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Ein Jahr neue SH-Regierung : Treffen der Alphatiere Kubicki und Stegner

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Es war launig und unterhaltsam bei "Talk am Tor" in Flensburg. Wolfgang Kubicki und Ralf Stegner schenkten sich beim Duell nichts - und wetteten gleich um mehrere Flaschen Rotwein.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 12:48 Uhr

Flensburg | Nach genau sieben Minuten muss es das erste Mal raus: "Herr Kubicki ist ein Häuptling vom Stamm der Besserwisser", sagt Ralf Stegner und versucht ein linkisches Grinsen. "Herr Stegner, entweder wissen Sie es nicht besser oder Sie erklären es falsch", sagt sein Kontrahent Wolfgang Kubicki. Das ist unterhaltsamer Polit-Talk. Und die rund 100 Zuschauer quittieren die Scharmützel mit launigem Applaus.
Es ist Show-Time in Flensburg. Am Mittwochabend sind der SPD-Fraktionschef im Landtag, Ralf Stegner, und sein FDP-Kollege, der heimliche Oppositionsführer Wolfgang Kubicki, bei der Diskussionsveranstaltung "Talk am Tor" unserer Zeitung im Science Center Phänomenta aufeinander getroffen. Bilanz sollen sie ziehen - ein Jahr nach der Landtagswahl und dem Regierungswechsel in Kiel. Und die fällt bei der von Michael Grahl, Geschäftsführer von Sat 1-Regional, und dem Chefredakteur des sh:z, Helge Matthiesen, moderierten Talkrunde durchaus unterschiedlich aus. "Ich glaube, dass die Regierung Schleswig-Holstein auf einen falschen Weg bringt", sagt Kubicki. Stegner meint hingegen: "Wir sind auf einem guten Kurs."

Treffer oberhalb der Gürtellinie


Am Ende geht das Duell unentschieden aus. Jeder der beiden Kontrahenten landet Treffer, Schläge unter die Gürtellinie unterbleiben, ironische Angriffe gibt es dafür um so mehr. Etwa wenn Stegner sagt: "Wir haben auch schon zusammen Wein getrunken. Und Kubicki entgegnet: "Das schadet meiner Karriere."
Die Zuschauer sind begeistert. Immer wieder bedenken sie die Talkshow-Profis mit Applaus. Etwa wenn Stegner sagt, das er bislang alle Wetten gegen Kubicki gewonnen hat. Und der bietet seinem SPD-Kollegen denn auch gleich drei neue an. Stegner muss jeweils eine gute Flasche Rotwein ausgeben, wenn der SSW nach der Entscheidung des Landesverfassungsgerichts in Schleswig Mandate verliert. Oder wenn die FDP bei der Bundestagswahl in Schleswig-Holstein über zehn und im Bund über acht Prozent bekommt. Und wenn die SPD weniger als 30 Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl erzielt. Stegner akzeptiert grinsend und gibt die Hand drauf.

Ungeliebter Stegner


Stegner und Kubicki. Das sind die beiden Politiker, die am häufigsten im vergangenen Jahr im Landtag die Klingen gekreuzt haben. Der eine, Gastwirtssohn aus der Pfalz, der immer wieder erzählt, dass er länger in der Gewerkschaft als in der SPD Mitglied ist. Der in Havard studiert, promoviert und in Partei und Regierung Karriere gemacht hat - und doch weder von vielen eigenen Genossen noch von der Mehrheit des Parteivolks wegen seines Hanges zur sozialen Inkompetenz geliebt wird.
Auf der anderen Seite Wolfgang Kubicki, der immer wieder erzählt, dass er weder wirtschaftlich noch inhaltlich auf die Politik angewiesen ist. Der eloquente Staranwalt und FDP-Rebell, der sich dauernd mit der eigenen Parteiführung in Berlin anlegt und im Herbst in den Bundestag einziehen will. Die beiden politischen Alphatiere zeichnen sich durch ausgeprägtes Selbstbewusstsein und eine geschliffene Rhetorik aus. Und das zeigen die beiden Vollblutpolitiker den ganzen Abend.

Streit um den Haushalt


Und wie bewerten sie die Zukunftschancen des Landes? Immer wieder geht es um die prekäre Haushaltslage Schleswig-Holsteins. Stegner verweist darauf, dass die Regierung nach einem Jahr die Kürzungen der CDU/FDP-Koalition zurückgenommen habe, Kubicki fordert die Menschen in der Phänomenta und im Land auf, langfristig zu denken: "Warten wir mal auf den nächsten Haushalt 2014. Die Regierung hat den Puffer, den die schwarz-gelbe Regierung durch Einsparungen aufgebaut hatte, verbraucht."
Stegner glaubt daran, dass das Sparen gelingen kann. Kein Zweifel: Beide Politiker haben gelernt,mit Widerspruch zu leben und ihn zu parieren. Seit Jahren kennen sie sich aus unzähligen Redeschlachten im Landtag. Sie wissen, wie der andere tickt, schätzen die Debatte. "Ich streite mich leidenschaftlich gern mit Herrn Kubicki, auch wenn ich komplett anderer Meinung bin als er", sagt Stegner, denn: "Opposition kann der Kerl." Kubicki ist hingegen überzeugt, dass er auch Regierung kann.
Moderator Helge Matthiesen zieht nach einer Stunde unterhaltsamen Talks das treffende Fazit: "Sie haben gezeigt, dass Politik Spaß machen kann." Und er hofft, dass Kubicki und Stegner Schleswig-Holstein erhalten bleiben.

Wiedersehen in Berlin?


Ob das klappt, ist unklar: Wolfgang Kubicki strebt im Herbst in den Bundestag. Stegner sieht ihn dort als Hinterbänkler. Doch Kubicki sagt: "Wo ich bin, ist immer vorne." Und er glaubt daran, Stegner in Berlin wiederzusehen. Mit einem süffisanten Grinsen sagt er in Stegners Richtung: "Peer Steinbrück wird auf Ihre Kompetenz doch nicht verzichten." Das große, unterhaltsame Kubicki-Stegner-Duell wird fortgesetzt.
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