Katzenplage : Tierschützer fordern Kastrationspflicht

Katzenbabys finden fast überall etwas zum Spielen. Decken und lange Überwürfe für Sofa und Bett sind außerdem gute Verstecke.  
Katzenbabys finden fast überall etwas zum Spielen. Decken und lange Überwürfe für Sofa und Bett sind außerdem gute Verstecke.  

75.000 Katzen leben wild in SH - und es werden immer mehr. Politiker und Tierschützer fordern daher eine Kastrationspflicht für Streuner - doch gerade für Hartz-IV-Empfänger ist der Eingriff kaum bezahlbar.

shz.de von
22. Oktober 2013, 08:06 Uhr

Kiel | „Es ist Zeit zu handeln.“ Mit diesen Worten hat gestern die Landtagsabgeordnete der Piraten, Angelika Beer, den auf Einladung ihrer Partei in Kiel veranstalteten zweiten runden Tisch zum Thema Katzenplage eröffnet. Über zwei Stunden debattierten Tierschützer, wie sie der Ausbreitung der rund 75.000 wild lebenden Katzen in Schleswig-Holstein Herr werden können. „Wir wollen eine Kastrationspflicht“, sagte der Landesvorsitzende des Tierschutzbundes, Holger Sauerzweig-Strey. Freiwilligkeit bringe wenig. Tierschützer berichteten von Kastrationsaktionen, nach denen es gelungen sei, „die Population spürbar einzuschränken“, so Sauerzweig-Strey . Allerdings seien die Mittel der Tierheime begrenzt, die oft auf eigene Kosten Tiere kastrieren. „Die Spendenbereitschaft der Deutschen hat zugenommen, allerdings zeigt sich das leider nicht beim Tierschutz.“

Einige Ämter und Gemeinden zahlen einen Zuschuss von rund 30 Euro, „auch weil sie gemerkt haben, dass durch die Kastrationen die Quote an Fundtieren spürbar zurückgegangen ist“, sagt Sauerzweig-Strey. Seine Erfahrung zeige, dass auch Privatleute, wenn sie auf die Katzenplage angesprochen werden, bereit seien, ihr Tier zu kastrieren. „Das mindert auch den Bestand der ausgesetzten Katzen.“ Vor allem Hartz-IV-Empfänger könnten die Kosten von rund 100 Euro allerdings häufig nicht aufbringen. „Wir brauchen da Unterstützung“, sagt Angelika Beer. Die Piratin sieht das Land in der Pflicht, die Kastrationspflicht zu erlassen. „In anderen Bundesländern gibt es diese Vorstöße auch.“

Das Umweltministerium in Kiel ist zurückhaltender. Die Kastrationspflicht sei eine starke Einschränkung, so Sprecherin Nicola Kabel. Das Katzenproblem sei regional unterschiedlich. Deshalb erwäge das Ministerium, Kreise und Gemeinden über eine Kastrationspflicht entscheiden zu lassen. 

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