Einsatz-Rekord : Tubulenter Jahreswechsel im Norden

Bis auf die Grundmauern brannte ein Reetdachhaus in Süderstapel nieder. Foto: Knäpper
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Bis auf die Grundmauern brannte ein Reetdachhaus in Süderstapel nieder. Foto: Knäpper

Als turbulent und unruhig haben Polizei und Feuerwehr den Jahreswechsel im Norden bezeichnet. Allein in Hamburg rückte die Feuerwehr mehr als 1000 Mal aus.

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02. Januar 2008, 07:10 Uhr

1086 Einsätze hatte die Hamburger Feuerwehr nach eigenen Angaben in der Silvesternacht zwischen 18 und 6 Uhr. Damit rückten die Helfer rund 100 Mal häufiger aus als im Vorjahr. "Insbesondere die Zahl der Kleinbrände hat in diesem Jahr zugenommen", berichtete ein Sprecher. Auch die Kieler Polizei hatte mehr Arbeit als im Vorjahr. Zwischen Mitternacht und 5 Uhr wurden die Beamten mehr als 100 Mal gerufen. Wegen Unfällen mit Feuerwerkskörpern, Schlägereien, Sachbeschädigung und Ruhestörung waren die Retter im Dauereinsatz.
Bereits am Silvesterabend sprengte sich ein 47 Jahre alter Mann aus Hamburg-Eilbek Teile der Hand ab, als er Feuerwerk entzünden wollte. Im weiteren Verlauf der Nacht erlitten ein zweijähriges Kind aus Steilshoop sowie ein acht Jahre alter Junge aus Barmbek Gesichtsverbrennungen. Knallkörper waren unmittelbar vor den Gesichtern der Kinder explodiert.
Ein Mann aus Hamburg-Billstedt verlor beim falschen Umgang mit einem Feuerwerkskörper mehrere Fingerkuppen, wie ein Sprecher der Feuerwehr mitteilte. An der S-Bahn-Station Allermöhe fiel ein Mann ins Gleisbett, wurde von der S-Bahn erfasst und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Ein Kellerbrand in einem Restaurant in Hamburg-Altona sorgte dafür, dass 100 Partygäste ihre Feier schon vor dem Jahreswechsel beenden mussten.
Feuerwehrleute mit Knallern beschossen
Rücksichtlos verhielten sich Partygänger im Hamburger Stadtteil Schnelsen. Dort brannte eine Mülltonne. Die Feuerwehr wurde so massiv mit Knallern, Vogelschreck und Leuchtmunition beschossen, dass die Retter den Einsatz abbrechen mussten. Bei einem weiteren Einsatz in der Hafenstraße wurden die Feuerwehrleute von Randalierern mit Flaschen und Pflastersteinen beworfen.

In Schleswig-Holstein hatten Feuerwehr und Polizei ebenfalls einen arbeitsreichen Jahreswechsel. "Diese Silvesternacht war leider etwas unruhiger als in den Vorjahren", erklärte ein Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes am Dienstagmorgen. Insgesamt registrierten die Wehren mehr als 400 Einsätze. So brannte in Süderstapel im Kreis Schleswig-Flensburg ein Reetdachhaus ab. Den Schaden schätzt die Feuerwehr auf 400.000 Euro.
In Kiel mussten die Retter unter anderem einen Wohnungsbrand löschen. Bei dem Feuer gab es fünf Verletzte. Warum der Brand ausbracht, war zunächst unklar. Bei einem weiteren Feuer in einer Wohnung in Neumünster rettete die Feuerwehr eine Frau und zwei Kinder. Für zwei Katzen kam jede Hilfe zu spät. Sie starben in der Wohnung.
Auch in Rellingen störten Jugendliche die Feuerwehr beim Löschen
Bei einer Explosion im Keller eines Reihenhauses in Rellingen (Kreis Pinneberg) erlitt am Neujahrsmorgen ein Mensch eine leichte Rauchvergiftung. Nach der Detonation brach ein Feuer aus, die Bewohner flüchteten aus dem Gebäude. Jugendliche störten die Feuerwehr bei den Löscharbeiten. Erst als Polizeibeamte gegen zwei der Jugendlichen Platzverweise aussprachen, konnten die Retter ihre Arbeit ungehindert fortsetzen. Die Kriminalpolizei soll in den nächsten Tagen die Ursache der Explosion ermitteln.
Glück im Unglück hatten Veranstalter und Gäste einer Silvesterparty in Schacht-Audorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Ein zum Partyraum umgebauter Lagerschuppen war vermutlich durch einen alten Ofen in Brand geraten. "Der Feuerwehr gelang es jedoch, die Musikanlage und die bereits eingelagerten Getränkevorräte für die Party zu retten, die daraufhin kurzerhand an einen anderen Ort verlegt wurde", hieß es in einer Mitteilung des Kreisfeuerwehrverbandes. Verletzt wurde niemand.
In Schacht-Audorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) gab es außerdem eine Schlägerei, bei der ein Polizist durch einen Faustschlag ins Gesicht verletzt wurde. Sechs Männer im Alter von 19 bis 30 Jahren wurden vorübergehend festgenommen. Insgesamt waren 16 Streifenwagenbesatzungen im Einsatz, um den Streit zu schlichten. Die Hintergründe waren am Dienstag noch unklar.
Bank-Besucher waren zwei Stunden lang eingesperrt
Für zwei Besucher einer Bankfiliale in Schafflund (Kreis Schleswig-Flensburg) gab es in der Neujahrsnacht eine unangenehme Überraschung. Sie betraten das Foyer, dann schloss sich die Automatiktür und ließ die beiden nicht mehr hinaus. Es dauerte rund zwei Stunden, bis die Bankbesucher befreit werden konnten.
Wenig Zeit zum Feiern blieb den Mitarbeitern der Hamburger Stadtreinigung. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers begannen die ersten Reinigungstrupps schon um 2.30 Uhr mit dem Sammeln der Silvesterabfälle. Rund 25 Tonnen Böllermüll, Flaschen und anderer Unrat wurden von den Spezialisten der Stadtreinigung entsorgt.

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