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Naturschutz auf der Vogelinsel : Trischen: Einsamkeit mit Vögeln

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach sieben Monaten Einsamkeit auf Trischen ist Vogelwart Benjamin Gnep wieder auf dem Festland.

Trischen | Typisch Schleswig-Holstein: Das Wetter spielte mal wieder nicht mit. Und so konnte Benjamin Gnep am 18. März seinen einsamen Job auf der Vogelinsel Trischen erst mit drei Tagen Verspätung antreten. Sieben Monate lang lebte der 25-Jährige auf dem Eiland im Dithmarscher Watt als Vogelwart für den Naturschutzbund (Nabu). Seit Mittwoch ist Gnep wieder auf dem Festland und entspannt ein wenig bei seinen Eltern in Brandenburg, bevor es zurück an die Uni Greifswald geht. Dort studiert er Landschaftsökologie und Naturschutz. Für seine Zeit auf Trischen hat Gnep extra ein Urlaubssemester eingelegt. Mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ habe er das Vogelparadies verlassen. Inselversorger Axel Rohwedder hatte ihn mit seinem Kutter „Luise“ von der Vogelinsel in den Friedrichskooger Hafen gebracht.

Die Aufgaben auf Trischen sind vielfältig. Vogelzählungen, aktuelle Kartierungen der Wattflächen und das Sammeln von Wetterdaten gehören dazu. Die Alltagsroutine wurde lediglich unterbrochen, wenn einmal pro Woche Rohwedder mit Lebensmitteln, Zeitungen und Gneps sonstigen Bestellungen vorbeikam. Allerdings freute sich der Ornithologe noch auf etwas anderes: „Viel wichtiger war der neueste Klatsch“, sagt Gnep, der gestern noch an seinem Abschlussbericht für den Nabu arbeitete.

Und der sieht so schlecht nicht aus: Bereits Ende Juli stand fest, dass die Brutsaison auf Trischen aus Sicht des Nabu erfolgreich verlief. So konnten die meisten Vogelarten ihren Brutbestand halten oder gar etwas zulegen. Der Brutbestand bei den Zwergschwalben erreichte sogar den höchsten Stand seit 1988, so der Nabu. Rund 24 Brutpaare der stark gefährdeten Vogelart ließen sich auf der Insel nieder. Erneut deutlich zugelegt hätten die Arten Weißwangengans und Löffler. Mit über 100 Brutpaaren brüteten so viele Löffler wie noch nie auf der Insel. Verluste gab es allerdings bei den Lachmöwen und Flussseeschwalben.

Für Gnep endete eine spannende Zeit mit beeindruckenden Erlebnissen. Zum Beispiel im Mai, als ungewöhnlich große Nonnengans-Schwärme die Insel überflogen. Gnep zählte mehr als 40.000 Vögel. Aber auch einzelne Tiere können ihn begeistern. So brütete während seiner Zeit auf Trischen ein Rotschenkelweibchen in der Nähe der Holzhütte, in der der Vogelwart hauste. „Sozusagen meine beste Freundin“, sagt Gnep. Trischen war nicht die erste Inselstation des Brandenburgers. Er war schon einmal als Naturschutzwart eine Saison auf Wangerooge. „Aber Trischen war doch was ganz Besonderes, einer der letzten unberührten Flecken Erde.“

Trischen ist 2,9 Kilometer lang und maximal 1,5 Kilometer breit. Das Paradies für Vögel liegt 14 km südwestlich von Büsum und ist  die einzige Insel  im Dithmarscher Wattenmeer. Auf dem halbmondförmigen Eiland wurden bereits 244 Vogelarten beobachtet, aber nicht alle Arten  brüten auf der Insel. In den 1920er Jahren gab es hier einen Bauernhof und mehr als 80 Hektar eingedeichtes Land. Die ständige Wanderung der Insel und heftige Sturmfluten verhinderten jedoch eine dauerhafte Besiedlung der Insel.

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erstellt am 17.Okt.2014 | 14:30 Uhr

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