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Auf "Kajakmaran" : Tönninger umsegelt Europa

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Der Tönninger Andreas Gabriel hat Europa umsegelt - auf einem selbstgebastelten "Kajakmaran". Delphine und Menschen sorgten für unvergessliche Erlebnisse.

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2013 | 07:39 Uhr

Tönning | Geschafft! Mit großem Jubel und vielen Tränen empfingen Angehörige und Freunde am Sonnabend Europa-Umsegler Andreas Gabriel. Völlig erschöpft, aber überglücklich nahm der Nordfriese seine beiden Söhne und Lebensgefährtin Sa brina Most in die Arme - endlich wieder bei der Familie.
Insgesamt 14 Monate war der Aben teurer mit seinem aus zwei Kajaks zusammengeschraubten, kleinen Segeln und einem Außenbordmotor ausgestatteten "Kajakmaran" unterwegs. In allen Häfen sorgte nicht nur das ungewöhnliche Boot für Aufsehen, auch Gabriels Geschichte fesselte die Menschen. Denn der 44-Jährige war ohne Geld und Kreditkarte unterwegs. "Es war die Sympathie, die mich satt machte. Ich erzählte immer, dass ich nur mit mir und meinem Boot unterwegs war." Es dauerte meist nicht lange, bis die Menschen in den Häfen oder an den Stränden Hilfe anboten, ihm zum Essen einluden, einen Schlafplatz anboten, ja sogar Geld zusteckten. Es war seine direkte und freundliche Art, die dem Schleswig-Holsteiner dabei halfen. Und sein Seebär-Gesicht. "Ich sah aus wie ein Penner, wie ein Heimat loser. Wenn ich in einen Hafen fuhr, dachte so mancher: ,Mein Gott, was kommt da denn rein. Dem muss man doch helfen."

Das Boot voll Wasser, der Motor streikt

Gestartet war Gabriel im Mai 2011 mit dem Ziel, Europa ohne Unterbrechung in etwa einem Jahr zu umsegeln. Doch dann pausierte er zwei Winter, und es wurden drei Etappen und etwa 15 000 Kilometer. Zunächst ging es "ohne viel Ängste " von der Eider über Flüsse und Kanäle in Rhein und Donau bis zum Schwarzen Meer. Drei Monate dauerte allein diese Strecke, bis auf einen Tag auf dem Rhein war an Segeln nicht zu denken. Danach weiter nach Istanbul und durch das Marmarameer in die türkische Ägais. Es war Hochsommer, als Gabriels erster wirklicher Seetörn begann, er 45 Seemeilen bis zur griechischen Insel Mykonos vor sich hatte. Plötzlich Gewitter, Sturm, strammer Nordost-Wind. Immer mehr Wasser wurde in die Cockpits gedrückt. "Mein Fehler war, dass ich sie nur mit selbstgebastelten Deckeln, nicht aber zusätzlich mit Spritzdecken abgedichtet hatte. Zehn Meilen vor Mykonos waren beide Boote voll Wasser und der Außenbordmotor ging auch nicht mehr", berichtet der Abenteurer. In seiner Not rief er zu Hause an: "Schalte den Computer an, ich brauche die erste Bucht, die rechts liegt." Blitzschnell erhielt er die Satelliten-Position, segelte durch die sturmgepeitschte See zum sicheren Strand.
Gefährliche Situationen auf See sollten noch einige folgen, besonders entlang der Atlantikküste. Doch nicht weniger anspannend war es für den Europa-Umsegler, etwas zu essen zu bekommen. Doch irgendwie ging es immer weiter. Als er auf einer kleinen griechischen Insel saß und nur noch trockenes Brot hatte, kam aus dem Nichts eine Frau auf ihn zu, drückte ihm zwei Plastiktüten mit Lebensmitteln in die Hand. "Ich habe gelernt, was es bedeutet, Hilfe in Anspruch zu nehmen."

Delphine und Menschen sorgen für unvergessliche Erlebnisse

Bis Taranto in Süditalien schaffte es Gabriel bis Anfang November. Dann schlug das Wetter um, die See wurde unberechenbar. Der Familienvater beschloss, nach Hause zu fliegen. Sein Boot durfte er bei einer italienischen Familie unterstellen.
Im Mai 2012 begann die nächste Etappe. Das Mittelmeer hatte für den Segler "Badewannen-Flair", unvergesslich aber die Erlebnisse in den Häfen und an den Stränden in Spanien und Portugal. Immer wurde sein Boot von Neugierigen umzingelt. Zum Schluss die Atlantikküste, oft begleiteten Delphine das Boot. Nach sechs Monaten erreichte Gabriel im Oktober schließlich das nordspanische Laredo. "Ich war randvoll mit Erlebnissen und Emotionen, war wirklich erschöpft." Winterpause, Gabriel flog wieder nach Hause. Der Hafenmeister kümmerte sich ums Boot. Wie in allen anderen Häfen auch musste Gabriel keinen Cent bezahlen.
Im Mai diesen Jahres schließlich der Start zur letzten Etappe. Entlang der französischen Küste Richtung Nordsee, wo Gabriel sein "Kajakmaran" schon mal durchs Watt ans sichere Ufer ziehen musste. Heilfroh, im heimischen Revier zu sein, segelte er schließlich Sonnabend Richtung Eidersperrwerk. Ein Schiffshorn ertönte und der Schleusenwärter öffnete schnell das Tor - willkommen zu Hause.

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