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Landgericht Lübeck : Toter Juri aus Eutin: Mutter zu 8 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt

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Der kleine Junge musste sterben, weil er die Beziehung seiner Mutter belastete. Die Frau war laut Gutachten überfordert.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 12:24 Uhr

Lübeck | Juris Mutter ist am Dienstag wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau ihr zweieinhalb Jahre altes Kind mit einem Schlafsack strangulierte. Für einen Unfall gebe es ebenso wenig Anhaltspunkte wie für einen anderen Täter, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht Lübeck bei der Urteilsverkündung. Das Motiv: Die 34 Jahre alte Frau wollte die Beziehung zu ihrem damaligen Freund retten. Die Angeklagte, die die Tat bis zum Schluss bestritten hatte, nahm das Urteil ohne äußerlich erkennbare Regung entgegen.

Seit mehr als zwei Monaten stand die Mutter aus Eutin vor Gericht. Der Staatsanwalt hatte sechs Jahre Haft wegen Totschlags, der Vertreter der Nebenklage sogar acht Jahre Haft gefordert. Beide beantragten außerdem, die Angeklagte für eine Therapie in die Psychiatrie einzuweisen. Die Verteidigung dagegen hatte eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung ohne konkretes Strafmaß beantragt.

Die Angeklagte hatte den Tod des Jungen vor Gericht als Unfall dargestellt. Sie habe am Abend des 13. April 2016 noch ein wenig mit Juri herumgetobt, weil er nicht schlafen wollte, sagte sie im Prozess. Dann habe sie ihm seinen Schlafsack angezogen und ihn in sein Bettchen gelegt. „Als ich das Zimmer verließ, war noch alles in Ordnung und am nächsten Morgen war er tot“, sagte die Mutter aus.

Der Gerichtsmediziner sah dagegen keine Anhaltspunkte für einen Unfall. Die Drosselmarken am Hals des Kindes sprächen dagegen, sagte er vor Gericht. Staatsanwalt und Nebenklagevertreter gehen davon aus, dass die Angeklagte Angst hatte, ihren damaligen Lebensgefährten zu verlieren. Da sie mit der Situation überfordert gewesen sei, habe sie Juri als ihren „größten Stressfaktor“ beseitigt, sagte Staatsanwalt Nils-Broder Greve.

Laut einem psychiatrischen Gutachten leidet die Angeklagte unter einer sogenannten emotionalen Teilleistungsstörung und befindet sich teilweise auf dem Stand einer Zwölfjährigen. Die Sachverständige hatte sich für eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik ausgesprochen, da die Gefahr weiterer schwerer Straftaten bestehe.  Die Angeklagte, der bereits früher zwei Kinder vom Jugendamt weggenommen worden waren, bestritt bis zum Schluss, ihren Sohn getötet zu haben. In ihrem Schlusswort vor rund zwei Wochen nannte sie Juri ihren kleinen Engel, der nicht mehr bei ihr sei.

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