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SH:Z gegen KN : Tramp-Duell: Eine Stunde zu spät im Ziel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Michael Staudt und Kay Müller verlieren das Tramp-Duell gegen die Kieler Nachrichten – und wollen es doch wieder wissen

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2014 | 07:54 Uhr

Flensburg | Wir wissen jetzt wie das ist. Wie die brasilianische Nationalmannschaft sich nach einem 1:7 fühlen muss. Gestern um 15.21 Uhr ist es so weit. Jana Ohlhoff von den Kieler Nachrichten ruft an – und sagt: „Wir sind kurz vor dem Bungsberg.“ Nun wissen mein Mitfahrer Michael Staudt und ich, Kay Müller, spätestens, dass wir für unsere Zeitung das Trampduell gegen das Team der Kieler Nachrichten mit Jana Ohlhoff und Anne Holbach verloren haben – und zwar deutlich. Die beiden haben die Tour per Anhalter vom tiefsten Punkt Schleswig-Holsteins in Neuendorf-Sachsenbande (Kreis Steinburg) zum höchsten Punkt, dem Bungsberg im Kreis Ostholstein, mit rund viereinhalb Stunden deutlich schneller absolviert als wir die rund 120 Kilometer lange Strecke in umgekehrter Richtung. Wir kommen erst eine runde Stunde später als die beiden an unserem Ziel an – leider.

Dabei hatten wir uns so viel ausgerechnet, wie Brasilien vor dem Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Deutschland. Klar hatte der Gegner leichte Vorteile, aber wir sind ein erfahrenes Team, das zu Hause gewinnen will. Am Ende wissen wir selber nicht genau, wo wir das Spiel verloren haben – aber den Sieg des besseren Teams erkennen wir neidlos an. Sie haben den Titel, und wir haben versagt. Lamentieren hilft nichts, egal ob wir in Eutin an einem schlechten Punkt zu lange standen oder in Plön Zeit auf Inseln vergeudet haben.

Doch als wir an diesem Nachmittag völlig deprimiert und mit hängenden Köpfen die Bundesstraße 430 in Neumünster entlang zockeln, den Kreis Rendsburg-Eckernförde zu Fuß (!) betreten, kommt ein Retter daher. Michael hat das Schild mit der Aufschrift „Wacken“ nur locker unter den Arm geklemmt, aber Jörg Ipsen hat es trotzdem gesehen, an einer schwierigen Stelle für uns gehalten – nimmt uns mit auf seinem Weg zum weltgrößten Heavy-Metal-Festival und fährt uns sogar noch an unseren Zielort in der Wilstermarsch. Und er erzählt von der Faszination des Festivals für das er arbeitet, für dessen Gäste er schon Sitzgelegenheiten aus Schubkarren gebaut hat. Wir reden über alle möglichen Festivals, und er erklärt uns, warum Stevie Wonders Stimme auch auf dem Rockfestival im dänischen Roskilde ein absolutes Erlebnis ist.

Und plötzlich löst sich unsere Niedergeschlagenheit. Das ist der Charme des Fahrens per Anhalter, der Kontakt mit fremden Menschen, die voneinander profitieren. Klar muss man aufpassen, wie man reist und anderen Bescheid geben, aber dann macht es einfach Spaß. Wir lassen unsere Tramptour, die uns ohne Geld einmal quer durch Schleswig-Holstein geführt hat, Revue passieren. Und wir erinnern uns gern, wie wir auf der Prinzeninsel im Großen Plöner See Passanten treffen, die uns erklären, dass sei nur eine Halbinsel. Und wie wir uns – übrigens anders als das Gewinnerteam – damit nicht zufrieden geben und mit unserem aufblasbaren Krokodil zum Langen Warder schwimmen wollen. Und wie uns Thoran Hartwich und Joshua Karp von der DLRG davon abraten und uns statt dessen lieber mit ihrem Boot hinüberfahren und unser Bad absichern. Mit Tempo 50 geht es über den See, an der Christlichen Jugendfreizeitstätte Schloß Ascheberg bekommen wir ganz selbstlos die Reste des Mittagessens einer Jugendgruppe und lösen so in wenigen Minuten zwei Aufgaben, die wir vorher mit Jana und Anne verabredet haben.

Und wir erleben viele tolle, hilfsbereite Fahrer, denen wir danken. Sie nehmen uns selbstlos mit, obwohl sie uns nicht kennen – so wie Jörg Ipsen, der sagt: „Ich habe drei freie Plätze, ihr wollt in die selbe Richtung. Da lasse ich Euch doch nicht stehen.“ Und er ergänzt: „Gegen ein attraktives Frauen-Team zu verlieren, das ist auch keine Schande.“

Ja, vielleicht hat er Recht. Als wir am tiefsten Punkt ankommen – in Neuendorf-Sachsenbande, da wissen wir, dass wir aus einem Tal wieder herauskommen. Uns bleibt die Hoffnung, dass wir wie ein großes Team nach einer Niederlage bald wieder gewinnen können. Vielleicht müssen wir uns wie die brasilianische Nationalmannschaft neu erfinden – aber irgendwann werden wir wieder den Tramp-Titel holen. Bestimmt.

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