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Sieben Fragen zur Lunar Eclipse : Totale Mondfinsternis 2015: Wie Sie den riesigen Blutmond einfangen

vom
Aus der Onlineredaktion

Finster wird der Erdtrabant am 28. September trotz totaler Mondfinsternis nicht. Es wartet ein Jahrtausendspektakel.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2015 | 19:41 Uhr

Wer die Nacht zum 28. September durchschläft, muss sich bis zum 2. September des Jahres 2574 einfrieren lassen, um ein vergleichbares Schauspiel vor dem Wohnzimmerfenster erleben zu können: Auf Nachteulen in SH und ganz Mitteleuropa wartet in der Nacht zum Montag ein riesiges Farbenspiel des Mondes.

Zwei besondere Konstellationen werden die totale Mondfinsternis zu einem wahrlich himmlischen Ereignis machen. Dabei wird der Mond nicht nur beschattet, sondern in enormer Größe und noch dazu in roter Farbe in Erscheinung treten. Als weiterer Bonus ist der veränderte Erdtrabant in jener Nacht auch noch als „Erntemond“ zu bewundern.

Sechs Monate nach der totalen Sonnenfinsternis („Sofi“) lauert damit das nächste astronomische Jahrtausendereignis am Himmel, das erlebt und verstanden werden will. Sieben Fragen und Antworten.

Wann entsteht eine totale Mondfinsternis?
Foto:dpa

Bei der totalen Mondfinsternis tritt der Mond im Verlauf der Finsternis vollständig in den Kernschatten der Erde ein. Sonne, Erde und Mond liegen in einer Reihe. Die Erde hält das Licht der Sonne also ab und der Mond befindet sich im Schatten der Erde. Der Vollmond ist in dieser Nacht zum 28. September der Erde auch noch so extrem nah, dass dies Springfluten und Spannungen in der Erdkruste hervorrufen kann.

Warum erscheint der Mond diesmal so groß?

Die häufige Bezeichnung „Super-Mond“  ist etwas irreführend – jedenfalls  wenn man die Erkenntnis über die Sinneswahrnehmung stellt. Fakt ist: Den Beobachtern wird der Mond größer vorkommen. Fakt ist aber auch: So extrem nah wie der Erdtrabant sich zeigt, kommt er uns gar nicht. Der Abstand vom Mittelpunkt der Erde bis zum Mittelpunkt des Mondes beträgt zum Höhepunkt (Perigäum) um 3.52 Uhr 356.878 Kilometer. Rein wissenschaftlich ist der Mond damit bloß 14 Prozent größer als normal. Während des Spektakels nähert er sich allerdings immer weiter dem westlichen Horizont. Was wir nun wahrnehmen, ist eine optische Täuschung. Unser Gehirn stuft Objekte am Horizont ganz einfach näher ein, als wenn sie am Himmel sichtbar sind. So erscheint der Erdtrabant uns stark vergrößert.

Warum färbt der Mond sich rot?
Foto:imago/ZUMA Press

Der Mond befindet sich bei der Mondfinsternis im Schatten der Erde, doch er wird nicht komplett finster: Langwelliges Licht, das von der Erdatmosphäre gebrochen und in den Schattenbereich gestreut wird, färbt ihn während der Finsternis ein. Verschiedene Farben im Licht werden dabei unterschiedlich stark abgelenkt - und besonders der rote Anteil fällt auf den Mond. Je nachdem, welche Teilchen gerade in der Lufthülle der Erde schweben, kann der Mond dann etwa rötlich-braun, kupferrot oder sehr dunkelrot schimmern.

Was ist ein „Erntemond“?

Erntemond („harvest moon“) bezeichnet den dem Herbstbeginn nächsten Vollmond. Dieser ermöglichte früher den Bauern durch seine Helligkeit das nächtliche Arbeiten auf den Feldern. Der Erntemond ist nicht nur hell, sondern auch verblüffend pünktlich: Er geht in dieser Zeit beinahe eine Woche lang um fast die gleiche Zeit auf – nämlich gegen Sonnenuntergang (und dadurch oft in rötlichem Glanz am Horizont). Das war ein perfekter Übergang der Himmelslichter für die Bauern der damaligen Zeit, die die Ernte vor dem Wintereinbruch einholen mussten. Durchschnittlich geht der Mond nämlich in jeder folgenden Nacht um ca. 50 Minuten später auf.

Wann sollte man aufstehen, um nicht das Beste zu verpassen?

