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Konferenz in Wilhelmshaven : Todesfalle Nordsee: Experten diskutieren über Strandung von Pottwalen

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Im Januar waren rund 30 Pottwale unter anderem an den Küsten von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und den Niederlanden verendet. Experten wollen unter anderem über Konsequenzen für den Walschutz diskutieren.

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2016 | 07:31 Uhr

Die jungen toten Wale hatten keine Infektionskrankheiten, hatten genug gegessen und sind nicht wie zunächst vermutet verhungert. Doch in den Mägen der an den Nordseeküsten gestrandeten Pottwale fanden Veterinäre bei der Untersuchung auch Müll. Fischernetze, Leinen, alte Autoteile, Kaffeekapseln und Verpackungen des täglichen Bedarfs seien teilweise in erheblichem Ausmaß entdeckt worden, sagte Prof. Ursula Siebert von der Tiermedizinischen Hochschule Hannover am Mittwoch in Wilhelmshaven. 13 der 30 Tiere wurden dort untersucht. Todesursächlich war der Müll nicht. Aber im weiteren Leben hätten die Wale damit Probleme bekommen, sagte Siebert.

Früher wurden Pottwale gejagt, ihre Bestände sind deshalb gering und sie gelten als gefährdet. Auch Plastikmüll im Meer gefährdet die Tiere. Pottwale sind in der Nordsee sehr selten anzutreffen. Sie ist eigentlich zu flach für die riesigen Meeressäuger.

Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) kündigte auf dem eintägigen Walsymposium an, insbesondere die Aktivitäten gegen die Vermüllung der Meere zu verstärken. „Das sind Dinge, die das Leben dieser großen Meeressäuger stark beeinträchtigen könnten.“ Mit der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie der Europäischen Union zur Reduzierung der Müllbelastung sei ein erster Schritt erfolgt. Der Schlüssel sei aber die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung für die Bedeutung der Meere als wichtiger Teil des Ökosystems.  

Für die tödliche Strandung der insgesamt 30 Wale sind nach Ansicht der Experten nicht eine einzelne Ursache, sondern eher eine Mischung verschiedener Faktoren verantwortlich. Die zu der Jahreszeit ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen in Nordatlantik hätten möglicherweise die Tintenfische - Lieblingsspeise der Pottwale - weit in den Norden getrieben, sagte Siebert. „Die klimatischen Veränderungen könnten dazu beigetragen haben.“ Schwere akustische Manöver, die die Wale vom richtigen Kurs vom Nordmeer zu den Azoren abgebracht haben könnten, habe es zu der Zeit nicht gegeben. 

Walstrandungen in der Nordsee hat es bereits im 16. Jahrhundert gegeben. „Und wir müssen damit rechnen, dass es wieder passiert“, sagte Siebert. „Wenn sie einmal in der Nordsee sind, haben sie kaum eine Chance, da wieder rauszukommen.“ Dass es oft mehrere Tiere sind, ist nicht ungewöhnlich. „Die männlichen Jungwale sind immer in Gruppen von bis zu 40 Tieren unterwegs.“ Niedersachsen hat nach Angaben von Wenzel für die Beseitigung der Kadaver 120.000 Euro gezahlt. Rund 100 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Verbänden hatten über Phänomen der Walstrandungen und mögliche Ursachen diskutiert sowie Filmbeiträge über das Leben der Wale gesehen.

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