"Es tut so weh" : Tod in Lentföhrden: Jetzt sprechen die Eltern

Die Getötete lag auf einem Feldweg bei Lentföhrden: Feuerwehrmänner haben den Fundort  mit Decken abgehängt, warten auf das Eintreffen der Spurensicherung. Foto: Friederichs
Die Getötete lag auf einem Feldweg bei Lentföhrden: Feuerwehrmänner haben den Fundort mit Decken abgehängt, warten auf das Eintreffen der Spurensicherung. Foto: Friederichs

Ein 20-Jähriger aus Eckernförde soll in Lentföhrden das Mädchen erstochen haben, das er liebte. Seine Eltern: "Es gibt keine Rechfertigung für diese Tat."

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14. April 2013, 06:23 Uhr

EcKernförde | Ein Verkehrspolizist stoppt in Wiemersdorf (Kreis Segeberg) ein Auto. Am Steuer sitzt ein junger Mann aus Eckernförde, die Hände blutverschmiert. Er legt ein furchtbares Geständnis ab: "Ich habe gerade meine Ex-Freundin getötet." Ihre Leiche wird zehn Kilometer entfernt auf einem Feldweg bei Lentföhrden gefunden. Es ist ein Fall, der erschüttert. Warum hat Leonard (20, Name von der Redaktion geändert) das Mädchen erstochen, das er liebte?

Die Frage quält seine Eltern. Mit dem sh:z sprechen sie über die Tragödie. Bei einer Freundin sitzen Vater (63) und Mutter (51) im Wohnzimmer, auf dem Tisch ein Block mit Notizen vom Unfassbaren, in den Augen Tränen. "All unsere Gedanken sind bei der Familie von Maria (Name geändert)", sagt der Vater leise. "All unser Mitgefühl. Es gibt nichts, um wieder gutzumachen, was unser Sohn getan hat. Es tut uns unendlich leid."

"Sie war seine erste große Liebe"

Der Vater weiß, dass es für die Eltern von Maria kaum ein Trost sein wird, er sagt es trotzdem: "Auch wir haben eine Tochter verloren. Für uns war sie wie eine Tochter. Es schmerzt unendlich."

Als Maria und Leonard 16 Jahre alt waren, hatten sich kennengelernt - über das Internet, obwohl sie beide in Eckernförde lebten. "Sie war seine erste große Liebe", sagt die Mutter. Zeitweise wohnte Maria sogar bei der Familie ihres Freundes. "Ihre Mutter musste beruflich nach Kaltenkirchen ziehen. Da blieb sie ein halbes Jahr bei uns, um ihren Realschulabschluss zu machen."

Leiden unter ständigen Trennungen

Vier Jahre lang waren Maria und Leonard ein Paar, jedoch nicht ununterbrochen. "Die beiden waren immer mal wieder getrennt", erklären die Eltern. Doch nie lange auseinander. "Nach zwei bis drei Tagen waren sie wieder zusammen. Sie konnten nicht mit- aber auch nicht ohne einander."

Die ständigen Trennungen, das hin und her in der Beziehung - es ist nicht unbedingt etwas, das Erwachsene verstehen können. "Zeitweise trafen sie sich heimlich", weiß die Mutter. Maria aber, die habe sie auch besucht, wenn beide getrennt waren. "Sie kam zum Kaffee, zum Reden, sie hatte ja einen Schlüssel für unser Haus", ergänzt der Vater. Nach ihrem Abschluss war die junge Frau nach Kaltenkirchen gezogen und hatte eine Ausbildung zur medizinisch-technische Assistentin begonnen. Der gute Kontakt zu den Eltern von Leonard blieb. Der Mutter ihres Freundes vertraute sie sogar ihre Beziehungsprobleme an. "Ich riet ihr, einen klaren Schlussstrich zu ziehen, sollte sie alles zu sehr belasten."

"Wir dachten, er geht seinen Weg"

Auch Leonhard litt. "Wir haben das natürlich gemerkt, er weinte ja auch." Doch er ist - wie viele Jugendliche in seinem Alter - keiner, der solche Dinge mit seinen Eltern besprechen will. "Das hat er mit sich ausgemacht, er war da ein Einzelkämpfer", sagt seine Mutter. Und der Vater fügt hinzu: "Natürlich hatte er Freunde, aber wohl keine, mit denen er über Liebesprobleme sprechen konnte oder mochte." Doch große Sorgen um ihren Sohn machten sich die Eltern nicht. Leonard sei zwar sensibel, aber auch ehrgeizig, gewissenhaft und intelligent. "Wir dachten, er geht seinen Weg."

Zur letzten Trennung kam es genau eine Woche vor der Tat. Es hatte einen heftigen Streit gegeben, der den Eltern nicht entging. Kurznachrichten flogen hin und her. In seiner Vernehmung soll Leonard zu den Ermittlern gesagt haben: "Sie hatte einen neuen Freund." Maria soll ihm das am Tag der Trennung offenbart haben.

Leonard bat Maria um ein Treffen

"Wir wissen nicht, ob es so war", sagt der Vater. "Wir wissen nicht, ob es wirklich einen neuen Partner gab." In den Augen der Eltern schien die Trennung so zu verlaufen, wie alle Trennungen zuvor. "Am Sonnabend haben die beiden wieder gemeinsam Party gemacht, waren in der Disko", so die Mutter. Doch in Leonard muss die Nachricht von Marias neuem Glück, ob wahr oder nicht, etwas ausgelöst haben, das in die Katastrophe führte.

Der junge Mann wollte Fachinformatiker werden, machte gerade ein Betriebspraktikum. Am Montag fuhr er wie in den Tagen zuvor zu der Computerfirma. Der Vater sagt: "Es gab keine Anzeichen für die Tat, er hat sich morgens fertig gemacht und ist ins Auto gestiegen. Wir wussten auch nicht, dass die beiden verabredet waren." Leonard hatte Maria um ein Treffen gebeten, für das er seinen Arbeitsplatz vorzeitig verließ. "Die Tat selbst passierte gegen 17 Uhr. Eigentlich war er zu dieser Zeit immer noch bei der Arbeit."

Ein einziger Messerstich

Dass ihr Sohn Maria erstochen haben soll, erfuhren die Eltern von der Polizei. "Wir glaubten es nicht", sagt die Mutter. "Wir glaubten es einfach nicht. Es tut so weh, weil Maria zur Familie gehörte." Was genau vorgefallen ist, berichteten die Ermittler den Eltern nicht. Die Obduktion von Maria hat ergeben, dass sie mit einem einzigen Messerstich getötet worden ist. Die Staatsanwaltschaft spricht vom Mordmerkmal der Heimtücke - weil die junge Frau nicht ahnen konnte, was ihr widerfahren würde. Der Vater bricht in Tränen aus: "Es gibt keine Rechtfertigung, keine Entschuldigung für diese Tat, es tut uns so unendlich leid für die Familie von Maria."

Seinen Sohn hat er seit der Festnahme nicht gesehen, noch nicht mit ihm gesprochen. Ein Anwalt ist beauftragt. "Er bekommt einen Pflichtverteidiger, keinen Staranwalt", erklärt der Vater. "Für das, was er getan hat, muss er gerade stehen. Und wenn es uns noch gibt, wenn er aus dem Gefängnis kommt, werden wir versuchen, ihm bei einem neuen Start zu helfen." Wie sie den Eltern von Maria jemals wieder unter die Augen treten können, wissen die beiden nicht.

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