dabei: Stadtrat Volker Hatje (l.) und Dr. Cebel Küçükkaraca, Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde.
Dr. Cebel Küçükkaraca (r.), Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde.

Langzeitarbeitslose aus Einwandererfamilien tun sich bei der Jobsuche oft besonders schwer. Die Türkische Gemeinde will diesen Menschen nun Starthilfe leisten.

shz.de von
28. Januar 2015, 13:10 Uhr

Kiel | Mit Hilfe eines landesweiten Projektes will die Türkische Gemeinde Schleswig-Holstein Langzeitarbeitslose aus Einwandererfamilien in Lohn und Brot bringen. „Unser Ziel ist es, mindestens 30 Prozent der Teilnehmer einen Job zu verschaffen“, sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Cebel Küçükkaraca, am Mittwoch, bei der Vorstellung des auf zwei Jahre angelegten Projekts in Kiel. Bereits 70 Arbeitslose im Alter zwischen 25 und 55 Jahren machen dabei mit. Küçükkaraca geht aber davon aus, dass sich deren Zahl im Laufe der Zeit verdoppeln wird.

Kooperationspartner sind die Jobcenter Kiel, Neumünster und Pinneberg. Der Etat des geförderten Projekts beträgt knapp 600.000 Euro. Die Langzeitarbeitslosen erhalten von den derzeit vier Mitarbeitern des Projekts Hilfestellung bei Bewerbungen, bei der Suche nach Praktika und bekommen fachspezifischen Deutschunterricht. „Wir analysieren die Persönlichkeit dieser Leute und sehen dann, wozu sie geeignet sind“, sagte Küçükkaraca. Danach folgten verschiedene Kurse. „Die Leute, die bereits gut deutsch sprechen, erhalten 120 Stunden fachbezogenen Sprachunterricht.“ Außerdem kümmern sich die Mitarbeiter auch um mögliche Praktika und Jobs in Unternehmen, darunter auch viele Firmen von Einwanderern. Das Spektrum reicht dabei laut Küçükkaraca von Dönerbuden über Druckereien bis hin zu Softwarefirmen.

Das Klientel der Mitarbeiter ist teilweise bereits seit etlichen Jahren ohne Job und lebt von Hartz IV. Diese Menschen hätten nicht nur materielle, sondern vielfach auch soziale Probleme, sagte Küçükkaraca. „Die sind isoliert, sie fühlen sich nicht wohl, aber mit der Zeit gewöhnen sie sich an daran. Sie finden sich ab. Das ist das Traurige.“ Zwänge gibt es nicht, die Teilnahme basiert auf Freiwilligkeit. „Wir müssen die Menschen überzeugen“, sagte Küçükkaraca.

Die Mitarbeiter des Projekts wollen bei den Arbeitslosen die vielschichtigen Vermittlungshemmnisse abbauen. Bei der Vermittlung setzen sie vor allem auf brachliegende Ressourcen vieler Betriebe, vor allem auch von Firmen von Einwanderern.

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