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Kadettin Jenny Böken : Tod auf der Gorch Fock: Schwere Vorwürfe gegen Schiffsarzt

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Vor sechs Jahren ging Jenny Böken über Bord der Gorch Fock. Vor dem nächsten Gerichtstermin ist eine neue Zeugin aufgetaucht.

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erstellt am 19.Okt.2014 | 12:36 Uhr

Kiel | Was geschah in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 auf der Gorch Fock? Sicher ist: Damals hatte die 18-jährige Kadettin Jenny Böken Nachtwache - und ging über Bord. Zwölf Tage später wurde ihr Leiche aus der Nordsee geborgen. Die Kieler Staatsanwaltschaft sprach von einem tragischen Unglück, die Umstände des Todes sind aber bisher nicht geklärt. Eine neue Zeugin erhebt jetzt nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel schwere Vorwürfe gegen den damaligen Schiffsarzt.

Das Besatzungsmitglied meldete sich demnach rund sechs Jahre nach Jenny Bökens Tod. Der Schiffsarzt habe entgegen seiner Aussage sehr wohl von Jenny Bökens Schlafproblemen gewusst, sagt die Frau. Die junge Sanitätsoffizieranwärterin sei immer wieder im Dienst eingeschlafen, zahlreiche Aussagen und eine Beurteilung der Marineschule Mürwick belegten das. Trotzdem stand Jenny Böken auf dem Ausguck - ganz vorne auf dem Segelschulschiff. Dort, wo es am heftigsten schaukelt.

„Diese Zeugin ist unglaublich wertvoll für uns. Endlich hat jemand sein Schweigen gebrochen“, wird Rainer Dietz zitiert, der Anwalt der Familie. Am Mittwoch verhandelt das Verwaltungsgericht Aachen über eine Entschädigungsklage der Eltern. Marlis und Uwe Böken aus Geilenkirchen in Nordrhein-Westfalen haben die Bundesrepublik auf 40.000 Euro Entschädigung nach dem Soldatenversorgungsgesetz verklagt. Nach diesem Gesetz steht den Eltern eines Soldaten eine Entschädigung zu, wenn dieser bei der Dienstausübung unter besonderer Lebensgefahr stirbt.

Es gehe ihnen nicht um Geld, sagen die Eltern. Sie wollen wissen, unter welchen Umständen ihre Tochter starb. Seit Jahren kämpfen sie dafür vor Gericht und werfen der Staatsanwaltschaft Kiel ungenügende Ermittlungen vor: zu viel sei noch immer ungeklärt, widersprüchlich. Ihre Tochter könne nicht ertrunken sein - denn laut Obduktionsergebnis hatte sie kein Wasser in der Lunge.

Jetzt wollen die Bökens gerichtlich klären lassen, ob ihre Tochter damals Dienst unter besonderer Lebensgefahr tat. Sie sagen: Bei der Nachtwache herrschte schwere See bei 15 Grad Wassertemperatur. Ihre Tochter habe keine Schwimmweste getragen - ungesichert auf dem Ausguck.

Das Gericht verschaffte sich bereits Anfang August einen Eindruck von diesem Arbeitsplatz bei einem Ortstermin auf der Gorch Fock. Die Eltern waren bei dem Termin mit auf dem Schiff. Ob die Richter direkt nach der mündlichen Verhandlung an diesem Mittwoch schon entscheiden werden, ist offen.

Mit dpa

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