Vorwürfe gegen Tierpark Neumünster : Tödliche Gefahr im Pinguin-Becken

Die Kolonie der Humboldt-Pinguine im Tierpark ist auf ein Drittel geschrumpft ist. Zurzeit leben dort noch elf Vögel.   Foto: Vaquette
Die Kolonie der Humboldt-Pinguine im Tierpark ist auf ein Drittel geschrumpft ist. Zurzeit leben dort noch elf Vögel. Foto: Vaquette

Die Pinguin-Kolonie in Neumünster ist auf auf elf Tiere geschrumpft: Die Tierschutzorganisation Peta wirft dem Tierpark Hygienemängel vor.

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24. März 2013, 05:52 Uhr

Neumünster | Die Tierschutzorganisation Peta erhebt schwere Vorwürfe gegen den Tierpark. Von Verstößen gegen den Tierschutz ist die Rede, von einem hohen Chloreinsatz im Wasserbecken der Seehunde und auch von Hygienemängeln, die zum Sterben von 25 Humboldt-Pinguinen geführt haben sollen. Der Tierpark weist alle Anschuldigungen zurück. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen", erklärt der Leiter Dr. Peter Drüwa. Er spricht von einem "Racheakt eines früheren Mitarbeiters".

Drüwa räumt allerdings ein, dass die Kolonie der Humboldt-Pinguine durch eine tödliche Pilzkrankheit kräftig dezimiert worden ist. Nach seinen Worten befällt die Aspergillose vorwiegend Jungtiere; älteren Tieren könne der Pilz nichts anhaben. Die Krankheit sei schwer zu bekämpfen, die jetzige Gruppe mit ihren elf Tieren aber stabil. Ein Zukauf von Pinguinen komme wegen der Gefahr der Ansteckung gegenwärtig nicht in Frage.

Meerschweinchen "unsachgemäß" getötet?

Peta hat auch die "unsachgemäße Tötung von Futtertieren" kritisiert und das städtische Veterinäramt informiert. In ihrem Antwortschreiben hielt die Amtstierärztin Dr. Katja Busch fest, dass "bei Meerschweinchen aufgrund der anatomischen Verhältnisse und der Aktivität der Tiere der Betäubungsschlag keine Treffsicherheit gewährleistet und bei dieser Tierart als nichtakzeptable Methode eingestuft werden muss". In diesem Sinne habe man die Tierparkleitung belehrt.

Die ebenfalls von Peta bemängelte Chlor-Zugabe in den Wasserbecken für Eisbären oder Seehunde sieht die Veterinärin wegen der geringen Konzentrationen als "unkritisch" an. Gesundheitliche Probleme etwa an den Augen der Seehunde "konnten aktuell nicht festgestellt werden und sind uns auch aus der Vergangenheit nicht bekannt".

Enges Eisbärgehege in der Kritik

Für Drüwa steht fest, dass die Peta-Aktivisten am liebsten sämtliche Wildtiere aus Zoos verschwinden lassen wollen. So führe die Organisation seit Jahren schon eine Kampagne gegen die Eisbärenhaltung in deutschen Tierparks. Drüwa wörtlich: "Die ziehen sich daran hoch." Er weist darauf hin, dass Eisbär Kap vor gut einer Woche nach Hannover ausquartiert wurde, damit das Gehege komplett saniert werden kann. Im Herbst soll Kap dann wieder nach Neumünster zurückkehren. Das mächtige Raubtier wird sich hier wieder gut einleben, ist Drüwa überzeugt: "Eisbären müssen nicht zig Hektar an Fläche haben. Hauptsache ist, sie fühlen sich sicher."

Den Grundkonflikt der Zoohaltung von wilden Tieren spricht auch die Tieräztin an. Man müsse, erklärt Katja Busch, "ein so optimal wie mögliches Umfeld schaffen, um dem Besucher Tiere vorzustellen, die zwar in Gefangenschaft leben, aber dennoch so naturnah wie möglich in einem hygienisch einwandfreien Umfeld und entsprechend einem modernen Empfinden für eine artgerechte Haltung untergebracht sind".

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