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Trotz Rekord-Zahlen : Tourismus: Was in SH besser werden muss

vom

2014 war für SH ein starkes Tourismusjahr. Das 70er-Jahre-Flair einiger Hotels und Ferienwohnungen hilft aber nicht.

Flensburg | Schleswig-Holstein kommt bei Touristen immer besser an. 6,76 Millionen Gäste haben im vergangenen Jahr 26,35 Millionen Nächte im nördlichsten Bundesland verbracht. Das vermeldete das Statistikamt am Dienstag. Ein Rekord, der Hoffnung macht. Aber ist das Grund zum grenzenlosen Jubel? Nein. Denn nicht alles läuft perfekt. Es gibt einige Punkte, die den einen oder anderen Touristen von einem Besuch im „echten Norden“ abhalten. Ein paar Beispiele:

Schlechte Infrastruktur

Bahnfahrer müssen ab 2015 auf den Snack-Service in den Zügen in Schleswig-Holstein verzichten.
Wer beispielsweise von Lübeck nach Flensburg fahren möchte, ist fast drei Stunden unterwegs. Ein Grund: 30 Minuten Wartezeit am Kieler Hauptbahnhof. Foto: Michael Staudt
 

Wer nach Schleswig-Holstein reist, muss Geduld mitbringen. Denn der Weg zu den Urlaubsregionen ist oft kein leichter. Autofahrer werden auf der A7 vor allem in Zukunft wegen der Bauarbeiten die eine oder andere Stunde mehr einplanen müssen. Umsteigen auf den Zug? Keine gute Idee in SH. Wer als Pendler unterwegs ist, kann ein Lied von den schlechten Verbindungen singen. So schön das Land auch ist, Touristen werden sich nicht an die gute Infrastruktur zurückerinnern.

 

Zu wenig gute Hotels

Das Luxushotel an der Hohwachter Bucht ist ein Entspannungsort für Superreiche.
Auf Schloss Weißenhaus an der Hohwachter Bucht im Kreis Ostholstein hat ein Multimillionär im Sommer Schleswig-Holsteins teuerstes Hotel eröffnet. Foto: Staudt
 

Wirtschaftsminister Meyer fordert neue und hochwertige Unterkünfte in SH. Recht hat er. Denn wer sich im Land nach gehobenen Mittelklasse-Hotels umschaut, wird nicht wirklich viele finden. Es mag ja stimmen, dass an der Ostsee 2014 ungewöhnlich viele Hotels eröffneten. Dazu zählt auch das teuerste Hotel in Schleswig-Holstein - an der Hohwachter Bucht können im umgebauten Schloss Weißenhaus allerdings nur Superreiche Urlaub machen. Was fehlt, sind moderne Hotels mit hohem Standard und Alleinstellungsmerkmalen. Zwei gelungene Beispiele aus St. Peter-Ording sind das „Beach Motel“ sowie das „Zweite Heimat“.

 

Zu viel 70er-Jahre-Flair

Das Maritim in Travemünde entstand Anfang der 70er Jahre. Die Architektur des Vier-Sterne-Hotels entspricht so gar nicht mehr dem, was heutzutage als gelungen empfunden wird.
Das Maritim in Travemünde entstand Anfang der 70er Jahre. Die Architektur des Vier-Sterne-Hotels entspricht so gar nicht mehr dem, was heutzutage als gelungen empfunden wird. Foto: Imago/Susanne Hübner
 

Dass der Urlaub an den Küsten Schleswig-Holsteins teilweise immer noch einer Zeitreise in die 70er Jahre gleichkommt, wird niemand bestreiten. Die vielen Betonbauten an der Nordsee- und Ostseeküste sind nicht wirklich eine Einladung zum Entspannen. Aber nicht nur Hotels unterliegen diesem „Charme“ der Vergangenheit, auch die Einrichtungen von Ferienwohnungen sind immer noch davon betroffen. Okay, wer auf Schrankwände und Fliesentische steht, wird sich wohl fühlen.

 

Kein Ganzjahresziel

Hartgesottene treten dem Schmuddelwetter in St. Peter-Ording entgegen.
Manche Touristen sind tapfer: Diese treten dem Regen in St. Peter-Ording entgegen. Foto: dpa
 

Seien wir mal ehrlich: Im Sommer ist der hohe Norden zwar wunderschön, die vielen Strände kann uns keiner nehmen. Aber wenn das Wetter nicht mitspielt – und das kann nicht nur in der Nebensaison passieren –, stehen Touristen nicht selten auf verlorenem Posten. Der Besuch von Indoor-Aquarien und Erlebnisbädern sind da auch kein urlaubsfüllender Zeitvertreib. Und dann wären wir ja auch schon wieder bei den Unterkünften: Wer sich in seinem 70er-Jahre-Domizil nicht wohlfühlt, wird dort auch keinen Regentag im Spätherbst verbringen wollen. Es mag ja sein, dass auch in der Nebensaison zunehmend Touristen in den Norden kommen. Umso wichtiger ist es, ihnen dann auch etwas mehr zu bieten.

 

Zu schlechtes Netz

Bestes Wetter, schlechter Empfang: Smartphone-Besitzer müssen sich am Ordinger Strand in Geduld üben.
Bestes Wetter, schlechter Empfang: Smartphone-Besitzer müssen sich auch an einigen Stränden in SH in Geduld üben. Foto: Volkert Bandixen
 

Und dann wär da ja noch die Sache mit diesem Internet: Manch ein Schleswig-Holsteiner kann ein Lied von dem nicht existierenden Empfang singen. Wer sich außerhalb der „Metropolen“ des Landes aufhält, befindet sich auf der ständigen Suche nach einem Netzwerk. Smartphone-Besitzer verzweifeln auch nicht selten an dem nicht funktionierenden Telefon-Netz. Touristen aus erschlosseneren Gebieten – also aus fast dem gesamten Bundesgebiet – erleben im hohen Norden also ihr blaues Wunder. Ein Empfehlungsschreiben werden sie sicherlich nicht ausstellen. Oder vielleicht ja doch: Zumindest diejenigen, die das komplette 70er-Jahre-Paket haben wollen, sind hier sehr gut aufgehoben. 

 

Preiswertere Konkurrenz

Der Ostseestrand in Boltenhagen in Mecklenburg-Vorpommern: Auch beliebt bei Gästen aus Schleswig-Holstein.
Der Ostseestrand in Boltenhagen in Mecklenburg-Vorpommern: Auch beliebt bei Gästen aus Schleswig-Holstein. Foto: Imago/Alimdi
 

Zugegeben: Die Übernachtungen gingen in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr nur um zwei Prozent nach oben, in SH im Vergleich zum Vorjahr dagegen um mehr als sechs Prozent. Aber das Nachbarland verzeichnet immer noch 2,3 Millionen Übernachtungen mehr als das nördlichste Bundesland. Kein Wunder. Denn wer beispielsweise nach guten Hotels sucht, die zudem mit einem guten Spa-Bereich punkten, wird im Osten ein weitaus besseres Preis-Leistungs-Verhältnis vorfinden als im Westen. Das ist ärgerlich für SH. Denn gerade in der Nebensaison sind Wellness-Trips übers Wochenende eine beliebte Abwechslung. Gerade für junge Paare.

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erstellt am 25.Feb.2015 | 15:14 Uhr

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