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Archäologie : Tongrube gibt riesiges Wal-Skelett frei

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Nach elf Millionen Jahren kommt es wieder zum Vorschein: Im lauenburgischen Groß Pampau hat ein Hobby-Archäologe ein 15 Meter langes Wal-Skelett entdeckt. Drei Monate wird es dauern, bis Wissenschaftler es komplett freilegen. Dienstag haben die Arbeiten begonnen. Dass es nicht der erste Fund dieser Art in der Grube ist, ist kein Zufall.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2013 | 16:38 Uhr

Groß Pampau | Spektakulärer Fund in einer Tongrube im lauenburgischen Groß Pampau: Wissenschaftler legen seit gestern ein rund 15 Meter langes Wal-Skelett frei, das ein Hobby-Geologe am Sonnabend entdeckt hatte. Immer wieder werden bei Grabungen in der Grube der Firma Ohle & Lau Wal-Skelette entdeckt – doch noch nie war eines so groß wie diesmal. Voraussichtlich drei Monate wird es dauern, alle Knochen des vor etwa elf Millionen Jahren gestorbenen Tieres zu sichern. „Um welche Art es sich handelt, können wir noch nicht sagen“, erklärte Grabungsleiter Gerhard Höpfner vom Museum für Natur und Umwelt in Lübeck.

Der Hamburger Architekt Andreas Malchow war – wie so oft – am Sonnabend in der weitläufigen Ton- und Kiesgrube zwischen Groß Pampau, Kankelau und Wotersen unterwegs, um nach Fossilien zu suchen. Ein Hobby von ihm. Auf der Zufahrt, die in die mit dunklem Glimmerton gefüllte Grube führt, entdeckte er einen kleinen Knochensplitter. „Vermutlich ist vorher ein Bagger dort entlang gefahren und hat den Knochensplitter mit seiner Kette aus dem Wirbel des Wals gerissen“, meint Malchow. Sofort meldete er seinen Fund dem Lübecker Museum, in dem bereits frühere Funde aus Groß Pampau präpariert wurden und in der Ausstellung zu sehen sind. Ein Wal ziert auch das Wappen, das die 150 Einwohner von Groß Pampau vor drei Jahren entwickelten. „Für unsere Gemeinde sind diese Funde besonders beeindruckend, wir sind damit weltweit bekannt", sagte Bürgermeister Thomas Stich.

Vor Millionen Jahren befand sich in Groß Pampau die Ur-Nordsee, deren Wasser warm und etwa 50 Meter tief war. „Hier fühlten sich die Meeressäuger wohl“, weiß Höpfner. Wale, die starben, trieben im Wasser, faulten und gasten, bis sie explodierten und auf den Meeresgrund sanken. Höpfner: „Das ist soweit nicht ungewöhnlich. Hier haben wir aber den Vorteil, dass ein Salzstock im Boden den Glimmerton vom früheren Meeresgrund nach oben drückt. Eigentlich liegen die Wal-Skelette in 120 Metern Tiefe, hier holen wir sie bei 33,50 Metern über Normal Null aus der Erde.“ Wolfgang Ohle und Bernd Lau verkaufen den Glimmerton aus ihrer Grube unter anderem, um Deponien abzudichten. Jetzt ruhen die Arbeiten – wieder einmal. „Wir haben großes Glück, dass die Grubenbesitzer unsere wissenschaftlichen Arbeiten unterstützen“, so Höpfner. Für private Hobby-Geologen ist das Gelände mittlerweile aber gesperrt. Weil es zu gefährlich ist.

„Es ist ganz sicher ein tolles Fossil“, ist Museumsleiterin Susanne Füting überzeugt. „Wir können hier ein Fenster öffnen und elf Millionen Jahre in die Geschichte blicken, schwärmte sie von den Grabungsbedingungen in Groß Pampau. Und Höpfner ist überzeugt, dass in der Grube in den kommenden Jahrzehnten noch mehr Skelette als das Dorf Einwohner hat gefunden werden.

Aus dem Berliner Museum für Naturkunde machte sich gestern Oliver Hampe auf den Weg nach Groß Pampau. „Hier sind die Tiere oftmals vollständig abgelagert, es sind nicht nur vereinzelte Knochenfunde“, sagte er. Von einem kompletten Skelett gehen die Wissenschaftler auch diesmal aus. Vorsichtig legen sie mit kleinen Schaufeln und Pinseln jetzt die Umgebung des Fundortes frei. Die ersten Wirbel zeugen bereits davon, dass der Wal ein großes Kaliber ist.

Die Nordsee in ihrer heutigen Form existiert erst seit etwa 8300 Jahren, früher reichte die Ur-Nordsee bis weit ins Binnenland des heutigen Schleswig-Holsteins. In Groß Pampau, heute immerhin gut 120 Kilometer von der Nordseeküste in Dithmarschen entfernt, ist es bereits der zehnte Wal-Fund seit den 80er Jahren. In den kommenden Monaten wird die Fundstelle rund um die Uhr bewacht und tagsüber gegraben. Etwa 2000 Stunden dürfte dann anschließend die Präparierung des Skelettes dauern, schätzen die Experten.

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