Tipps vom Meisterfahrer

Kurzer Griff in die Leinen  von Las Vegas, Leopold, Cappo und Pepita: Michael Freund zeigt  Hans-Peter Goldnick, wie sich die Pferde noch besser biegen und stellen.rc (2) Trainertipps auf dem Kutschbock.
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Kurzer Griff in die Leinen von Las Vegas, Leopold, Cappo und Pepita: Michael Freund zeigt Hans-Peter Goldnick, wie sich die Pferde noch besser biegen und stellen.rc (2)
Trainertipps auf dem Kutschbock.

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02. Februar 2013, 01:14 Uhr

Negernbötel | Hier wird gearbeitet und sich angestrengt, das ist deutlich zu sehen. Über den vier dunkelbraunen Pferden vor dem Marathonwagen steigt Dampf auf. Auf dem Kutschbock sitzen Fahrer Hans-Peter Goldnick aus Nehms und Trainer Michael Freund und schauen hochkonzentriert. Die Anweisungen des Trainers sind knapp und präzise und nur für die Ohren des Fahrers bestimmt. Die Zuschauer rund um den großzügigen Außenplatz sehen nur die Reaktionen: Die Pferde biegen sich noch einen Tick mehr nach links oder rechts, aus dem versammelten Trab wird plötzlich starker Trab, von der langen Geraden geht es auf den Zirkel. Dann Zügel lang, die Pferde fallen in den Schritt, eine Entspannungspause wird vom Trainer verordnet. Dann werden auf dem Kutschbock die Plätze gewechselt, und Michael Freund - viermaliger Weltmeister, zwölf mal deutscher Meister, fünfmaliger Indoor-Worldcup-Gewinner - greift selbst zu den Leinen. "Ich musste Hans-Peter einmal das Einhändigfahren zeigen, das in der neuen Dressuraufgabe der schweren Klasse vermehrt vorkommt und hoch bewertet wird," sagt Freund nach der Trainingsstunde und klopft den Braunen vorne links im Gespann.

Michael Freund ist auf Einladung von Familie Harm nach Negernbötel (Kreis Segeberg) aus Dreieich bei Frankfurt angereist - mit dem Zug und zweimaligem Umsteigen. Sein Unterricht ist gefragt, gerne werden die Tipps des fröhlichen Hessen bei Lehrgängen in aller Welt angenommen. Für den US-amerikanischen Fahrsport wurde er 2010 als Trainer verpflichtet. Einen Großteil seiner Zeit verbringt er mittlerweile mit Trainingseinheiten in Florida ("Da sind heute 28 Grad") und begleitet die Amerikaner zu internationalen Wettkämpfen weltweit. Im Mai gehts zu einem großen Fahrturnier nach Dorthealyst auf Seeland in Dänemark. Dieses internationale Turnier in der Gemeinde Knabstrup dient ihm und den US-Fahrern als Vorbereitung für das Chio in Aachen Ende Juni, wo Freund große Erfolge feierte.

Zuhause in Dreieich warten zwölf Pferde auf ihn, die er für ihre Besitzer trainiert und für die höhere Dressur qualifiziert. Er sei zwar auch internationaler Richterkandidat für das Gespannfahren, "aber ich lebe vom Sport und muss mein Geld als Trainer verdienen", so der 58-Jährige. Sein schönster Erfolg zum Ende seiner internationalen Fahrerzeit war der Gewinn des WM-Mannschaftstitels 2006 und der Sieg im Hallen-Weltcup 2007 in Göteborg. "Das war ein schöner Abschluss meiner Karriere".

Besonders stolz ist Michael Freund auf seinen mittlerweile 16-jährigen Sohn Marco, der vom Vater mit seinem Zweispänner Ponygespann zuhause in Dreieich trainiert wird. Außerhalb der Turniersaison im Winter, wenn der Junior genug mit der Schule zu tun hat, werden die Ponys überwiegend von Michael Freund und seinem Bruder Fred gefahren, "aber wenns mit Marco zu Wettkämpfen geht, bin ich nur der TT, der Turniertrottel," sagt der vielfache Champion und strahlt vor Stolz.Infos für Interessierte am Fahrsport:

www.fahrergemeinschaft-sh-hh.de

Buchtipp: "Michael Freund - Ein Leben für den Fahrsport", 24,80 Euro, FN Verlag

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