Politbarometer : Touristiker fühlen sich von der Politik ignoriert

Sie ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Schleswig-Holsteins - doch die Fremdenverkehrs-Branche fühlt sich von der Politik weitgehend allein gelassen.

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20. Dezember 2012, 10:21 Uhr

kiel | Sie ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Schleswig-Holsteins, trägt in strukturschwachen Gegenden wie Nordfriesland oder Ostholstein mehr als 30 Prozent zum Volkseinkommen bei. Doch sowohl von der alten als auch der neuen Landesregierung fühlt sich die Fremdenverkehrs-Branche weitgehend allein gelassen. Das geht aus einem "Politbarometer" hervor, mit dem der Tourismusverband Schleswig-Holstein (TVSH) die Touristiker im Land erstmals nach ihrer Einschätzung der Landespolitik hat befragen lassen.

Die Tourismuspolitik von Schwarz-Gelb beurteilten nur 29 Prozent als gut oder sehr gut. Die Koalition aus SPD, Grünen und SSW bleibt noch leicht dahinter zurück: nur von 26 Prozent erhält sie ein Gut oder Sehr gut. Und das, obwohl sie mit Reinhard Meyer, ehrenamtlich Präsident des Deutschen Tourismusverbands, einen Wirtschaftsminister vom Fach hat. Die Personalie Meyer begrüßt TVSH-Vize Frank Behrens ausdrücklich; auch bescheinigt er ihm, hoffnungsvolle Ideen formuliert zu haben. "Jetzt kommt es darauf an, dass sich Meyers Ankündigungen auch im praktischen Leben wiederfinden", unterstrich der neue TVSH-Vorsitzende, der Dithmarscher Landrat Jörn Klimant. Er sieht derzeit eine "großflächige, dramatische Enttäuschung über den Stellenwert des Tourismus’ in der Politik". In eine Regierungserklärung habe es der Tourismus zuletzt unter Gerhard Stoltenberg geschafft.

Dass das neue Kabinett bisher nicht besser abschneidet, erklären Klimant und Behrens mit der Bundesratsinitiative zur Rücknahme der Mehrwertsteuerreduzierung für Hotels, dem Aussetzen der einzelbetrieblichen Förderung und dem Bestreben, die sonntäg lichen Ladenöffnungszeiten in Badeorten einzudämmen. Im Forderungskatalog des TVSH ganz oben stehen außerdem Alternativen für den Ausbau der touristischen Infrastruktur, wenn die EU dafür ihre Strukturfonds ab 2014 schließt, eine Weiterentwicklung des Landes-Tourismuskonzepts und mehr Marketinggeld. Dass die neue Regierung dafür an 1,5 Millionen Euro jährlich festhalten will, sei zwar ein Fortschritt gegenüber den Vorgängern, reiche aber nicht aus, um nachhaltig wahrgenommen zu werden. Andere Länder investierten das Drei- bis Vierfache. Für das "Barometer" hat die Fachhochschule Westküste im Oktober und November 208 Tourismus akteure befragt.

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