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Unfall auf Störbrücke Itzehoe : Totgeglaubtes Unfallopfer liegt im Koma

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Am Tag nach dem schweren Unfall in Itzehoe, bei dem eine 72-Jährige versehentlich für tot erklärt wurde, liegt die Frau im Koma. Der Bestatter spricht über die Entdeckung: „So etwas habe ich in 25 Jahren nicht erlebt.“

Heide | „Die Frau hat schwerste Kopfverletzungen und weitere Verletzungen erlitten und ist vier Stunden lang operiert worden“, sagte Harald Stender, Geschäftsführer des Klinikums, am Dienstag. Wie es kommen konnte, dass die noch lebende Frau von der Unfallstelle als vermeintliche Leiche abtransportiert wurde, bleibt rätselhaft.

Bei dem Frontalzusammenstoß zweier Autos starben eine Frau (36) und ein kleiner Junge (6) aus Husum. Außerdem gab es sechs Schwerverletzte - darunter drei Kinder. Der 18-jährige Fahrer eines Kombis, der aus ungeklärten Gründen in einer Autobahnbaustelle auf die nicht mit einer Leitplanke gesicherte Gegenfahrbahn geraten war, schwebt weiter in Lebensgefahr, teilte das Klinikum Itzehoe am Dienstag mit. Ihm wurde eine Blutprobe abgenommen, das Ergebnis lag am Dienstag noch nicht vor. Den anderen Schwerverletzten, die auf mehrere Krankenhäusern in der Region verteilt wurden, gehe es langsam besser, sagte Christian Mandel, Sprecher der Rettungsdienst Kooperation in Schleswig-Holstein.

„Der Fall der für klinisch tot gehalten Frau ist an sich ungewöhnlich, aber man muss die dramatischen Umstände mitbedenken“, sagte Mandel. An den Unfallort rasten sechs Rettungswagen mit zwölf Rettungsassistenten und vier Notarzteinsatzwagen mit vier Ärzten und vier Rettungsassistenten. „Außerdem war noch der leitende Notarzt dabei, der aber nicht selber diagnostiziert und behandelt, sondern den medizinischen Einsatz koordiniert. Ein leitende Notarzt muss relativ schnell Entscheidungen treffen: Leicht verletzt, schwer verletzt oder auch klinisch tot.“ Er müsse zudem medizinische Behandlungen und Krankenhaustransporte anweisen. „Diese Entscheidungsmuster gelten grundsätzlich für jeden Unfall.“ 

Bereits am Vortag hatte das Klinikum Itzehoe nach Rücksprache mit dem leitenden Notarzt zur Situation unmittelbar nach dem Unfall erklärt: „Aufgrund der zu diesem Zeitpunkt fehlenden Vitalzeichen und Schwere der Verletzungen wurde die Patientin als klinisch tot eingeschätzt. Die Versorgung wurde auf die verletzt liegenden Unfallopfer ausgerichtet.“ 

Der Arzt Marko Fiege vom Klinikum Itzehoe fügte am Dienstag hinzu: „Der Auftrag lautete: Rette, was zu retten ist.“ Fiege und Mandel betonten, die medizinische Versorgung der Schwerstverletzten und ihr Transport in die bewusst ausgewählten Krankenhäuser sei sehr gut gelungen - bis auf die grobe Panne bei der alten Frau.

„Es war ein Schock“, sagte der Bestatter der „Bild“-Zeitung. Die vermeintliche Tote sollten er und sein Helfer mit dem Leichenwagen in die Pathologie des Klinikums Itzehoe bringen. „Wir brachten die Tote mit dem Fahrstuhl in den Keller, sie steckte bis über ihren Kopf in einer Decke. Im Fahrstuhl fing sie dann auf einmal an zu zappeln.“ Als die Männer den Leichensack öffneten, habe die Frau nach Luft geschnappt. Sie habe noch EKG-Pflaster auf der Brust gehabt. „So was habe ich in über 25 Jahren als Bestatter noch nicht erlebt.“ Die Frau kam auf die Intensivstation in Itzehoe und wurde später wegen ihrer Kopfverletzungen nach Heide verlegt.

Dass lediglich eine Elektrode des EKG abgerutscht und deswegen kein Herzschlag mehr feststellbar gewesen sein könnte, hält Fiege für einen völlig unzureichenden Erklärungsversuch. Für die Diagnose „klinisch tot“ erfolge eine umfassende klinische Einschätzung, wobei neben dem EKG auch Blutdruck, Puls, Atmung und die jeweiligen Verletzungsmuster einfließen. „Die Frau muss noch eine Eigenatmung gehabt haben, nur konnte sie offenbar am Unfallort nicht wahrgenommen werden.“

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erstellt am 03.Sep.2013 | 13:16 Uhr

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