Hamburger Hafen : Tragödie am Ende eines Rundflugs

Das Unterteil des abgestürzten Wasserflugzeugs schwimmt im Baarke-Hafen in Hamburg. Foto: Wüst
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Das Unterteil des abgestürzten Wasserflugzeugs schwimmt im Baarke-Hafen in Hamburg. Foto: Wüst

Löste ein Pilotenfehler das Unglück aus? Nach dem Absturz eines Wasserflugzeugs mit zwei Toten in Hamburg gibt es Hinweise auf die Ursache.

shz.de von
24. August 2009, 04:20 Uhr

Es sollte ein traumhafter Rundflug über den Hamburger Hafen werden - und endete für ein Ehepaar mit dem Tod: Als das Wasserflugzeug landen wollte, überschlug es sich, trieb kopfüber im Hafenbecken und drückte die Kabine mit den beiden Fluggästen unter Wasser. Der 42-jährige Pilot aus Wedel (Kreis Pinneberg) konnte sich noch retten, doch für eine 52-jährige Touristin und ihren fünf Jahre älteren Mann kam jede Hilfe zu spät.

Ein Fehler des Piloten galt gestern als wahrscheinlichste Unglücksursache - offenbar hatte er vergessen, vor der Wasserlandung das Fahrwerk einzuziehen.

Es ist nicht das erste Unglück bei touristischen Rundflügen im Norden. Bei zwei weiteren Abstürzen kamen seit 2002 insgesamt sieben Menschen ums Leben (siehe unten).
"Ein Logenplatz am Himmel"
Am Sonnabend kämpften die Rettungskräfte noch um das Leben des Paares - vergeblich. Einen Rundflug mit einzigartiger Aussicht auf das "Tor zur Welt" wollte sich das Paar aus der Nähe von Bremen gönnen, als es die schneeweiße Maschine vom Typ Cessna 206 bestieg. Der Start: direkt im Hamburger Hafen, die Aussicht in 600 Metern Höhe: faszinierend. Für 129 Euro pro Erwachsenem "ein Logenplatz am Himmel", wirbt die Firma Clipper Aviation, die sich selbst Deutschlands größtes Wasserflugunternehmen nennt. Seit gut zwei Jahren bietet sie ihre Rundflüge in der Hansestadt an. Erst im April dieses Jahres hatte die Firma das neue Wasserflugzeug in Hamburg getauft.

Warum es am Sonnabend zu dem Unglück kam, blieb von offizieller Seite zunächst unklar. Ein Amateur-Foto jedoch, das im Internet auf bild.de zu sehen war, zeigt, dass die Räder trotz der unmittelbar bevorstehenden Wasserlandung ausgefahren waren - sie ragen an der Unterseite der Schwimmkufen heraus und wirkten wie Bremsklötze, als der Flieger aufsetzte. Fotograf Jürgen G., der mit einem Speedboot auf der Elbe unterwegs war und zufällig Zeuge des Unglücks wurde, beschrieb gegenüber unserer Zeitung, dass die beiden Räder deutlich zu erkennen waren.
"Die Rettung war wegen des Wasserdrucks schwierig"
Nach zunächst unbestätigten Informationen könnte der Pilot nach dem Tanken auf dem Flughafen Fuhlsbüttel vergessen haben, das Fahrwerk einzuholen.

Um 12.56 Uhr der erste Notruf bei der Polizei. Wenig später wurde die Feuerwehr alarmiert. Danach spielten sich dramatische Szenen ab: Als die ersten Retter am Vers mannkai im Baakenhafen eintrafen, trieb das Flugzeug kopfüber im Wasser - nur noch von den Schwimmern gehalten. Mit Fangleinen stürmten die Helfer sofort zu der Maschine und versuchten, die unter Wasser eingeschlossenen und angeschnallten Passagiere in Sicherheit zu bringen. Nicht nur Polizisten, auch der Pilot sowie Augenzeuge Jürgen G. mit vier Freunden kämpften im Wasser um das Leben der Fluggäste. "Doch die Rettung gestaltete sich aufgrund des hohen Wasserdrucks äußerst schwierig", sagte ein Feuerwehrsprecher.
Taucher holten das Paar heraus
Versuche, die Maschine wieder aufzurichten, scheiterten. Tauchern gelang es schließlich, das Paar herauszuholen. Kaum hatten sie die Opfer im Schlauchboot, begannen die Retter, die beiden zu reanimieren. Sie wurden ins Krankenhaus gebracht. Dort starb erst die Frau und wenig später ihr Mann. Der Pilot (42) erlitt einen Schock. Er war zunächst nicht vernehmungsfähig.

Das Landeskriminalamt und die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFA) ermitteln. Geprüft wird unter anderem, ob das ausgefahrene Fahrwerk der Cessna tatsächlich zu dem Unglück geführt hat.

Das Wrack wurde inzwischen geborgen. Taucher befestigten dazu Seile an der Maschine, um sie mit einem Kran aus dem Wasser zu ziehen und auf einen Ponton zu bringen. Danach pumpte die Feuerwehr den Treibstoff ab. Das BFA will das Wrack in dieser Woche untersuchen.

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