Langwedel : Todesflug mit Bausatz-Flieger

In dieser Lancair 235 starben Pilot Lukas B. und sein Passagier. Der Flieger muss selbst zusammengesetzt werden und hatte bereits mehrere Unfälle. Foto: Manfred Heuer
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In dieser Lancair 235 starben Pilot Lukas B. und sein Passagier. Der Flieger muss selbst zusammengesetzt werden und hatte bereits mehrere Unfälle. Foto: Manfred Heuer

Ein Sportflugzeug stürzte am Sonntag auf ein Maisfeld bei Kiel. Zwei Menschen starben. Das Unglück wurde möglicherweise durch ausströmendes Kohlenmonoxid verursacht.

shz.de von
19. Oktober 2011, 12:17 Uhr

Langwedel/Sankt Michaelisdonn | Es sollte ein schöner Rundflug über Schleswig-Holstein werden, doch nur 15 Minuten nach dem Start am Sonntag starben der Pilot und sein Passagier: Der Absturz einer Sportmaschine vom Typ Lancair 235 im Langwedeler Ortsteil Blocksdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ist eine bedrückende Tragödie.
Pilot Lukas B. (40), Ingenieur aus Hamburg, war am Sonntag um 13.12 Uhr vom ehemaligen Militärflugplatz Hungriger Wolf bei Itzehoe gestartet. Mit ihm im Cockpit saß ein Mann aus seinem Bekanntenkreis. Lukas B. steuerte den 300 Stundenkilometer schnellen, zweisitzigen Tiefdecker in Richtung Kiel. Bei bestem Flugwetter mit hervorragender Sicht und nur leichtem Südwind stürzte die Lancair 235 dann plötzlich in ein Maisfeld.
Pilot hatte vor dem Start getankt
"Das Flugzeug muss sehr steil zu Boden gegangen sein, denn es gab keine Absturzschneise", erklärt Fritz Kühne, Sprecher der Bundesanstalt für Flugunfalluntersuchung (BFU). Ein Augenzeuge berichtete der Polizei, der Motor habe ausgesetzt. War Kraftstoffmangel die Ursache? Ernst-Peter Nawothnig, Flugleiter auf dem Flugplatz Hungriger Wolf, schließt das aus: "Der Pilot hat vor dem Start 30 Liter getankt, die in der kurzen Zeit bis zum Unglück unmöglich hätten aufgebraucht werden können."
Das Propellerflugzeug, mit einem 108 PS starken Lycoming Vierzylindermotor ausgestattet, gilt als sehr sportliche Maschine - aber auch als "eigen" und "zickig". Lukas B. war zwar ein erfahrener Pilot, hatte aber wohl erst wenige Flüge auf der Unglücksmaschine absolviert, die er im Mai 2011 in Braunschweig gekauft und von dort nach Itzehoe überführt hatte.
Strömte Kohlenmonoxid ins Cockpit?
"Bei dem Flugzeug handelt es sich um einen amerikanischen Kunststoffbausatz", erklärt Manfred Heuer aus Nortorf, einer der Vorbesitzer. "Es war äußerst sensibel zu steuern und nichts für Piloten, die nicht den täglichen Umgang mit der Maschine hatten." Heuer hatte den 1990 gebauten Flieger beschädigt in Bayern gekauft und musste selbst schwierige Situationen mit der schnellen Lancair 235 meistern, darunter eine Landung ohne Fahrwerk auf dem Flugplatz Rendsburg-Schachtholm. "Es ließ sich nicht ausfahren", erklärt Heuer, der das Flugzeug daraufhin nach Wiesbaden verkaufte. Danach erwarb es die "Interessengemeinschaft Flugtechnik Braunschweig e.V.", die es auch nicht lange behielt, sondern vor einem halben Jahr an Lukas B. verkaufte.
Die BFU muss nun die Absturzursache klären. Das Wrack der Lancair 235 liegt seit Dienstag in der Halle eines Abschleppunternehmers in Nortorf, soll dort untersucht werden. Geprüft wird, ob es technische Defekte gab. War genug Treibstoff im Vergaser? Oder geriet Kohlenmonoxid aus dem Motor ins Cockpit und wurden Pilot und Passagier bewusstlos? Zudem wird die Flugspur ausgewertet. BFU-Sprecher Kühne: "Die Maschine hatte einen Transponder an Bord, der Daten wie Flughöhe und Geschwindigkeit übermittelte."
"Angehörige des Passagiers haben bei mir angerufen"
Für Pilot und Passagier kam jede Hilfe zu spät. Die Retter hatten zunächst Mühe, das Wrack im hohen Mais zu finden, erst die Crew des Rettungshubschraubers Christoph 47 sichtete die Trümmer. "Beide Insassen waren beim Eintreffen der Einsatzkräfte tot", sagt ein Feuerwehrsprecher in Kiel. Auf dem Flugplatz Hungriger Wolf ist die Stimmung gedrückt. Flugleiter Nawothnig: "Angehörige des Passagiers haben bei mir angerufen und weinten sehr. Ich habe ihnen gesagt, was ich über das Unglück wusste."

Lancair 235 - Schnell und zickig
Die Lancair 235 wird in Oregon in den USA produziert und vorwiegend als Bausatz vermarktet. Das Flugzeug wird in Einzelteilen an den Kunden geliefert, der die Endmontage selbst vornimmt. Wegen der sehr guten aerodynamischen Form und eines Leergewichts von nur 430 Kilogramm erreicht der Tiefdecker mit einziehbarem Bugfahrwerk selbst mit einem 108 PS-Motor eine Reisegeschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde. Unter Piloten gilt das Flugzeug als zickig, seit 1989 gab es in den USA 122 Abstürze mit 92 Toten.

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