Mit Video : Tierhalter protestieren in Kiel gegen Wölfe in SH

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Demonstraten stellen die Wildtiere als Bestien dar.

Demonstraten stellen die Wildtiere als Bestien dar.

Etwa 300 Wolfsgegner demonstrieren vor dem Landeshaus gegen die Ausbreitung des Raubtiers.

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05. Dezember 2018, 12:58 Uhr

Kiel | Nach der Tötung Dutzender Schafe durch Wölfe in diesem Jahr hat sich der Agrarausschuss des Landtages am Mittwoch kritisch mit der Ausbreitung des Raubtiers in Schleswig-Holstein auseinandergesetzt. Begleitet wurde die mehrstündige Anhörung von einer Demonstration von gut 300 Wolfsgegnern vor dem Landeshaus. „Weide oder Wolf!“ stand auf Plakaten des Bauernverbandes.

Zurzeit leben in Schleswig-Holstein nach Angaben des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) mindestens zwei bis drei junge Wölfe.

<p>Seit 200 Jahren galt er in SH als ausgerottet, seit 2007 wird er immer mal wieder gesehen: Der Wolf.</p>
Imago/Martin Wagner

Seit 200 Jahren galt er in SH als ausgerottet, seit 2007 wird er immer mal wieder gesehen: Der Wolf.

 

Nach Angaben des Wolfsbetreuers Björn Schulz wurden in diesem Jahr im Land vier verschiedene Wölfe genetisch nachgewiesen. Große Sorgen bereiteten davon zwei Tiere, die wegen vieler Risse aufgefallen seien.

 

Weiterlesen: Die Diskussion um den Wolf wird immer hitziger

Mit Schildern machen die Tierhalter auf ihre Probleme mit dem Wolf aufmerksam.
dpa

Mit Schildern machen die Tierhalter auf ihre Probleme mit dem Wolf aufmerksam.

 

Die betroffenen Schafhalter müssten eine große Last im Zusammenhang mit der Rückkehr des Wolfes tragen, sagte Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Deshalb habe er die Unterstützung in Form von Herdenschutzmaßnahmen deutlich aufgestockt. „Mit neuer Technik wollen wir dafür sorgen, dass Wolfschutzzäune schneller und einfacher aufgebaut werden können.“

Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) spricht mit den Demonstranten.
dpa

Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) spricht mit den Demonstranten.

 

Die Einzäunung mit Netzen und der Einsatz von Herdenschutzhunden seien keine Lösung des Problems, sagte Janine Bruser vom Landesverband der Schaf- und Ziegenzüchter. Sie verwies auf den hohen Kosten und Zeitaufwand. Es werden Stimmen laut, die die „Entnahme“ (Bejagung) verhaltensauffälliger „Problemwölfe“ fordern. Doch was ist ein verhaltensauffälliger Wolf? Für Janine Bruser ist das ganz klar: „Ein Problemwolf ist ein Wolf, der immer wieder Schafe reißt.“

Die Bauern und Schäfer sehen ihre Tiere in Gefahr.
dpa

Die Bauern und Schäfer sehen ihre Tiere in Gefahr.

 

30 tote Tiere im Kreis Rendsburg-Eckernförde, die vermutlich von Wölfen erlegt worden sind, ein totes Tier in Pinneberg, das von einem Wolf gerissen wurde. Seit elf Jahren leben wieder Wölfe in Schleswig-Holstein.

 

Seit 2007 gibt es wieder Wölfe in SH. Wann es Nachweise gibt und gab, können Sie unserer Karte entnehmen:

Wolfsfreunde gegen Abschüsse

Die Debatte um das Tier wird hochemotional geführt. Carsten Träger, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, sagte: „Die Bejagung des Wolfes ist eine Scheinlösung. Entscheidend ist effektiver Herdenschutz. Neuerdings können Herdenschutzmaßnahmen zu 100 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert werden.“ Er verwies überdies auf den hohen europäischen und deutschen Schutzstatus des Wolfs. „Die EU-Kommission hat mehrfach betont, diesen hohen Schutzstatus des Wolfes beibehalten zu wollen. Von daher stellt sich die Frage nach einer generellen Bejagung des Wolfes nicht“, stellte er klar.

Umfrage bestätigt Angst in dünn besiedelten Gebieten

Jeder vierte Bewohner sehr dünn besiedelter Gebiete nimmt die wachsende Zahl frei lebender Wölfe in Deutschland als Gefahr für sich persönlich wahr. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von t-online.de hervor.

In sehr dicht besiedelten Gebieten fürchteten lediglich etwa 14 Prozent der Befragten Wolfsangriffe. Insgesamt gaben fast 80 Prozent der Befragten an, sie hätten keine Angst vor dem Wolf. Rund 18 Prozent sagten, die Ausbreitung der Tiere ängstige sie.

<p>Bilder einer Wildkamera zeigen den Wolf auf Streifzug am Montag, 26. November, in Moordiek.</p>
shz

Bilder einer Wildkamera zeigen den Wolf auf Streifzug am Montag, 26. November, in Moordiek.

 

Am ehesten besorgt waren der Umfrage zufolge Menschen über 65 Jahre, jeder Fünfte von ihnen äußerte sich entsprechend. Am wenigsten Angst hatten Jugendliche zwischen 18 und 29 Jahren: Von diesen brachte nur jeder Zehnte Befürchtungen zum Ausdruck. Das Institut hatte vom 29. November bis 4. Dezember 5029 Menschen online die Frage gestellt: „Nehmen Sie die wachsende Zahl frei lebender Wölfe in Deutschland als Gefahr für Sie persönlich wahr?“

Keine Angriffe auf Menschen

Unterdessen ist eine direkte Gefahr für den Menschen selbst bislang nicht belegbar. Für den vermuteten Angriff eines Wolfes auf einen 55-Jährigen in Steinfeld nordöstlich von Bremen haben Wissenschaftler keinen genetischen Nachweis gefunden. Ein Gemeindemitarbeiter hatte angegeben, er sei am Dienstag voriger Woche auf einem Friedhof von einem Wolf oder wolfsähnlichen Tier gebissen worden. Er hatte die Wunde nach dem Biss zunächst selbst versorgt und war erst einen Tag später zum Arzt gegangen. Wie das niedersächsische Umweltministerium mitteilte, wurden sieben Proben, die am Tag nach dem Biss genommen wurden, auf DNA-Spuren geprüft – keine enthielt einen Nachweis für einen Wolf.

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