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AKW Krümmel : Transformator auf dem Weg nach Bayern

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Der Transport des 450 Tonnen schweren Geräts begann am AKW Krümmel. Jetzt geht es per Schiff weiter Richtung Atomkraftwerk „Isar 2“.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2014 | 12:55 Uhr

Geesthacht | Kraftakt geglückt: Der 450 Tonnen schwere Maschinentransformator aus dem Kernkraftwerk Krümmel, über den der im Atommeiler am Elbufer bei Geesthacht erzeugte Strom ins Hochspannungsnetz eingespeist werden konnte, wurde am Freitag an Bord eines Spezialschiffes verladen. Er wird jetzt auf dem Wasserweg nach Bayern verschifft, soll dort künftig im Atomkraftwerk „Isar 2“ zum Einsatz kommen. Der Energiekonzern E.ON hat das Bauteil dem Energiekonzern Vattenfall abgekauft. In der kommenden Woche soll das Schiff sein Ziel erreichen.

Um 21.20 Uhr hatte sich der Spezialtransporter in Krümmel am Donnerstag in Bewegung gesetzt. Die Polizei hatte den 22-achsigen Tieflader, der per Fernsteuerung gelenkt wurde, genau inspiziert und grünes Licht für die Abfahrt gegeben. Bei früheren Trafo-Transporten nach und von Krümmel hatte es bei den Transportern mehrfach technische Mängel gegeben, die die Abfahrt verzögert hatten.

Diesmal ging es früher als geplant los, allerdings dauerte es länger als gedacht, den Umschlagplatz im Hafen zu erreichen. Nur im Schritttempo ging es vorwärts, so schnell, wie die Bedienmannschaft, die den Tieflader zu Fuß begleitete und steuerte, den Weg schaffte. An der Zufahrt zum Umschlagplatz wurden eigens die Blumenkübel zur Seite geschoben, damit das Fahrzeug auf das Areal fahren konnte.

Am Freitagmorgen legte dann das Spezialschiff „Europa1“ an der Kaimauer im Hafen an. An Land wurde ein Telekran in Stellung gebracht. Der 450 Tonnen schwere Koloss wurde zunächst aufgebockt und der Tieflader umgestellt. Über eine Rampe ging es dann an Bord des Spezialschiffes, das am Abend in Richtung Bayern ablegen sollte.

Der Energiekonzern Vattenfall bezieht jetzt nur noch über einen deutlich kleineren Trafo Strom aus dem Netz, um seinen Eigenbedarf decken zu können. Selbst wenn man – was technisch mit dem abgeschalteten Siedewasserreaktor jederzeit noch möglich wäre – wieder Strom erzeugen würde, könnte man diesen nicht ins Netz einspeisen.

Der Betreiberkonzern Vattenfall hat die Bundesrepublik wegen des Atomausstiegs und damit verbundener Verluste verklagt. Eine Entscheidung darüber wird frühestens 2016 erwartet. So lange wird Vattenfall beispielsweise die Turbine, eine Sonderanfertigung für den früher leistungsstärksten Siedewasserreaktor der Welt,  weiterhin drehen. Würde man sie stilllegen, würde sie sich durchbiegen und wäre nicht mehr nutzbar. Die Trafos ließen sich zumindest neu beschaffen.

Das 1984 in Betrieb gegangene Kernkraftwerk Krümmel gehörte zu den Atommeilern, die die Bundesregierung nach der durch einen Tsunami ausgelösten Atomkatastrophe in Fukushima das Aus verordnet hatte. Nicht, weil es schon so alt war, sondern weil es als störanfällig galt. Schon seit 2007 stand die Anlage wegen zahlreicher technischer Probleme nahezu ununterbrochen still.

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