Um 3.52 Uhr am 28. September wird das Perigäum (Erdnähe) erreicht. Wer den Höhepunkt des mehrere Stunden dauernden Schattenspiels nur mal kurz bestaunen will, „sollte am besten den Wecker auf halb fünf stellen“, rät Alexander Weis von der Vereinigung der Sternfreunde, die ihren Sitz im südhessischen Heppenheim hat. Von 4.11 Uhr bis 5.24 Uhr befindet sich der Mond vollständig im Kernschatten: Die Finsternis ist total. Die Mitte ist somit um 4.47 Uhr.

Die Spannung steigt schon um 03.07 Uhr, wenn der Mond in den Kernschatten der Erde eintritt. „Das werden Sie sehen: Da ist was los“, sagte Weis. Auch das Verlassen des Kernschattens um 6.27 Uhr sei noch gut erkennbar. Kurz danach ist aber alles vorbei, dann nämlich, wenn die Dämmerung einsetzt

Wo kann ich den Blutmond am besten sehen?

Viel Aufwand zum Beobachten des Spektakels ist nicht erforderlich: Einfach Richtung Südwesten gucken, ein Blick aus dem Fenster kann ausreichen. Wer möchte, kann zum Fernglas greifen und gleich die schwachen Sterne sehen, an denen der Mond vorbeizieht.

Der Mond werde nicht durch die Mitte des Erdschattens ziehen, sagte Michael Khan vom Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation (Esoc), „sondern nur knapp unter“ dieser Linie.

Beobachtet werden könnte die Mondfinsternis in Deutschland praktisch überall gleich gut. Künstliches Licht dürfte aber stören. „Nicht unter die Straßenlaterne stellen“, rät Björn Voss, Leiter des Planetariums im LWL-Museum für Naturkunde in Münster. In den Städten ist die Lichtverschmutzung höher als auf dem Land. Für eine optimale Sichtbarkeit ist ein nächtlicher Ausflug aufs Land ein guter Plan.

Hauptsache, das Wetter spielt mit. Am besten wäre ein klarer Himmel, Wolken stören immer. Wie das Wetter wirklich wird, sei erst wenige Tage vorher vorhersagbar, betonte der Deutsche Wetterdienst in Offenbach. Alles andere sei ein Blick in die Glaskugel.

Die Finsternis ist bei gutem Wetter in ihrer vollen Länge in vielen Ländern Europas, aber auch etwa in Teilen Afrikas und Amerikas sichtbar. Wer das Ereignis verschläft, muss sich gedulden: Der nächste Supervollmond lässt bis 2033 auf sich warten. Das Tripel aus Erntemond, Vollmond und Supermond wird es erst wieder im Jahr 2574 wieder geben.

Wie fotografiere ich das Schauspiel am Besten?
Foto:imago/Kyodo News

Aufgrund des besseren Bildrauschverhaltens bietet sich die Nutzung einer digitalen Spiegelreflexkamera an. Eine Spezialausrüstung mit Filtern etc. wie bei einer Sonnenfinsternis ist für das bloße Festhalten aber nicht vonnöten. Auch die Augen haben keine schädliche Strahlung zu befürchten.

Selbst mit normalen Digitalkameras lassen sich inzwischen würdige Resultate erziehlen. Unbedingt wichtig ist die Abschaltung des Blitzes. Eine manuelle Einstellbarkeit der Belichtungszeit ist wünschenswert, aber nicht obligatorisch.

Da die Belichtungszeiten hoch sind, ist die Nutzung eines Stativs selbst bei Bildstabilisatoren unumgänglich. Auf diese Weise lassen sich einige Sekunden Belichtungszeit erreichen, ohne dass das Bild verwackelt. Außerdem sollte man einen Fernauslöser verwenden, um Vibrationen beim Auslösen zu vermeiden. Belichtungsreihen erzeugen zwar viel Aussschuss, doch erhöhen die Chancen auf eine gute Ausbeute. Da der Mond sehr unterschiedlich ausleuchtet, kann eine Überbelichtung schnell zum  „Verlust“ der hellen Stellen führen. 

Ein weiteres Problem ist, dass sich der Mond doch recht schnell bewegt. Bei 300mm Brennweite muss man per Iso- und Blendeneinstellung schon Belichtungszeiten über 1,5 Sekunden vermeiden, da Mond und Sterne sonst durchs Bild wischen. Das sollte angesichts der Größe des Mondes aber leicht zu bewerkstelligen sein.

Schon ab 200 mm lassen sich sehr schön die Strukturen auf der Mondoberfläche festhalten. Im Weitwinkelbereich hingegen kann auch über 10 Sekunden belichtet werden. Je länger man belichtet, desto mehr Sterne werden sich im Bild um den Mond reihen.

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